«Der Krimipreis ist wie der erste Kuss»

Der mit 5000 Franken dotierte Burgdorfer Krimipreis wurde an den deutschen Autor Holger Karsten Schmidt verliehen. In seinem Krimi beschreibt er die Machenschaften im illegalen Wettmilieu.

Gut gelaunt: Burgdorfs Gemeinderätin Annette Wisler übergibt Holger Karsten Schmidt den Burgdorfer Krimipreis.

Gut gelaunt: Burgdorfs Gemeinderätin Annette Wisler übergibt Holger Karsten Schmidt den Burgdorfer Krimipreis. Bild: Marcel Bieri

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«Es ist wie der erste Kuss, den vergisst man nie.» Mit diesen Worten beschrieb Holger Karsten Schmidt die Bedeutung des Burgdorfer Krimipreises, den er am Samstag für sein Buch «Auf kurze Distanz» entgegennehmen durfte.

Zwar wurde Schmidt, der sich vor allem als Roman- sowie Drehbuchautor für Film- und Fernsehkrimis einen Namen gemacht hat, bereits etliche Male für seine Werke ausgezeichnet; für den Kriminalroman war es jedoch eine Premiere.

Spannendes Thema

Der Krimi spielt in Hamburgs illegalem Wettmilieu und führt von der schummrigen Wettkneipe in die korrupte Welt der ­milliardenschweren Sportwette. Klaus Burck, ein Polizist mit Leib und Seele, wird als verdeckter ­Ermittler in den Kreis der Mafia eingeschleust.

Der mit 5000 Franken dotierte Preis wurde im Rahmen der Eröffnungsfeier der 12. Burgdorfer Krimitage übergeben. Die siebenköpfige Jury, zu der auch Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch zählt, hat über 100 Krimis gelesen. Wieso die Wahl gerade auf dieses Werk fiel, erklärte Jurymitglied Bruno Lehmann in der Laudatio.

Ein Grund sei das spannende Thema Wettbetrug. «Man weiss zwar, dass es das geben soll, den meisten von uns dürfte aber kaum bewusst sein, wie gross die wirtschaftliche Bedeutung des Wettbetrugs heute ist», so Lehmann. Der Wachstumsmarkt Sportwetten soll hinter den Drogen- und Waffengeschäften mit einem geschätzten Umsatz von über 500 Milliarden Euro den dritten Platz auf der Rangliste der illegalen Geschäfte belegen.

Gefallen gefunden hat die Jury auch an der Sprache. Sie erwähnte die Sprachbilder, etwa wenn vom Polizisten, der als verdeckter Ermittler seine neue Identität angenommen hat, gesagt wird, ihm gefalle das neue Leben «wie eine nächtliche Strasse nach Neuschnee, wenn er als Erster Spuren darin hinterliess».

Vier Monate Schreibzeit

Wie sprachgewandt, emotional und szenisch Schmidt den Krimi zu Papier brachte, davon konnten sich die Besucher selber überzeugen. In einer Lesung gab Schauspieler Armin Kopp einige Schlüsselpassagen zum Besten.

Bei der Fragerunde wollte eine Frau wissen, wie viel Arbeit hinter dem Krimi stecke. Als reine Schreibzeit gibt der Autor vier Monate an. Jedoch seien die Recherchen sehr aufwendig gewesen. Wobei er dafür nicht in den Untergrund eingetaucht sei, wie Schmidt mit einem Schmunzeln bemerkte. Er habe die Infos von einem Journalisten, der jahrelange Recherchen über Wettbetrug im Sport gemacht habe. «Er deckte mich mit Bergen von Akten ein – in Form von Computersticks», sagte Schmidt.

Das Preisgeld gespendet

Freuen können sich auch der Ambulante Kinderhospizdienst in Ludwigsburg und das Schulungs- und Arbeitszentrum für Behinderte in Burgdorf: Denn Schmidt hat sich entschieden, das Preisgeld von 5000 Franken je zur Hälfte den beiden Institutionen zu schenken.Jacqueline Graber (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.10.2016, 08:13 Uhr

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