Grosse Pläne, kleinere Nischen

Sportredaktor Micha Jegge zur aktuellen Lage des Unihockeysports in der Schweiz.

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Einzelspiel oder Finalserie, Show oder Sport – die Frage spaltet die Unihockeyszene. Nach der dritten Auflage des Superfinals dürfte sich das Verhältnis der Meinungen zugunsten des Einzelspiels verschieben. Wiler-Ersigen und Alligator Malans haben sich einen spannenden, phasenweise hochklassigen und am Schluss spektakulären Vergleich geliefert.

Entschieden wurde dieser weder durch Glück noch Zufall. Wiler-Ersigen verfügt schlicht über die besseren Penaltyschützen. Matthias Hofbauer, dessen Erfolgsquote bei über 80 Prozent liegt, musste gar nicht mehr antreten.

Mindestens so heftig diskutiert wie erwähnte Frage wird die Ankündigung des Schweizer Fernsehens, künftig neben dem Superfinal auch Viertel- und Halbfinalpartien live zu übertragen. Hinter den grossen Plänen findet sich kaum der Glaube an einen Quantensprung der Sportart respektive hohe Einschalt­quoten.

Wahrscheinlicher ist, dass das Engagement einen günstigeren Zugang zu Eishockeyrechten ermöglichen soll, die sich Mysports, der neue Spartensender der UPC (ehemals Cablecom), gesichert hat. Der Superfinal der Frauen, um das jüngste Beispiel in Sachen Stellenwert zu nennen, wurde kurzerhand von SRF 2 auf SRF Info verbannt, weil die Partie von Timea Bacsinszky länger dauerte als vorgesehen.

Für die betroffenen Vereine bringt der Einstieg der SRG nicht zu unterschätzende Umtriebe mit sich. Von den Standardhallen dürfte keine fernsehtauglich sein. Im Bernbiet kommt wohl einzig die Wankdorfhalle infrage, eine Alternative könnte das Velodrome Suisse in Grenchen darstellen.

Im Bündnerland gibt es keine passende Austragungsstätte, Alligator Malans und Chur müssten ins eine Autostunde entfernte St. Gallen ausweichen. Von Heimspielen im engeren Sinn kann nicht mehr die Rede sein.

Die Vervielfachung der Fernsehpräsenz steht quer zur Entwicklung der Sportart. Wer in eine neue Halle einzieht und sich zu steigern weiss, was bei Floorball Köniz im Vorwinter der Fall war, vermag die Kulisse vorübergehend zu vergrössern. Generell jedoch sind die Zuschauerzahlen rückläufig.

Die Budgets schrumpfen oder wachsen zumindest nicht, das mediale Interesse beschränkt sich auf die regionale Ebene. Anders präsentiert sich das Bild in Schweden und Finnland. Zahlreiche Vereine weisen im Durchschnitt über 1000 Zuschauer pro Partie auf. Das mag mit der deutlich besseren Hallensituation zu tun haben, ist aber vornehmlich auf geografische Aspekte zurückzuführen.

Unihockey ist eine Nischensportart. Die führenden schwedischen Klubs stammen aus Städten wie Falun, Umea, Uppsala und Växjö, in denen es kaum populäre Eishockey- und Fussballvereine gibt.

Die Orte haben im Durchschnitt etwa 100 000 Einwohner. Wiler-Ersigen und Malans hingegen sind in Dörfern zu Hause. Die nordischen Nischen sind deutlich grösser als die helvetischen. Die Anzahl der potenziellen Zuschauer ist hierzulande wesentlich kleiner, das Verhältnis auf die Vermarktungsaussichten übertragbar.

Trotz aller Vorbehalte: Die Pläne der SRG sind für die Unihockeyklubs die einzige Chance, ihre Nischen zu vergrössern. Das Produkt, welches sie zu bieten haben, ist ausgezeichnet; eine bessere Kombination aus Dynamik und Spannung lässt sich in keiner Teamsportart finden. Wohin diese Verbindung führen wird, bleibt abzuwarten.

micha.jegge@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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