«Die Goldmedaille kommt auf eine Bank»

Olympiasieger Iouri Podladtchikov spricht im Interview über die Sehnsucht nach Gold, die Emotionen mit seinen Eltern und Fotomodell Kate Moss.

«Ich glaube, lachen ist die stärkste Form, sich Selbstvertrauen zu geben»: Snowboarder Iouri Podladtchikov nach seinem Sieg in der Halfpipe.
Sebastian Rieder@RiederSebastian

Iouri Podladtchikov, wenn Sie die letzten 24 Stunden zurückblenden. Welches sind die stärksten Bilder in Ihrem Kopf?
Oh, ich habe heute ein Bild von meinen Eltern gesehen, wie sie im Zielraum nach vorne gestürmt sind, an allen Sicherheitsleuten vorbei. Die Securitys haben meine Eltern wohl vorbeigelassen, weil sie Russisch können. Sonst hätten sie sie wohl niemals durchgelassen. Meine Eltern haben mir heute Morgen erzählt, wie viele Hindernisse sie überwinden mussten, bis sie bei mir waren. Zuerst sind sie in die Mitte der Bahn gerannt und ich habe gerufen und geschrien: «Wo ist meine Mutter, wo ist mein Vater?» Und dass sie dann plötzlich aufgetaucht sind, war Zufall. Diese Bilder sind stark. Die Halfpipe im Hintergrund, meine Eltern völlig aufgelöst, ich glaube, Gesichter mit mehr Emotionen gibt es gar nicht.

Es gibt auch noch das Bild, wo Sie vor Ihrem letzten Lauf oben beim Start das Publikum animieren und dabei lachen.
Ich glaube, lachen ist die stärkste Form, sich Selbstvertrauen zu geben. Wenn man sich selber anlächelt und oder den Moment belächelt, wird man in diesem Moment mega viel stärker. Oben bei der Startrampe habe ich aus dem Bauch heraus gelacht, das war nicht geplant. Das habe ich schon oft gemacht. Ich habe mich schon einige Male hingestellt und mir gesagt: So, jetzt lachst du einfach mal über diese Situation. Das bringt dich sofort weiter. Das Lachen ist mega stark.

Ist das Ihre Art, mit dem Druck umzugehen?
Ja, zum Teil schon. Lachen hilft oft, auch in traurigen Situationen. Lachen ist gesund (lacht).

Das grösste Lachen wird wahrscheinlich kommen, wenn Sie endlich die Goldmedaille in Empfang nehmen können.
Ich kann es nicht erwarten.

An der Pressekonferenz haben Sie gesagt, Sie wollen Ihre Medaille auf einer Bank deponieren.
Ja, die kommt auf eine Bank. Ich will so eine Abstimmung machen, in welcher Bank ich sie deponieren soll. Gian Simmen hat seine Goldmedaille auch auf einer Bank. Und ich finde diese Idee einfach so schweizerisch perfekt. Dann ist das Werk vollendet.

Sie haben nach Ihrem Sieg auch immer wieder das Fotomodell Kate Moss angesprochen. Sie scheint eine wichtige Rolle in Ihrem Leben zu spielen.
Das will ich noch einmal erklären. Kate Moss war an der Pressekonferenz ein Thema, weil ich auch fotografiere und gerne von ihr ein Bild machen würde fürs «Vogue»-Magazin. Und viele Journalisten haben verstanden, dass ich selber aufs Cover von «Vogue» wolle. Es gibt niemanden, der mehr auf der Titelseite war als sie, deshalb habe ich sie ins Spiel gebracht. Ausserdem hat sie ein sehr interessantes Gesicht. Sie hat ein Gesicht, an dem wir uns nicht sattsehen können. Für alle. Es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, der dieses Gesicht nicht sehen will. Das finde ich faszinierend und die Frage, wie kreiere ich ein Bild, an dem ich mich nicht sattsehen kann, das beschäftigt mich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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