Zum Hauptinhalt springen

Der Traum vom hohen Norden«Noch nie hatte ich so etwas Schönes gesehen»

Leserinnen und Leser erzählen von der Reise ihres Lebens: Hanna Wymann erfüllte sich mit Mitte sechzig ihren Kindheitstraum – einmal das Nordkap sehen.

Familienverpflichtungen hielten sie lange davon ab, doch 2007 reiste Hanna Wymann endlich ans Nordkap.
Familienverpflichtungen hielten sie lange davon ab, doch 2007 reiste Hanna Wymann endlich ans Nordkap.
Foto: Franziska Rothenbuehler

Es war 1954 und ich besuchte gerade die fünfte Klasse der Primarschule, als uns unser Klassenlehrer Max Schürch Fotos seiner letzten Reise ans Nordkap zeigte. Das waren so wunderbare Bilder, von Hammerfest und seiner Kirche, von der Natur, den vielen bunten Häusern. Für mich war der Anblick überwältigend. Noch nie hatte ich so etwas Schönes gesehen. An diesem Tag wuchs in mir der feste Wunsch: Eines Tages will ich ans Nordkap.

Bis es so weit war, vergingen jedoch sage und schreibe 50 Jahre. In diesen ist viel passiert: Ich heiratete und gründete eine Familie. Zuerst hatte ich Familienverpflichtungen, später kümmerte ich mich um meinen Vater. Mein Mann und ich sind zwar gereist, bis in den hohen Norden hat es aber nie gereicht. Jahrelang musste er sich anhören, wie gerne ich ans Nordkap wollte, wenn ich wieder einmal Bilder gesehen oder etwas darüber gelesen hatte.

Im Sommer 2007, mein Mann war unterdessen pensioniert, war es dann endlich so weit: Wir entschieden uns, meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Mit Car und Schiff reisten wir in 14 Tagen bis ganz nach oben, zum nördlichsten Punkt Europas. Zuerst fuhren wir durch Deutschland bis nach Travemünde, wo wir die Fähre nach Schweden bestiegen. Von Stockholm aus ging es – wieder über Wassernach Turku in Finnland und von da aus weiter nach Helsinki. Auf dem Weg bewunderten wir nicht nur die Vegetation mit den Bäumen, die immer kleiner wurden, wir sahen auch viele Tiere. Etwa eine Bärenfamilie, Elche und Rentiere, die sich dem Car in den Weg stellten.

Ein typisches Dörfchen im hohen Norden.
Ein typisches Dörfchen im hohen Norden.
Foto: PD 

Über die finnische Seenplatte ging es schliesslich hoch nach Norwegen. Wir reisten zur Zeit des Mitsommers, also in der Zeit, in der die Sonne niemals untergeht. Deshalb war es hell wie am Tag, als wir uns um etwa halb 10 Uhr abends vom Städtchen Honningsvåg aus auf unsere letzte Etappe zum Nordkap aufmachten. Ich war sehr aufgeregt, war es doch der Ort, den ich seit meinem 12. Lebensjahr unbedingt sehen wollte, und dann erlebte ich dies noch zusammen mit meinem Mann Hans – doppelt schön!

Endlich am Ziel: Hanna Wymann winkt vom Globus am Nordkap.
Endlich am Ziel: Hanna Wymann winkt vom Globus am Nordkap.
Foto: PD

Vor allem die Bilder von Hammerfest hatten mich als Schülerin fasziniert. Der Ort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den deutschen Soldaten vollends zerstört. Einzig die kleine Kirche hatte überlebt. Diese schliesslich zu betreten, war ein unbeschreibliches Gefühl. Als ich dann noch das Wahrzeichen des Nordkaps, den Globus, erblickte, war ich überglücklich und endlich am Ziel. Wie schön, dass dieser Traum doch noch in Erfüllung gegangen ist.

Hanna Wymann, Münsingen