Einsatzkräfte fischen Schwemmholz aus der Aare

Vollgelaufene Keller, überflutete Strassen und umgestürzte Bäume: Vom Hochwasser sind grosse Teile der Schweiz betroffen. Besonders kritisch ist die Lage im Kanton Bern.

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Die Hochwassersituation im Kanton Bern hat sich weiter zugespitzt. Der Thuner- und der Bielersee erreichten im Verlauf des Tages die Hochwassermarke. Auch in Bern war die Lage in den aarenahen Quartieren angespannt.

Arbeiten laufen auf Hochtouren: Ein Kran fischt Schwemmholz aus der Aare. (Video: Leserreporter: Albert Haesler; 4. Mai 2015)

Die nächste Störung sei bereits im Anzug, meldete der Wetterdienst Meteo News. Der Föhn halte die Störungszone am Dienstag noch ein bisschen auf. Doch dann schlafe der Südwind ein und eine Kaltfront ziehe über die Schweiz. Im Schlepptau hat sie teils auch mit Gewittern durchsetzte Schauer.

Besonders in der Nacht auf Mittwoch erwartet Meteonews verbreitet Regen. Dies könnte im Berner Oberland zu weiter steigenden Wasserständen und erhöhter Erdrutschgefahr führen.

Reissende Strömung beim Schwellenmätteli: Die Aare führt über 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Leservideo (4. Mai 2015)

Die Niederschläge am Wochenende und in der Nacht auf heute hatten die Gewässer im Kanton Bern stark anschwellen lassen. Dazu liessen warme Temperaturen den Schnee in den Bergen schmelzen.

Viele Gewässer im Kanton Bern waren platschvoll und traten da und dort über die Ufer. Vor allem in den Ballungsgebieten Thun, Bern und Biel wurde die Lage mit Besorgnis beobachtet.

Bei der Kantonspolizei gingen insgesamt etwas über hundert Meldungen zum Hochwasser ein, wie Mediensprecher Andreas Hofmann auf Anfrage sagte. Die Meldungen betrafen unter anderem überschwemmte Keller und überflutete Strassen. In Steffisburg und Faulensee kam es zu kleineren Erdrutschen. Verletzte gab es bisher keine. Grosse Schäden und Verkehrsbehinderungen blieben am Montag ebenfalls aus.

Hier sehen sie, wo Hochwassergefahr besteht: Zur Gefahrenkarte des Bundes (Bild: Screenshot Bafu).

Der Thuner- und der Bielersee erreichten im Verlauf des Tages die Hochwassergrenze. Am Thunersee musste die Schifffahrt eingestellt werden. Dies bleibt nach Angaben der Schiffsbetreiberin BLS auch am Dienstag noch so.

Der Bieler Regierungsstatthalter hat für Dienstag ein Schifffahrtsverbot auf dem Bielersee, dem Nidau-Büren-Kanal bis zum Regulierwerk Port, der alten Zihl sowie dem Zihlkanal bis zur Kantonsgrenze erlassen.

Die Behörden rechnen damit, dass der Pegel des Bielersees in den nächsten Stunden weiterhin steigt und die ganze Woche hoch sein wird, auch wenn es nicht mehr regnen sollte.

Angespannte Ruhe

Angespannte Ruhe herrschte in den aarenahen Quartieren der Stadt Bern. Dort schwappte die hochgehende Aare da und dort über die Ufer. Die Feuerwehr war indessen gut vorbereitet und hatte bereits am Sonntag Schutzvorrichtungen und Pumpen bereitgestellt.

Die Aare trat auch beim Tierpark Dählhölzli über die Ufer. Tiere mussten aber keine evakuiert werden. Der Hochwasserschutz halte gut, sagte Tierparkdirektor Bernd Schildger auf Anfrage. Die Uferwege beim Dählhölzli und anderswo in Bern waren am Montag gesperrt.

Am späten Nachmittag hatte sich die Abflussmenge der Aare in Bern auf hohem Niveau stabilisiert, wie die Berufsfeuerwehr mitteilte. Sie rechnet «eher nicht mit einer wesentlichen Veränderung der Situation während der Nacht».

Hoffnung in Thun

Nachdem es zu regnen aufgehört hatte, stieg der Pegel des Thunersees am Nachmittag nur noch langsam an, wie das Gemeindeführungsorgan mitteilte. In Thun gehen die Behörden von einer weiteren Entspannung der Lage aus.

Im Ufergebiet im Lachen und im Gwatt drang bisher nur wenig Wasser in die flachen Gebiete. Nennenswerte Schäden gab es nach Angaben der Behörden nicht. Im Kanderdelta räumt ein Schwimmbagger das Schwemmholz weg.

Das Bundesamt für Umwelt hatte für die Gebiete am Thuner- und Bielersee sowie für die Aare die zweithöchste Hochwassergefahrenstufe ausgerufen.

Aare in Olten steigt markant an

Die Abflussmenge der Aare in Olten im Kanton Solothurn wird wieder markant steigen. Die Kantonsbehörden rechnen mit Abflussmengen von 950 Kubikmeter pro Sekunde in Olten und von 890 Kubikmeter pro Sekunde in Murgenthal.

In Olten sind am rechten Aareufer mobile Hochwasserschutz-Elemente installiert worden. Die Sandsack-Barrikaden in Olten wurden erhöht, wie der Kantonale Führungsstab (KFS) mitteilte.

Durch die notwendige Regulierung der übervollen Seen (Brienzersee, Thunersee, Bielersee) bleibe die Abflussmenge der Aare voraussichtlich noch während der ganzen Woche konstant hoch.

Nach dem kurzzeitigen Überschreiten der Murgenthalerbedingung von 850 Kubikmeter pro Sekunde am Montagvormittag pendelte sich die Abflussmenge der Aare am Nachmittag wieder bei Werten von 650 Kubikmeter pro Sekunde in Murgenthal und 700 Kubikmeter pro Sekunde in Olten ein.

Rheinschifffahrt unterhalb von Basel erneut gesperrt

Der Rheinpegelstand bei Basel ist wieder angestiegen. Am frühen Nachmittag überschritt er erneut die Marke von 820 Zentimeter, ab welcher die Rheinschifffahrt zwischen Basel und dem flussabwärts gelegenen Kembs (F) gesperrt wird.

In der Nacht auf Montag war der massgebliche Pegelstand in Basel-Rheinhalle gesunken, und die Schifffahrtssperre flussabwärts war aufgehoben worden. Dann stieg der Pegelstand im Laufe des Tages aber wieder an, wie der Homepage der Schweizerischen Rheinhäfen in Basel zu entnehmen war.

Laut Auskunft der Rheinhäfen hatte der Pegelstand in den letzten Tagen mehrfach um die Hochwassermarke von 820 Zentimeter herum gependelt. Von Basel flussaufwärts in Richtung Birsfelden BL und Rheinfelden AG blieb die Sperre weiter aufrecht: Dort müsste zur Freigabe die 790-Zentimeter-Marke unterschritten werden.

pst/sda

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