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Eine Stunde warten für drei Minuten Renn-Action

Schneller, weiter, besser heisst es während der Museumsnacht im Historischen Museum. Insgesamt öffnen am Freitag 38 Institutionen ihre Türen bis weit nach Mitternacht für die Besucher.

An der diesjährigen Museumsnacht öffnen 38 Institutionen ihre Türen für die Besucher.
An der diesjährigen Museumsnacht öffnen 38 Institutionen ihre Türen für die Besucher.
Susanne Keller
Im Historischen Museum können Kinder Raketen basteln.
Im Historischen Museum können Kinder Raketen basteln.
Susanne Keller
Spiel und Spass auf dem Kletterturm in der Schweizerischen Nationalbibliothek.
Spiel und Spass auf dem Kletterturm in der Schweizerischen Nationalbibliothek.
Susanne Keller
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Kleine Karos in Schwarz und Weiss zieren die Fahne, die ein Mitarbeiter des Bernischen Historischen Museums im Foyer schwenkt. Wer dieses Muster erblickt, weiss: Der Start naht. Besser, er oder sie bringt sich in Position.

Punkt 18 Uhr, war es so weit: Die Tore öffnen sich, unzählige Menschen strömen ins Museum, vorbei am Mann mit der Startfahne. Die meisten zieht es in den zweiten Stock, in jenen Raum, der das Museumsnachts-Motto des Historischen Museums verkörpert wie kein anderer: schneller, weiter, besser.

Mit ihren fünf Metern Breite und acht Metern Länge füllt die Riesen-Carrera-Rennbahn fast den ganzen Raum. Kinder können nur knapp die Strecke mit den neun Kurven und vier Fahrbahnen überblicken, ihr Kopf reicht gerade über die Holzkante der Anlage. Trotzdem sind es die Kleinsten, welche den Steuerknüppel in die Hand nehmen und die Autos über den Parcours flitzen lassen.

Warten ohne Smartphone

Vier Runden dürfen sie üben, bevor der Rennleiter die Wagen unter dem Startbogen platziert. «Warten. Immer noch warten», lautet sein Kommando. Die Autolichter blitzen auf. «Jetzt!» Dann: Motorengeräusche, ein Klicken. Aus der Spur gespickt hat es ein Auto; beschleunigen sollte der Fahrer eben nicht in der Kurve. Zehn Runden später ist der Spuk vorbei. Keine drei Minuten, die sich die Kinder hart verdient hatten: Eine Stunde mussten sie anstehen.

Ein Klacks, verglichen mit dem Mittelalter. Wer um 1450 am Hof von Philipp dem Guten ein Anliegen überbringen wollte, musste geduldig sein. Wartezeiten von vier Stunden waren Usus, erzählt Kuratorin Susanne Marti auf einer Führung über Entschleunigung im Mittelalter. So viel Zeit totzuschlagen ohne Instagram oder Candy Crush – unvorstellbar heute.

Marti stellt die mittelalterliche Smartphone-Alternative vor: den Burgunderteppich, der im Museum ausgestellt ist. Wer alle 34 Pflanzenarten darauf ausmache, könne die Wartezeit überbrücken und entschleunige darüber hinaus sein Gemüt.

Ausblick vom Gurten aus: Die Stadt während der Museumsnacht. Bild: Raphael Moser
Ausblick vom Gurten aus: Die Stadt während der Museumsnacht. Bild: Raphael Moser

Raketen abfeuern

Ruhe und Harmonie verströmt normalerweise auch die Asien-Sammlung im Erdgeschoss des Museums mit ihren Buddha-Figuren und Teeschalen. Während der Museumsnacht aber musste die Stille den drei Mottowörtern weichen: schneller, weiter, besser. An einem grossen Tisch hüllen Kinder Toilettenpapierrollen in Alufolie, kleben glitzernde Pailletten und einen Papierdeckel drauf. Herzstück der Konstruktion aber ist ein Gummiband am Fusse der Rolle, dieses erst macht aus der Bastelei eine Rakete und befähigt sie zu ihrer Kernkompetenz: in die Luft abgefeuert zu werden.

Ganz so spektakulär wie in Astronautenfilmen verläuft die Zeremonie nicht. Rauch und Feuer fehlen, immerhin ist die Abschussanlage – zwei Holzstäbe auf einer Holzplatte – auf einem edlen Untergrund platziert, der Tatami-Matte des japanischen Teeraums.

Eine Stunde nach dem Startschuss schwenkt der Mann am Eingang immer noch seine Fahne. Und er ist noch lange nicht fertig damit: Bis um zwei Uhr in der Frühe dauert die Museumsnacht.

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