«Ich frage die Musiker nicht, was sie für eine Beeinträchtigung haben»

Der Musiker Denis Huna bringt Menschen mit und ohne Beeinträchtigung im Orchester Tabula Musica zusammen.

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(Bild: zvg)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Was muss ich mir unter barrierefreier Musik vorstellen?
Dass auch Menschen mit einer Beeinträchtigung Musik machen können. Technologie hilft dabei.

Warum?
Weil elektronische Instrumente wie der Soundbeam auf eine sehr einfache Art gespielt werden können. Auch wenn eine Person nur die Augen bewegen kann, kann sie Musik machen. Gleichzeitig sind aber auch sehr komplexe Spielweisen möglich. Zwei Musiker unseres Orchesters Tabula Musica spielen dieses Instrument.

Wie muss ich mir dieses Instrument vorstellen?
Beim Soundbeam setzen Ultraschallsensoren Bewegung in Töne um. Zudem wird diese Woche auch das barrierefreie Instrument Exa im Rahmen unseres Symposiums vorgestellt.

Es ist das erste Instrument, das alle Barrieren abbaut. Menschen mit Behinderung können damit selbst komponieren. Das Instrument funktioniert mit Virtual Reality, und die Software dazu ist gar nicht teuer.

Kann denn mit Technologie jeder Musik machen?
Jeder kann sich mit traditionellen Instrumenten oder mithilfe von Technologie musikalisch ausdrücken. Aber nicht alle sind musikalisch. Bei Tabula Musica geht es um Performance im professionellen Rahmen, da braucht es auch Talent.

Warum machen Sie das überhaupt?
Als ich in den USA studiert habe, hörte ich ein Konzert von einem Musiker mit Autismus. Es war eine Art Musik, die ich so noch nie gehört hatte: Ein einzigartiges Musikverständnis, es war sehr erfrischend.

Plötzlich war mir klar: Man kann in diesem Bereich noch viel machen, es gibt wenig Forschung und Unterstützung für Musiker mit Behinderung. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen.

Haben in Ihrem Orchester alle eine Behinderung?
(lacht) Wir definieren das so: Tabula Musica besteht zur Hälfte aus Leuten mit einem diagnostizierten Handicap, die andere Hälfte hat noch keine Diagnose. Ich frage die einzelnen Mitglieder auch nicht, was sie für eine Beeinträchtigung haben. Ich will sehen, wie sie arbeiten.

Und was ist Ihre Aufgabe als musikalischer Leiter?
Es funktioniert bei uns ähnlich wie an einer Hochschule: Ich stelle ein Programm zusammen, setze individuelle Proben an, später Gruppenproben. Ich komponiere und arrangiere.

Wichtig ist mir, dass wir Musik spielen, die normale Orchester oder Bands auch spielen können. Wenn ich arrrangiere, passe ich die Arrangements an die Fähigkeiten des Musikers an. Und trotzdem will ich nicht den Sound der Originals verlieren.

Tabula Musica gibt es seit zwei Jahren, was haben Sie seither erreicht?
Unsere Intiative wurde sehr positiv aufgenommen in der Schweiz. Letztes Jahr spielten wir ein erstes Konzert mit der bekannten US-amerikanischen Violonistin Gaelynn Lea. Es stiess auf grosses Interesse. Als wir danach noch den ersten Swiss Diversity Award gewannen, nahm die Nachfrage zu.

Mittlerweile könnten wir ein zweites Orchester bilden. Wir sind vierzehn Musiker und Musikerinnen, es möchten aber doppelt so viele mitmachen. Und im nächsten Sommer werden wir sogar mit dem Orchester Biel Solothurn im Kongresshaus Biel auftreten.

19.11. Symposium zu barrierefreier Musik, 12–18.30 Uhr, Musikhaus PH Bern, Fabrikstrasse 8, Bern; 20.11. Barrierefreie Instrumente testen, 10–12 Uhr, Creaviva, Zentrum Paul Klee; 20.11. Konzert mit Special Guest Jeans for Jesus, 20 Uhr, Heitere Fahne.

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