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Vom Erdgas zum Holz

Die Migros nimmt den Gemüseproduzenten bald nur noch Gemüse und Früchte ab, die aus Gewächshäusern stammen, die fossilfrei beheizt werden.

Zwischen Tomatenstauden (v.l.): Produzent Bruno Gutknecht, Lutz Collet von der Zentralstelle für Gemüseanbau Grangeneuve und Didier Vuarnoz von der Freiburger Fachhochschule für Technik und Architektur.
Zwischen Tomatenstauden (v.l.): Produzent Bruno Gutknecht, Lutz Collet von der Zentralstelle für Gemüseanbau Grangeneuve und Didier Vuarnoz von der Freiburger Fachhochschule für Technik und Architektur.
Aldo Ellena

Draussen ist es knapp über null Grad, im Gewächshaus sind es angenehme 17 Grad. Aus den weissen Heizröhren strömt die Wärme. Gemüseproduzent Bruno Gutknecht heizt noch mit Erdgas. Bald aber soll Schluss damit sein. Denn die Grossverteiler setzen auf CO2-Neutralität. Die Migros will bereits ab 2025 nur noch Gemüse aus Gewächshäusern abnehmen, die mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Coop will in den von ihr beeinflussbaren Bereichen bis 2023 CO2-neutral sein.

Energie ist in der Branche ein wichtiger Produktionsfaktor. Zwar nutzen Produzenten die Wärme der Sonne. Trotzdem müssen die Gewächshäuser zusätzlich beheizt werden. Denn so kann die Saison verlängert und die Kultur Wärme liebender Pflanzen auch ausserhalb des Sommers sichergestellt werden. Nebst den Lohnkosten machen die Energiekosten mit 20 Prozent den zweitgrössten Betrag der Fixkosten aus.

Wirksame Schirme

Um Energie zu sparen, hat Gutknecht in den Gewächshäusern schon 1993 Energieschirme installieren lassen. Die neueren Gewächshäuser versah er gar mit zwei Energieschirmschichten. Diese halten 45 bis 55 Prozent der Wärme zurück. «Wenn sie gezogen sind, ist der Unterschied riesig», erzählt Gutknecht. Die mehr oder weniger transparenten «Jalousien» vermindern die Abstrahlung von Wärme an die Umgebung und geben Schatten, wenn die Sonneneinstrahlung zu stark ist.

2006, als es noch keine CO2-Vorgaben gab, unterschrieb Gutknecht zudem freiwillig eine Zielvereinbarung mit der Energie-Agentur der Wirtschaft. In diesem Zusammenhang liess er auch Fotovoltaikanlagen installieren und ersetzte die Öl- durch eine Erdgasheizung.

Der Vorteil von Erdgas ist nicht nur, dass es weniger CO2 verursacht als Erdöl, wie der Leiter der Zentralstelle für Gemüsebau des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve, Lutz Collet, erklärt. «Bei diesem Brennstoff kann auch das CO2 abgetrennt werden.» Pflanzen brauchen CO2, um wachsen zu können. Damit sie noch besser wachsen und einen höheren Ertrag abwerfen, wird in die Gewächshäuser zusätzliches CO2 eingeleitet.

Suche nach Alternativen

Mit der Vorgabe der Grossverteiler, dass die Gemüseproduzenten künftig CO2-neutral produzieren sollen, ist das Heizen mit Erdgas aber künftig nicht mehr erlaubt. Gutknecht bedauert das. Obwohl Erdgas auch ein fossiler Energieträger sei, habe er doch etliche Vorteile. Nebst der Möglichkeit, CO2 abzutrennen, sei Erdgas auch sehr wirtschaftlich.

Zusammen mit Freiburger Forschern sucht er nun nach Alternativen. Die Herausforderung sehen die Spezialisten genau darin, im Spannungsfeld «Wirtschaftlichkeit und Ökologie» eine Lösung zu finden, die als CO2-neutral durchgeht. Zunächst hatten sie die Idee, die Wärme der Bibera zu entziehen. Das ist allerdings nur begrenzt möglich und hat sich als nicht finanzierbar erwiesen. Dann überlegten sie, ob eine Wärmepumpe die Lösung sein könnte. Das wurde wegen der hohen Kosten ebenfalls verworfen.

