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Das Internet ist ein Pädophilen-Eldorado

Pädokriminelle nutzen die sozialen Medien oft für ihre Zwecke. Die Strafverfolger sind ihnen auf den Fersen.

Von Liliane Minor

Für Pädophile ist das Internet ein düsteres Eldorado: Nie war es einfacher, an kinderpornografische Bilder zu gelangen. «Es gibt fast nichts, was nicht angeboten wird», sagt Stephan Walder. Er weiss, wovon er spricht, Walder ist Leiter des Kompetenzzentrums Cybercrime bei der Staatsanwaltschaft Zürich. Er sagt: «Bei uns explodiert die Zahl der Untersuchungen in diesem Bereich.»

Das Phänomen, dass Pädophile per Livestream bei sexuellen Handlungen mit Kindern zusehen und Anweisungen erteilen, ist den Strafverfolgungsbehörden seit etwa fünf Jahren bekannt. Zahlen kann Walder keine nennen, aber die Tendenz sei klar steigend. Bei der Bundespolizei Fedpol gehen im Schnitt zwei bis drei Dutzend Meldungen pro Jahr ein, wie Sprecherin Lulzana Musliu sagt: «Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.» Ein weiterer Wachstumsmarkt im Internet sind Kindersexreisen mit «Erfolgs»-Garantie.

Ursache und Treiber für das Phänomen ist einerseits das Gefälle zwischen armen und reichen Ländern. Die Opfer sind oft in Asien daheim. «Diese Kinder sind arm, sie tun viel für zehn Franken», sagt Staatsanwalt Walder. Teils werden die Kinder von ihren Eltern regelrecht verkauft, weil das der Familie das Überleben sichert. Manche machten aber auch freiwillig mit, sagt Walder: «Sie realisieren gar nicht, worum es dabei geht – das Trauma kommt erst später.»

Anderseits sind viele Konsumenten auf exklusive Bilder aus, die nicht jeder hat. Das bekommen auch Teenager hierzulande zu spüren. Das Stichwort heisst hier «Selfporn», Nacktfilmchen und -fotos, die Jugendliche untereinander tauschen – sei es als Mutprobe, sei es, um miteinander anzubandeln. Pädophile nutzen das aus. Sie bieten den Jugendlichen beispielsweise ein paar neue Markenturnschuhe an, im Tausch gegen ein Nacktfoto. Dass sich die Jugendlichen damit selbst strafbar machen, ist den wenigsten klar. Solchen Machenschaften auf die Schliche zu kommen, ist für die Strafverfolger nicht einfach. Moderne Verschlüsselungsmethoden würden die Identifikation der Täter erschweren, sagt Stephan Walder. Aber die Ermittler wissen inzwischen auch, wo sie suchen müssen.

Verräterische Protokolle

Vor allem aber haben die Strafverfolger die internationale Zusammenarbeit verstärkt. «Das ist extrem wichtig», sagt Musliu, «weil die Opfer im Ausland sind und der Missbrauch über die Grenzen hinweg stattfindet.» Täter wurden inzwischen in Luzern und im Aargau verurteilt. Auch in anderen Ländern Europas standen Konsumenten vor Gericht.

Viele Staaten, so auch die Schweiz, haben Mitarbeiter vor Ort. Fliegt ein Fall auf, haben die Behörden oft gleich Dutzende Verdächtige an der Angel. Und sind sie erst einmal identifiziert, ist die Beweislage heute laut Walder teils sogar besser als früher: Im Netz bleiben immer Spuren zurück. So auch im gestern in Zürich verhandelten Fall. Überführt wurde der Mann dank der wiederhergestellten Chat-Protokolle.

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