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Das Spiel ihres Lebens

Der Cupfinal am Sonntag gegen Basel ist der Höhepunkt in den Karrieren vieler Oberländer Spieler. 8 Geschichten zu 8 Figuren.

Müde, glücklich, ausgelassen: Die Thuner feiern am 23. April in Luzern gemeinsam mit ihren Fans den Einzug in den Cupfinal. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)
Müde, glücklich, ausgelassen: Die Thuner feiern am 23. April in Luzern gemeinsam mit ihren Fans den Einzug in den Cupfinal. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Guillaume Faivre: Der Penaltyheld

Foto: Patric Spahni
Foto: Patric Spahni

Er ist der Mann, der die Thuner in Abwesenheit von Dennis Hediger (verletzt) und Stefan Glarner (gesperrt) als Captain am Sonntag im Stade de Suisse aufs Feld führen wird. Er ist auch der Mann, der fehlerlos bleiben sollte, will den Oberländer die grosse Überraschung gelingen. Aber deswegen in Aufregung geraten, das würde nicht zu Guillaume Faivre passen, diesem stoischen Neuenburger im Thuner Tor. In einer Seelenruhe sagt er, dass er sich «extrem» auf dieses Spiel freue.

Ohne ihn wären die Thuner gar nicht erst soweit gekommen, sein Husarenstück lieferte der Goalie im Achtelfinal beim FC Wil ab, als er im Penaltyschiessen zwei Versuche abgewehrt hatte. Auch das gibt ihm das Gefühl, gerüstet zu sein, Inputs über allfällige Basler Elfmeterschützen hat er erhalten. «Aber», sagt Faivre, «ist es soweit, werde ich mich auf meine Intuition verlassen.»

Nelson Ferreira: Keine Gedanken ans Ende

Foto: Raphael Moser
Foto: Raphael Moser

Das Wort Karriereende, es existiert im Satzbaukasten von Nelson Ferreira nicht, oder zumindest nicht in dem, der in der Öffentlichkeit zur Anwendung kommt. Er sagt: «Ich fokussiere mich auf den Final. Was danach kommt, interessiert niemanden.»

Dass es niemanden interessiert, ist natürlich eine dreiste Übertreibung – zu gross ist seine Karriere, zu schön die Aufsteigergeschichte des portugiesischen Einwanderers, vom Drittligafussballer und Bodenleger in Interlaken zum ersten Thuner Torschützen in der Champions League. Er ist auch jetzt noch, bald 37-jährig, wichtig, als Leader und ewiger Lausbub, der es mit allen gut kann. Und zum Ende hin wird Ferreira auch wieder vermehrt auf dem Platz gebraucht, am Sonntag könnte er den gesperrten Glarner als Aussenverteidiger ersetzen.

Der Cupfinal wird nach über 500 Partien als Profi eine seiner letzten sein, das ist ein offenes Geheimnis, Ferreira einen Job im Club übernehmen. Einen Titel hat er in den zwei Jahrzehnten nicht gewonnen, mit Luzern war er einmal im Cupfinal unterlegen. Mit Thun, seinem Verein, der für ihn wie eine zweite Familie ist, wie er sagt, doch noch den Pokal zu holen, «dass wäre das Tüpfelchen auf dem i».

Nicola Sutter: Papa als Vorbild

Foto: Patric Spahni
Foto: Patric Spahni

Er könnte locker Rat beim Papa holen, wie man Cupsieger wird. René Sutter stand 1987 in der letzten YB-Cupsiegermannschaft, beim 4:2 nach Verlängerung gegen Servette wurde er vor 32 Jahren Mitte der zweiten Halbzeit ausgewechselt. «Das war bisher kein grosses Thema bei uns», sagt Nicola Sutter, «mein Vater ist eher stolz auf die Meistertitel mit YB und Aarau.» Am Sonntag gegen Basel erwartet der Thun-Defensivaollrounder eine enge Begegnung. «Klar sind wir Aussenseiter, aber wir dürfen uns nicht verstecken», sagt er. «Wir haben unsere Qualitäten, und die müssen wir ausspielen, dann sind wir für jeden Gegner in der Schweiz gefährlich. Das haben wir oft bewiesen.» Natürlich seien die Ausfälle der erfahrenen Leader Hediger und Glarner bitter, zumal Thun defensiv zuletzt nicht immer überzeugte. Aber Innenverteidiger Sutter ist überzeugt, dass das Team genau deshalb noch enger zusammenrücken werde. «Wir haben nur eine Chance, wenn wir solidarisch und kämpferisch auftreten.» Der Kunstrasen aber sei überhaupt kein Thema bei Thun. «Wenn das die Basler stört, ist das nicht unser Problem. Wir sagen ja auch nicht, wir seien auf Naturrasen jeweils im Nachteil.»

Roy Gelmi: Der Finalermöglicher

Foto: Christian Pfander
Foto: Christian Pfander

Roy Gelmi erinnert sich genau an den 23. April, an die 80. Minute im Cup-Halbfinal in Luzern und seinen überlegten Flachschuss von der Strafraumgrenze, der irgendwie den Weg an allen Beinen vorbei zum 1:0 ins Tor fand. «So viele Treffer habe ich ja nicht erzielt», sagt der Defensivspieler und schmunzelt. Acht sind es in der Profikarriere des 24-Jährigen ganz genau, und ja, sehr wahrscheinlich sei dieses Tor das wichtigste gewesen, ebnete es doch den Weg in den zweiten Cupfinal der Vereinsgeschichte nach 1955. Er habe am Anfang gar nicht gesehen, ob der Ball reingegangen sei, sagt Gelmi. Das wusste er erst, als ihn Dennis Salanovic zu Boden riss und andere Teamkollegen jubelnd auf ihn zurannten. Der Zürcher spricht von grosser Freude und vielen Emotionen, solchen, die er wieder erleben möchte. Er sagt: «Wir wollen den ersten Titel nach Thun holen.»

