Warten auf den Super-Bildschirm

Während OLED-Displays in immer mehr Geräten auftauchen, arbeiten Apple und Samsung bereits an der Nachfolgetechnologie.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Jahr für Jahr nimmt die Anzahl Bildschirme in unserem Alltag zu: Smartphones, Fernseher, Computer und sogar manche Uhren haben inzwischen Bildschirme. Im Gleichschritt wird auch die Bildqualität ständig besser. Die Bildschirme flimmern immer weniger, die Farben werden schöner, und man sieht immer kleinere Details.

Möglich machen dies reihenweise neue Technologien, die sich allesamt hinter kryptischen Abkürzungen verstecken. Aktuell findet gerade eine Wachablösung statt. Immer mehr Geräte setzen statt auf althergebrachte LED-Bildschirme auf OLED-Bildschirme. So ähnlich die Abkürzungen erscheinen, handelt es sich dabei um zwei grundverschiedene Technologien.

Schwarzes Schwarz

Als Konsument erkennt man OLED-Bildschirme daran, dass bei Filmen und Fotos schwarze Stellen auch wirklich schwarz und nicht nur leicht dunkelgrau aussehen. Ein positiver Nebeneffekt davon ist, dass der Bildschirm weniger Strom verbraucht, da die schwarzen Stellen nicht leuchten müssen.

Wer ein höherpreisiges Android-Handy hat, der hat vermutlich bereits einen OLED-Bildschirm. Samsung zum Beispiel setzt bei seinen Smartphones seit Jahren auf diese Technologie. Apple hat letztes Jahr mit dem iPhone X ein erstes Handy vorgestellt, das auf OLED setzt. Bei der Apple Watch kommt diese Bildschirmtechnologie schon seit der ersten Version von 2015 zum Einsatz.

Bei Fernsehern setzt in erster Linie LG auf OLED, doch auch Sony hat inzwischen mehrere Modelle. Noch kosten OLED-Fernseher aber deutlich mehr als Konkurrenzprodukte ohne diese Technik. Den ersten OLED-Fernseher hat übrigens Sony 2007 vorgestellt. Der Bildschirm war damals mit 11 Zoll winzig und nur minimal grösser als der eines heutigen iPads.

Heller und langlebiger

Über 10 Jahre später, nun, da Geräte mit OLED-Bildschirmen langsam bezahlbar werden, taucht bereits die Nachfolgetechnologie am Horizont auf. Micro-LED soll dieselben Vorzüge wie OLED – also allen voran richtiges Schwarz – bieten. Dazu soll das Bild aber deutlich heller sein, und das Risiko, dass der Bildschirm mit der Zeit an Qualität einbüsst, soll auch minimiert worden sein.

Samsung hat im Januar an einer Fachmesse einen ersten Prototyp-Fernseher mit Micro-LED-Technologie vorgestellt. «The Wall» ist ein gigantischer Bildschirm mit einer Diagonale von 146 Zoll oder 3,7 Metern. Anders als aktuelle TV-Geräte hat er statt einer 4K-Auflösung bereits 8K. Interessant am Prototyp ist, dass er modular ist. So liesse sich künftig fast jede Bildschirmgrösse zusammensetzen.

Genauso gigantisch wie die Abmessung dürfte auch der Preis ausfallen. Irgendwann 2018 soll er laut dem Techmagazin «Wired» verkauft werden. Aber vermutlich wird es ähnlich lang dauern wie damals mit dem ersten OLED-TV von Sony, bis die Technologie auch nur halbwegs massentauglich und bezahlbar wird – zumindest in den Grössendimensionen.

Mini-Bildschirm statt Riesen-Screen

Anders als Samsung forscht Apple zwar an derselben Technologie, aber für eine andere Geräteklasse. 2014 hat Apple die auf Micro-LED spezialisierte Firma LuxVue gekauft. Seither wird spekuliert, dass die Technologie dereinst in der Apple Watch zum Einsatz kommen könnte. So wie die Smartwatch das erste Apple-Gerät mit OLED war, wäre sie dann das erste mit Micro-LED.

Zusätzlichen Auftrieb bekamen solche Spekulationen diese Woche durch einen Artikel des Informationsdienstleisters «Bloomberg». Demnach verfügt Apple über ein Team von rund 300 Technikern, das im kalifornischen Santa Clara solche Bildschirme für die Apple Watch herstelle.

Schwierige Herstellung

Erst Ende 2017 sei es dem Team gelungen, erste voll funktionstüchtige Bildschirme für die Apple Watch herzustellen. Die Herstellung sei derart kompliziert und aufwendig, dass Apple das Projekt vor einem Jahr beinahe eingestellt hätte.

Die Tatsache, dass Apple selber Bildschirme herstellt, heisst aber nicht, dass der Konzern ins Bildschirmgeschäft einsteigen will. Wahrscheinlicher ist es, dass er die Technologie für die Massenproduktion an Partnerfirmen weitergibt.

Trotzdem wäre das ein grosser Schritt in Richtung mehr Unabhängigkeit und gäbe der Firma mehr Manövrierspielraum. Aktuell bezieht Apple, wie fast alle Konkurrenten, einen Grossteil der Bildschirme von Firmen wie Samsung oder LG.

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