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Was dem Klärmeister am meisten stinkt

Frei zugänglich ist sie nicht. Aber Hans Stucki zeigt noch so gerne, wie die Abwasserreinigungsanlage in Langnau funktioniert.

Klärwerkmeister Hans Stucki die ARA Langnau.
Klärwerkmeister Hans Stucki die ARA Langnau.
Beat Mathys

Es ist nicht so, dass Hans Stucki etwas zu verbergen hat. Trotzdem hält ein Schild am Zaun unangemeldeten Besuch von der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Langnau fern. Aus Sicherheitsgründen, weil man in offene Becken fallen könnte. Doch Klärmeister Stucki führt gerne Besucher durch die ARA, denn dann kann er zeigen, was es heisst, sauberes Wasser zu vergeuden. Jeder Moment, in dem man zu lange unter der Dusche steht, führt zu noch mehr Wasser, das in die ARA gelangt. Deren Aufgabe ist es zwar, die Kloake zu reinigen. Aber so sauber, wie es aus dem Hahn kommt, wird es nie mehr.

Als Stucki nach dem Rundgang, wo das gereinigte Wasser in die Ilfis abfliesst, eine Kelle klares H2O schöpft, glaubt man es kaum: 24 Stunden vorher war es Teil einer braunen Brühe, die aus sechs Gemeinden in der ARA eingetroffen ist. Im ersten Becken wird das ganz Grobe herausgeholt. Da könne schon mal ein kopfgrosser Stein mit dabei sein, sagt Stucki. Dann öffnet er die Tür zum Rechenhaus. «Das ist unsere grausigste Hütte», sagt er. Ob man sich hier auf einen gewaltigen Gestank gefasst machen muss? Stucki lacht: «Ich glaube schon, ich rieche es schon gar nicht mehr.»

Aber doch, es stinkt. Kein Wunder, hier werden Fäkalien von all dem getrennt, was sonst noch die Toiletten hinuntergespült wird. Und das ist nicht bloss Toilettenpapier. Der Rechen fördert Slipeinlagen, Wattestäbchen, Schokoladenpapier und man möchte nicht wissen, was noch alles, aus der braunen Suppe empor. In einer Sammlung mit skurrilen Entdeckungen bewahrt Stucki auch ein Gebiss auf. Etwas vom Ärgerlichsten seien die Feuchttücher, sagt er. Weil sie so reissfest sind, verklumpen sie zu einem steinharten Etwas und verstopfen die Pumpen. Die «ganze Herrlichkeit», wie Stucki das Rechengut bezeichnet, füllt jede Woche zwei Abfallcontainer.

Wundersame Vorgänge

Die Kloake fliesst weiter. Im nächsten Becken hat der Sand Zeit, sich abzusetzen, damit er unten aufgefangen und in einer Inertstoffdeponie entsorgt werden kann. Im Vorklärbecken senken sich weiter jene Teilchen ab, die schwerer sind als Wasser. Die öligen, die Stucki an Salatsauce und Handcreme denken lassen, schwimmen obenauf. Beide Stoffe werden langsam in einen Trichter geschoben und der Schlammbehandlung zugeführt. Ab hier folgt in verschiedenen Becken zuerst die biologische und danach die chemische Reinigung. Um nachvollziehen zu können, was Bakterien und Metallsalzlösungen im immer sauberer wirkenden Wasser genau anstellen, hätte man in Biologie und Chemie besser aufpassen müssen.

Während fast sauberes Wasser in die Ilfis fliesst, bleibt Schlamm zurück. Dieser wird in einem Speicher erwärmt, damit Fäulnis einsetzt und Gas entsteht, das im Blockheizkraftwerk genutzt wird. So erzeuge die ARA ihre Energie selbst, erklärt Stucki, während er den Besuch wieder zum Tor begleitet.

Für den BZ-Adventskalender schauen wir bis Weihnachten jeden Tag hinter eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird oder werden darf. Hier können Sie nachlesen, wo wir bisher zu Besuch waren:

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Christian Pfander
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
Durch diese gfürchige Tür dürfen nur wenige gehen. Wer das ist, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 23. Dezember.
Florine Schönmann
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
Hinter dieser Tür im Erlacherhof befindet sich das Sitzungszimmers der Stadtregierung. Wie es dort aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 1. Dezember.
Beat Mathys
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