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Me isch so alt, wie me usgseht

Das neue Buch «Grenzgänge» enthält wunderbare Erzählungen, Gedichte und Lieder. Eine der Autorinnen ist Stefanie Christ, früher Ressortleiterin Kultur dieser Zeitung. Einen ihrer Texte können Sie hier lesen.

Autorin Stefanie Christ hat ein nicht ganz ungetrübtes Verhältnis zu Kosmetika.
Autorin Stefanie Christ hat ein nicht ganz ungetrübtes Verhältnis zu Kosmetika.
Adrian Moser

– Grüessech, möchtet dir öppis gäg öii Fläcke im Gsicht?

– Weli Fläcke?

– Die näb de Ouge und uf dr Stirn. Mir hätte es nöis Serum im Agebot, wo dr Teint tuet usgliiche und die hormonelle Verfärbige lat la verblasse. Lueget, ig trage eifach mal e chli uf öie Handrügge uf, damit dir die samtweichi Textur gspüret. Und – mmh – schmöcke tuet das Produkt ou fantastisch, oder?

– Ja, aber ig bruuche das nid, merci.

– Wassermelone isch dr Gruch. Länget mal d Hand aa, es isch scho alles ufgsoge. So heit dir nachem iiribe nie fettigi Finger. Und ds Beschte: Nume hüt gits grad zwöi Fläschli für 80 Prozänt vom Priis.

– Super, aber wie gseit, ig bruuche ...

– Und wie wärs mit ere tönte Tagescrème, um d Fläcke abzdecke, bis ds andere Mittel würkt? Wartet, i probiere grad mal es bitzeli ufem Handrügge us, damit dir dr Farbton gseht.

– Nei, merci, ig ha scho ne Tagespfleg. Und ganz ehrlich, ig ha die Fläcke no nie gseh.

– Dir müesst nech nid schäme, das hei viu Froue i öiem Alter.

– I mim Alter?

– Aber wie dir gseht, muess me hüt nüm drmit läbe.

– Also ig cha ganz guet drmit läbe.

– Ig säge immer: Me isch so alt, wie me usgseht, nid wahr?

– Wie alt gseh ig de us?

– So alt, dass ig nüm würd dunkle Lidschatte uftrage. Darf ig öich vo üsere Früehligspalette e schmichelhafte Eierschale-Ton empfähle? Lueget, i trage chli ufe Handrügge uf.

– Tolle Plan. Aber ig ha ke Handrügge me frei.

– Ou ja, wie ufmerksam vo öich. Hie, dir chöit bi mir luege.

«Striichet öich doch öii Füdlecrèmes und Füdleschminki as bleichte Arschloch!»

– Oh, de glänzt. Mir gfallt Glitzer-Make-up überhoupt nid.

– Hm, schad. Matti Tön si bi öine Ougefältli suboptimal.

– Ougefältli?

– Dir wüsset scho: die fiese Chräiefüess näb de brune Fläcke.

– Dir gloubet mir villicht nid, aber mi stört das ...

– Äbä!

– ... nid.

– Und drum chiem i öiem Fall sogar e kompletti Beauty-Beratig i Frag, inklusive Farbtest und Haaranalyse. Für de Service müesstet dir allerdings id Houptfiliale ga, das biete mir hie im Lade nid aa.

– Loset dir mir überhoupt zue? Ig wott nüt! Usserdäm ha ig no ne Termin und sött vorhär fertig ichoufe.

– Termin? Grad imene repräsentative Job isch es umso wichtiger, dass dir optisch ds Beschte us öich use holet. Wenn dir weit, cha ig öich gschnäu es Tages-Make-up verpasse.

– Ig ha ne Termin bim Gynäkolog. Das schaff ig ou ohni Lipgloss.

– Zum Gynäkolog? Hüt isch öie Glückstag! Mir hei nämlech nöi es Analbleaching im Sortiment.

– Analbleaching? Geits eigentlich no? Striichet öich doch öii Füdlecrèmes und Füdleserums und Füdleschminki as bleichte Arschloch!

– Entschuldigung, hallo? Heit dir mir überhoupt zueglost?

– Hm? Ou ja, ehm ... Also de nime ig halt ds Serum.

– Und dr Lidschatte?

– Nei, dä ...

– Also ds Serum, dr Lidschatte und die tönti Tagescrème – das macht zäme 315 Franke. Bruchet dir no nes Seckli?

Blanca Burri, Stefanie Christ, Melanie Gerber, Sarah Luisa Iseli, Carolin Merkle, Sandra Rutschi: «Grenzgänge. In Wort und Klang», Anthologie mit CD, Edition Buchfink, 96 S., ca. 25 Fr. Buchvernissage: Donnerstag, 14.11., 19 Uhr, Fuchs & Specht, Burgdorf. Anmeldung erwünscht: info@fuchsundspecht.ch.

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