Basil Stillhart:Mit persönlichem Fanblock

Foto: Walter Dietrich
Foto: Walter Dietrich

Zu Beginn stand da eine grosse Ansage: Die Nummer 10 war zu vergeben, und Basil Stillhart, die Neuverpflichtung vom FC Wil, wollte sie. Dazu muss man wissen: Der 25-Jährige ist kein Feinfuss, als er am Donnerstag für das «Schweizer Fernsehen» mit dem Ball jonglieren soll, benötigt er ein paar Versuche. Doch die ambitionierte Nummerwahl, sie wurde im Club nie zum Thema. Weil sie rasch Freude am Ostschweizer fanden, der wie ein Schweizer Sackmesser ist: unkompliziert, vielseitig, praktisch.

Am Ende seiner ersten Saison in Thun ist Stillhart nicht mehr aus dem Team wegzudenken, als er am Mittwoch beim Spiel in Zürich mit Schmerzen am Boden liegen blieb, war das ein Schreckmoment für die Oberländer. «Kein Problem», sagt Stillhart und zeigt auf den roten Fleck am Knöchel. Die Blessur wird ihn nicht an einem Einsatz hindern, schon gar nicht in diesem Spiel, dass in seiner Karriere herausragt wie eine Litfasssäule. 30 Tickets hat er für die Familie, Freundin und Freunde organisiert, auch der Jugendtrainer, der ihn zum FC Wil geholt hatte, will kommen. Stillhart wird vor Anpfiff in seinen ganz persönlichen Fanblock schauen, dann wird er loslegen und alles geben – so wie immer.

Matteo Tosetti: Lust auf Revanche

 Foto: Christian Pfander
Foto: Christian Pfander

Ausgerechnet jetzt zwickt es im Oberschenkel: Das Spiel beim FC Zürich musste Matteo Tosetti, erst kürzlich wieder genesen, auslassen. Aber im Cupfinal wird er spielen, zu wichtig ist dieser Match, zu wichtig ist der Tessiner Vorbereiter für das Team.

Der Flügel hatte den grossen Triumph schon einmal vor Augen: 2016 war das, mit Lugano stand er im Cupfinal gegen den FCZ, der Tage zuvor abgestiegen war. Die Tessiner dominierten, verschossen einen Elfmeter und verloren am Ende 0:1 – wegen eines Torhüterfehlers. Deshalb sagt der 27-Jährige: «Für mich ist dieser Final wie eine Revanche. Ich will unbedingt den Titel holen.»

Marvin Spielmann: Vorspielen in Bern

Foto: Christian Pfander
Foto: Christian Pfander

Marvin Spielmanns Zeit in Thun neigt sich dem Ende zu. Noch anderthalb Wochen ist der Oltner ein Spieler der Oberländer, dann wird er nach zweieinhalb Jahren den nächsten Schritt nehmen und zu Meister YB wechseln. Aber zuerst ist da dieser Match, den er als den grössten in seinem Leben bezeichnet. Zumindest bisher.

Spielmann spricht von einer riesigen Vorfreude, davon, dass viele Fans seit der Finalqualifikation fast nur noch von der historischen Chance auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte reden würden. Dass die Partie im Stade de Suisse, seinem zukünftigen Arbeitsort, stattfindet, mache es noch spezieller, sagt er. Am liebsten würde er in Bern eine weitere Kostprobe seines Könnens abgeben und Entscheidendes dazu beitragen, dass er sich als Cupsieger aus Thun verabschieden kann.

Dejan Sorgic: Das Siegtor schon im Kopf

Foto: Patric Spahni
Foto: Patric Spahni

Es gibt nicht viele Thuner Spieler, denen man zutraut, den Cupfinal mit einer Einzelaktion zu entscheiden. Den Flügeln Tosetti und Spielmann. Und vor allem: dem zentralen Stürmer Dejan Sorgic. Er ist ein ausgewiesener Torjäger und damit in zwei Tagen der Hoffnungsträger in der Offensive. «Das ist ein sehr grosses Spiel für uns und auch für mich», sagt Sorgic. Er hätte über 100 Karten an Freunde und Bekannte loswerden können, das Interesse sei gewaltig.

Der 29-Jährige mit der märchenhaften Karriere aus dem Amateurbereich in die Spitzengruppe der Super-League-Torschützen visualisiert regelmässig vor Partien, wie er Tore erzielen wird. «Das werde ich auch vor dem Cupfinal tun», sagt Sorgic, «damit ich dann nicht mehr überlegen muss, wenn ich den Ball im Strafraum erhalte.» Für ihn ist die Begegnung wie für einige Kollegen auch interessant, weil er sich für grössere Clubs empfehlen kann. «Daran denke ich nicht», sagt der Angreifer, «es geht um den Cupfinal. Das ist Herausforderung genug.»

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