Schliesslich blieb nur noch die Möglichkeit, mit Holz zu heizen, da der Betrieb nicht in der Nähe einer Kehrichtverbrennung liegt. «Das ist machbar. Bleibt das Problem, wie der Gemüseproduzent dann an das nötige CO2 kommt», erklärt Collet. Somit rückte ein Blockheizkraftwerk in den Fokus, fiel aber auch durch. «Das müsste mit einem Verbrennungsmotor betrieben werden, der auch Erdgas brauchen würde, also nicht CO2-neutral wäre. Zudem könnte das Kraftwerk nicht rentabel betrieben werden, weil der Preis, den der Gemüseproduzent für den Strom bekämen, zu tief wäre.» Blockheizkraftwerke produzieren Strom und Wärme gleichzeitig.

Holz als beste Lösung

Nichtsdestotrotz bleibt Holz als Lösung weiterhin im Rennen. Denn wie so oft bei neuen Entwicklungen befruchten sich verschiedene Initiativen. So haben vor zwei Jahren die Gewächshausbetriebe der Gewächshauszone in Ried bei Kerzers – darunter Gutknecht Gemüse – sowie die Industriezone Kerzers zusammen den Wärmeverbund Kerzers-Ried gegründet. «Die Idee ist es, zusammen eine grosse Holzschnitzelanlage zu bauen. Damit kann sowohl die Gesamtauslastung erhöht als auch die Zeit des Wärmebezuges verlängert werden», erklärt Gutknecht. «Ab November bis Januar stehen die Gewächshäuser nämlich kalt.» Dem Projekt muss aber noch die Gemeindeversammlung zustimmen.

Die letzte Möglichkeit

Woher aber kommt nun das CO2 fürs Pflanzenwachstum und für die restliche Wärme? «Wir können es in Flaschen zukaufen oder aus der Luft abtrennen. Beides müsste rentabel sein», sagt Gutknecht. «Oder wir installieren doch noch ein Blockheizkraftwerk, aber nur ein kleines. Den Strom könnten wir dann im Wesentlichen zur Förderung des Wachstums durch Belichtung in den Übergangsmonaten nutzen.» Als letzte Möglichkeit bliebe ein kleinerer Gaskessel, mit dem die Spitzenlast beim Heizen gesichert wird und weiter CO2 produziert werden kann.

Für Gutknecht wäre Holz auch aus einem anderen Grund die optimale Lösung. «Holz wächst hier, und Erdgas kommt aus Russland.» Sich von den ­Allüren der Weltpolitik unabhängig zu machen, sei auch nicht das Schlechteste. «Vor Jahren wurde mal der Gashahn abgedreht. Mir blieb fast das Herz stehen. Glücklicherweise wurde uns dann doch eine kleine Ration zugesprochen. Sonst wären Tomaten und Gurken kaputt­gegangen.»

Regional und saisonal

Zum Schluss die Frage, warum in der Schweiz im Winter überhaupt Tomaten angepflanzt werden müssen. «Damit ich Gemüse aus der Schweiz anbieten kann, wenn Saison ist», lautet die knappe Antwort von Bruno Gutknecht. Denn die Energiebilanz von Gemüse aus Spanien oder Marokko sei einerseits nicht zwingend besser. Andererseits ist «regional nicht immer am klimafreundlichsten», wie eine Studie der ETH im Auftrag des WWF aufzeigt. Demnach sind für die Klima­bilanz Heizung und Transport entscheidend. Gemüse, das mit dem Flieger in die Schweiz transportiert wird, schneidet in jedem Fall schlecht ab. Im Winter verursacht dagegen ein Kilo sonnengereifter Tomaten aus Spanien zehnmal weniger CO2 als jene aus dem fossil beheizten Gewächshaus.

Mit der Umstellung von Erdgas auf Holz könnten die See­länder Gemüseproduzenten in Sachen Ökobonus mit wärmeren Ländern mindestens gleichziehen. In Sachen Preis weniger. Denn Holzwärme würde die Produktion gegenüber heute leicht verteuern, so Gutknecht. Für ihn spielen aber nicht nur ökologische Gesichtspunkte eine Rolle, sondern auch soziale. «Die Chauffeure, welche die Ware aus dem Süden zu uns bringen, werden oft mies bezahlt. Die sozialen Aspekte in der Produktion sollten auch berücksichtigt werden.»

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