Zum Hauptinhalt springen

Künstliche Intelligenz, quo vadis?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu Maschine, Moral und menschlichen Trieben.

Künstliche Intelligenz ist mehr als menschenähnliche Roboter. Guido Kirchner (Keystone)
Künstliche Intelligenz ist mehr als menschenähnliche Roboter. Guido Kirchner (Keystone)

Intelligenzbestien wie Elon Musk und Bill Gates warnen vor der bevorstehenden Unterwerfung und gegebenenfalls Ausrottung der Menschheit durch die von ihr selbst hervorgebrachte «künstliche Intelligenz», nach Erreichen der «Singularität». Einerseits scheint festzustehen, dass der neue Golem kein moralisches Bewusstsein besitzen wird, andererseits muss man anscheinend davon ausgehen, dass er «menschliche Bedürfnisse und Triebe entwickeln» wird «wie wir» (Dominik Imseng in der NZZaS). Wie zum Teufel soll das geschehen? K. S.

Liebe Frau S.

Mit Singularität bezeichnet man in diesem Zusammenhang jene Phase der technologischen Entwicklung, die für die Menschen wegen der sich verselbstständigenden Selbstverbesserung der künstlichen Intelligenz (KI) absolut unvorhersehbar ist.

Selbstverständlich ist die technische Zukunft einerseits nie komplett vorhersehbar, anderseits immerhin kalkulierbar: Wenn man zum Mond fliegen konnte, ist es absehbar, dass man irgendwann auf den Mars reisen kann. Wenn computerisierte Spracherkennung möglich ist, wird sie immer besser werden. Solche extrapolierenden Vorhersagen sind keine Hexerei. Jenseits der Singularität aber, die uns im Übrigen ziemlich überraschend treffen dürfte, verschwinden unsere plausiblen Erwartungen in einem schwarzen Loch der Imagination.

Metapher des Fütterns gilt nicht mehr

Als ich ein Jugendlicher war, galt es als ausgemacht, dass es so etwas wie künstliche Intelligenz nicht geben kann, da ein Computer immer nur ausspuckt, womit man ihn zuvor gefüttert hat («Harry, jag mal die Daten durch den Computer?.?.?.»). Mittlerweile ist die Metapher des Fütterns heillos veraltet: Heutige Computer trainieren sich selbst; und die Vorstellung des zentralen Einflusses irgendwelcher Programmierer*innen in übergeordneten Schaltzentralen ist so zeitgemäss wie eine Folge der guten alten «Raumpatrouille».

In seiner «Anthropologie in pragmatischer Hinsicht» schreibt Kant, es sei merkwürdig, «dass wir uns für ein vernünftiges Wesen keine andere schickliche Gestalt als die eines Menschen denken können». Wenn wir über KI fantasieren, tun wir jedenfalls gut daran, uns von dieser Vorstellung zu verabschieden. Wir werden es nicht mit menschenartigen, gutmütigen oder bösen Robotern zu tun haben, die sich in uns verlieben und/oder uns ausrotten wollen. Der Witz der KI liegt vielmehr darin, dass sich das «Verhältnis» von «uns», den Dingen und der KI mehr und mehr zugunsten eines Netzes auflöst, eine Art Internet von ALLEM: WIR ALLE werden ein «Rhizom» (Deleuze/Guattari). Warten wir es ab.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch