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Filmdrama über LissabonNiemand holt den Müll ab

Der stimmige Thriller «O fim do mundo» spielt unter den Bewohnern eines Elendsviertels in Lissabon.

Spira (Michael Spencer, l.) verliebt sich in ejne junge Frau.
Spira (Michael Spencer, l.) verliebt sich in ejne junge Frau.

Am Rande von Lissabon gibt es das Armenviertel Reboleira, sicher kein Ort, der von vielen Touristen besucht wird. Der schweizerisch-portugiesische Regisseur Basil da Cunha hat das «Ghetto» mehrere Male erkundet, er drehte seinen ersten Langfilm «Até ver a Luz» dort, und seit mehr als zehn Jahren lebt er selber in Reboleira. Man habe von dem Quartier aus eine unverbaubare Sicht auf Lissabon, sagte er in einem Interview zu seinem neuen Film «O fim do mundo». «Aber das interessiert in Reboleira niemanden.»

Damit ist schon viel gesagt zu den Menschen, die in Reboleira leben, und zum Kino, das Basil da Cunha macht. Es ist ein Kino von unten, das zusammen mit den Bewohnern entsteht, denn dieser Regisseur richtet seinen Blick auf das, was ihm nahe ist. Belebt wurde Reboleira in den 70ern durch Einwanderer von den Kapverden, lange Zeit eine portugiesische Kolonie. Sie kamen als Bauarbeiter und brachten ihre kreolische Kultur mit, die nun auch «O fim do mundo» bestimmt.

Soll man es einen sozialrealistischen Thriller nennen? Spira (Michael Spencer) kehrt nach Reboleira zurück, nachdem er acht Jahre in einer Erziehungsanstalt verbracht hat, und gerät in Konflikt mit einem Drogendealer. Es ist eine ähnliche Geschichte wie in «Até ver a Luz», aber das ist kaum von Bedeutung, wenn man sieht, mit welcher Sensibilität Basil da Cunha das Viertel und seine Menschen porträtiert. Sie kommen kaum über die Runden; derweil lässt die Stadt den Müll stehen und schickt Bulldozer vorbei, um Häuserzeilen abzureissen.

Das Bild ist körnig und schattig, der Blick ist voller Zuneigung. Seinen Schauspielern, in der Regel Laien, beschrieb Basil da Cunha die Situation, in der ihre Figuren stecken, dann liess er spielen, ohne «Cut» zu rufen. Manchmal unterbrach er sie, fragte: «Das hast du gesagt? Sag das noch einmal!» Das Resultat ist Energie und Unmittelbarkeit, die Form ist bestimmt von einem starken Gefühl für Rhythmus und Bruch (nicht weniger als fünf Leute sind für den Schnitt verantwortlich).

Es gibt keinen Exotismus und keine Bevormundung in «O fim do mundo». Der Film zeigt, verurteilt aber nicht, und nur die Erfindungen neigen gelegentlich zu einer etwas überdeutlichen Metaphorik. Es wäre nicht nötig gewesen, denn die Stimmen und Gesichter von Reboleira sind ausdrucksstark genug.

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