Ivanka Trump erzürnt Star-Wars-Fans

Die Präsidenten-Tochter zeigt ein Foto, mit einem ihrer Kinder im Star-Wars-Kostüm. Der Schuss geht nach hinten los.

Familienbild mit Sturmtruppler: Ivanka Trump, Jared Kushner und die lieben Kleinen. (Foto: Twitter/@IvankaTrump)

Familienbild mit Sturmtruppler: Ivanka Trump, Jared Kushner und die lieben Kleinen. (Foto: Twitter/@IvankaTrump)

Sein Kind in eine Uniform zu stecken und dann superstolz zu sein, das kommt insgesamt nicht überall gut an. Ganz besonders schwierig ist es aber, wenn man zufällig die Tochter des US-Präsidenten ist und mit dessen Berater Jared Kushner verheiratet. Und wenn man das entsprechende Bild dann noch ins Internet stellt, wo sogar der letzte Pups ganz leicht einen kommunikativen Totalvernichtungskrieg auslösen kann – dann sollte man sich hinterher nicht wundern, wenn ein Jedi-Ritter sich einschaltet, um das Universum vor dem Bösen zu verteidigen.

Das Foto, das Ivanka Trump am vergangenen Sonntag auf ihrem Instagram-Account hochgeladen hat, zeigt sie und ihre Familie. Zwei ihrer Kinder spielen kniend an einem Couchtisch und gucken zum Tischende, wo Mama und Papa aufgebrezelt in Abendgarderobe stehen, neben sich vermutlich Sprössling Nummer drei, der die Rüstung der First Order aus den «Star Wars»-Filmen trägt. «Die Macht ist stark in meiner Familie», steht unter dem Foto. Eine Anspielung auf die Filme, in denen es um intergalaktische Schwertkämpfer geht, die mithilfe der Macht das Böse bekämpfen.

Die Reaktion kam beinahe in Lichtgeschwindigkeit: Zahlreiche Liebhaber der Filme schwirrten aus, um ihre «Star Wars»-Galaxie gegen die Vereinnahmung durch die Trumps zu verteidigen. «Ihr seid das böse Imperium und die Rebellion hat gerade erst begonnen», hiess es in einem Kommentar.

Dabei kann man mit «Star Wars» sonst fast immer punkten. Die Filme haben nach wie vor einen gewissen Nerd-Charme, ohne zugleich den Nachteil der allermeisten Nerd-Universen mitzubringen, die nur für Eingeweihte wirklich zugänglich sind. In Erinnerung geblieben ist etwa die berühmte VW-Werbung aus dem Jahr 2011, in der ein kleiner Junge, verkleidet als Sith-Lord Darth Vader, mithilfe der Macht das Auto der Eltern zu starten versuchte – und nicht wusste, wie ihm geschah, als tatsächlich die Scheinwerfer aufleuchteten, während sein Vater grinsend mit der Fernbedienung im Hintergrund stand. Oder der Ukrainer, der sich 2014 als Darth Vader verkleidet zur Wahl für das Parlament stellte. Er bekam drei Prozent der Stimmen, ohne dass sein Name auf dem Wahlzettel stand. Die Macht sei stark in der Ukraine, erklärte der dunkle Lord in Interviews. «Star Wars»-Metaphern sind quasi universell einsetzbar, um die Welt in Gut und Böse zu unterteilen.

Die Verkleidung als Sturmtruppler, also als Fusssoldat des finsteren Imperiums, ist dagegen eine Nummer kleiner und eigentlich eine sichere Kiste. Die Sturmtruppen sind trotz ihres Einsatzes für die dunkle Seite Sympathieträger, weil sie so herrlich bescheuert aussehen und in den Filmen mit ihren Laser-Blastern immer daneben schiessen. Ihre Rüstungen sehen aus, als bestünden sie aus weissem Plastik, das ein schlecht gelaunter Apple-Designer in Form gebracht hat. Sie wirken wahnsinnig unpraktisch und verdammen ihren Träger gewiss zu stillem Leid, wenn es ihn am Hintern juckt, besitzen aber offenbar keinerlei Panzerungswirkung, denn der Sturmtruppler neigt dazu, im Vorübergehen die Macht eines Jedi-Ritters zu spüren zu bekommen. Ein Schuss, peng, weg, der nächste wartet schon. Die Macht ist möglicherweise stark in der Trump-Familie, aber keineswegs unter den Sturmtruppen. Sie sind white trash.

Mark Hamill kommentiert das Bild sarkastisch

Manche Fans tragen die Rüstung der Sturmtruppen mit feierlichem Unernst. Etwa der Kerl, der darin einen Marathon lief; oder jener, der damit neben einer Autobahn Müll aufräumte; oder Mark Hamill, der, unerkennbar unter der Rüstung, für einen guten Zweck Spenden sammeln ging. In den «Star Wars»-Filmen spielt Hamill den Jedi-Ritter Luke Skywalker, der ebenfalls einmal in die Rüstung der Sturmtruppen schlüpft: zur Tarnung, um die Prinzessin aus dem Todesstern zu retten.

Hamill, ein heftiger Trump-Kritiker, hat Ivankas Foto mit dem Hinweis kommentiert, sie habe «Betrug» falsch geschrieben – weil sich die englischen Wörter «force» (Macht) und «fraud» (Betrug) ähneln. Offenbar versteht er weniger als Luke Skywalker von der Macht, an deren dunklen Seite hier keineswegs Betrug verübt wird. Denn anders als das verschämte Gutbürgertum, das gelegentlich mal alle fünfe gerade sein lässt, was aber möglichst keiner mitbekommen soll, will die dunkle Seite der Macht sich nicht tarnen. Sie klebt sich einen dicken «Fuck Greta»-Aufkleber auf den SUV und geniesst die Wallungen, die durch Motor und Blutkreislauf strömen. Dazu passen am besten die sinistren Fanfaren von John Williams' «Imperialem Marsch». Oder Wagner. Dunkle Jedi-Meister zelebrieren die Macht, ebenso wie die Trumps – und ihre Kinder als Requisitenfussvolk müssen dabei Gewehr bei Fuss stehen.

Bei Ivanka Trump und ihrer Familie ist das Foto eher kein Symbol eines totalitären Regimes oder für bewaffnete white power. Sondern nur das Bild einer Familie, die enorm viel dafür tut, dass man sie cool findet.

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