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«Entflechten, wo immer möglich»

Die kantonale Interessenvertretung der Wanderer bietet Hand zur gemeinsamen Wegnutzung. Auch das Strassenverkehrsgesetz wird von Geschäftsführer Bernhard Schmidt ins Spiel gebracht.

«Entflechtung, wo immer möglich – Koexistenz, wo es nicht anders geht», lautet das Credo der Berner Wanderwege wie Geschäftsführer Bernhard Schmidt ausführt.
«Entflechtung, wo immer möglich – Koexistenz, wo es nicht anders geht», lautet das Credo der Berner Wanderwege wie Geschäftsführer Bernhard Schmidt ausführt.
zvg

Bernhard Schmidt, wie dramatisch ist der Konflikt zwischen Bikern und Wanderern?Bernhard Schmidt: Im Moment ist die Situation nicht dramatisch, weil die allermeisten Mountainbiker grundsätzlich respektieren, dass die Wanderwege nicht befahren werden sollten. Doch die zunehmende Laisser-faire-Haltung ist problematisch. Zu beobachten ist das beispielsweise an Wochenenden im Wallis und in Graubünden, wo die Wanderwege vermehrt zu regelrechten Auseinandersetzungszonen ausarten. Und das möchten wir hier vermeiden.

Unter welchen Voraussetzungen bietet die Organisation Hand für eine gemeinsame Wegnutzung ? Unser Credo lautet: Entflechtung, wo immer möglich – Koexistenz, wo es nicht anders geht. Bei Wanderwegen von zwei Metern Breite und mehr sehen wir grundsätzlich keine grösseren Probleme für eine Koexistenz. Wichtig ist, jeweils im konkreten Fall nach Lösungen zu suchen. Das kann auch beinhalten, dass bei Mehrfachführungen des Wanderwegs eine Route an die Mountainbiker abgetreten werden kann.

Und wann auf keinen Fall? Grundsätzlich, wenn durch das Mountainbiken der Erholungswert der Wanderwegnetze gestört oder eingeschränkt wird und die Wanderwege nicht frei und gefahrlos begangen werden können. Und wenn der Weg durch das Biken Schaden nimmt.

Eine Rolle spielt auch das Strassenverkehrsgesetz ... Der Artikel 43 besagt: «Wege, die sich für den Verkehr mit Motorfahrzeugen oder Fahrrädern nicht eignen oder offensichtlich nicht dafür bestimmt sind, wie Fuss- und Wanderwege, dürfen mit solchen Fahrzeugen nicht befahren werden.» Relevant ist dabei nicht, ob das Fahrzeug für die Strasse, sondern ob die Strasse für das Fahrzeug geeignet oder bestimmt ist. Dieser Gesetzesartikel ist nicht als veraltet anzusehen, wie dies von Mountainbikerseite geschieht. Der Artikel kann als sehr vorausschauend und nachhaltig gewertet werden. Denn das Ziel der Initianten war die Erholung, die Ruhe und das Naturerlebnis abseits des motorisierten und abseits des Zweiradverkehrs.Was heisst denn «geeignet»?

Als Beispiele für Wanderwege, die in diesem Sinn offensichtlich nicht für Mountainbikes bestimmt sind, nenne ich: 1. Wege, die durch absturzgefährliches Gelände führen und weniger als zwei Meter breit sind; 2. Bergpfade, die schmal und steil sind; 3. Wege, die durch Stufen, Treppen und anderes unterbrochen werden; 4. Naturwege, die aufgrund ihrer Beschaffenheit unter der Benützung durch Fahrräder leiden.

Wie sieht es rechtlich aus, wenn plötzlich Biker auf Wanderwegen zugelassen werden sollen? Insbesondere die Einrichtung von Mountainbikerouten kann zu erheblichen Konflikten führen und dem Bundesrecht über die Wanderwege widersprechen. Wanderwege sind nicht ohne weiteres für den Veloverkehr offen respektive gleichzeitig auch für den Veloverkehr gewidmet. Eine Zustimmung des Liegenschaftsbesitzers ist zwingend notwendig. Nicht ausreichend ist grundsätzlich das blosse Dulden der allgemeinen Benutzung.

Was ist eine Widmung? Das seit 2009 geltende Strassengesetz verlangt für eine Widmung zweierlei: einerseits die Zustimmung des Grundeigentümers, andererseits eine Verfügung der Gemeinde. Massgebend dürfte allerdings in den meisten Fällen das frühere Gesetz über den Bau und Unterhalt der Strassen von 1964 sein. Dieses verlangte noch eine ausdrückliche Zustimmung des Grundeigentümers, nicht aber eine Verfügung der Gemeinde. Unsere Wege werden aufgrund einer Zustimmung der Eigentümer signalisiert und durch die Gemeinden unterhalten. Signalisierte Wanderwege sind nur zur allgemeinen Benützung durch den Fussverkehr gewidmet.

Wie reagieren Landbesitzer auf das Anliegen der Biker? Wir erleben es in der Praxis häufig, dass Eigentümer – im Speziellen wenn es sich um Landwirte handelt – grundsätzlich nicht mehr bereit sind, Hand zu bieten für Verbesserungen im Wanderwegnetz. Es kann sein, dass sie sogar die Wege für Wanderer schliessen wollen, weil sie befürchten, dass diese auch von Bikern benutzt werden sollen.

Wieso diese Skepsis? Ein Hauptproblem sehen die Landwirte darin, dass die Weidenzaundurchgänge oft nicht wieder geschlossen werden. Zudem fahren viele Biker zu schnell, erschrecken Tiere, und diese werden verängstigt und teils sehr unruhig. Schliesslich entsteht für Landwirte ein Sicherheitspro­blem, da viele Mountainbiker nicht genügend Rücksicht nehmen auf den Verkehr der landwirtschaftlichen Fahrzeuge. Dies erschwert es auch den Wanderfachorganisationen, die Grundeigentümer für Verbesserungen gewinnen zu können.

Wie bringen Sie diese Anliegen in die Planung ein? Wie unser Vereinsname aussagt, sind wir die Interessenvertreter des Wanderns im Kanton Bern. In dieser Funktion stehen uns Einsprachemöglichkeiten zu. Im Rahmen unserer Vereinbarung mit dem Tiefbauamt und basierend auf den Bestimmungen aus dem Fuss- und Wanderweggesetz werden wir in Fachberichten Stellung nehmen, sofern die geplanten Routen das Wanderwegnetz betreffen.

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