Capaul ist bereit für einen Hornkuh-Gegenvorschlag

Bergbauer Armin Capaul sagt, er ziehe die Hornkuh-Initiative zurück. Aber nur unter gewissen Bedingungen.

Armin Capaul ist bereit seine Initiative zurückzuziehen. Bild: Esther Michel

Armin Capaul ist bereit seine Initiative zurückzuziehen. Bild: Esther Michel

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«Es hiess, wir seien stur. Aber das sind wir eigentlich nicht», sagt Armin Capaul. Der Bauer aus dem Berner Jura ist die treibende Kraft hinter der Hornkuh-Initiative, und er signalisiert Diskussionsbereitschaft. Wenn behornte Nutztiere auf Gesetzesstufe besser gestellt werden, wäre er bereit, die Initiative zurückzuziehen. Diese fordert auf Verfassungsstufe Geld für Bauern, die Kühe und Ziegen mit Hörnern halten.

Capaul und eine weitere Vertreterin des Initiativkomitees zeigten gestern Medienvertretern ihre Bedingungen für einen bedingten Rückzug der Initiative auf: So soll gesetzlich festgehalten werden, dass der Beitrag für das Tierwohlprogramm RAUS (regelmässiger Auslauf ins Freie) für behornte Kühe verdoppelt wird. Heute beträgt der RAUS-Beitrag 190 Franken pro Jahr und Kuh. Für eine behornte Kuh käme also ein Hornbeitrag von 190 Franken pro Jahr dazu. Damit machen die Initianten das Erfüllen von Tierwohl-Bestimmungen zur Bedingung für den Hornbeitrag. Für diesen fordern sie keine zusätzliche Bundesmittel, sondern eine Umverteilung des bestehenden Agrarbudgets.

«Ziel ist nicht, eine Abstimmung zu gewinnen

Für diese konkrete und schnell umsetzbare Lösung auf Gesetzesstufe wäre Capaul bereit, auf eine Volksabstimmung zu verzichten, auf die er sich eigentlich gefreut hatte. «Aber Ziel ist, etwas für die Kühe zu erreichen und nicht, eine Abstimmung zu gewinnen», sagt er. Er wäre zudem bereit, Abstriche bei der Höhe des Hornbeitrags zu machen, war seine ursprüngliche Idee doch ein Franken pro Tag und behornte Kuh gewesen. Im Initiativtext ist kein konkreter Betrag festgehalten.

Das Initiativkomitee hat seine Anliegen bei der zuständigen Kommission des Nationalrates deponiert. Diese hat am Montag und Dienstag getagt und wird die Medien am Mittwoch über ihre Geschäfte informieren.

Der Ständerat hat die Initiative bereits diskutiert. Er empfiehlt sie wie der Bundesrat zur Ablehnung. Das Anliegen gehöre nicht in die Verfassung, argumentierte der Bundesrat, und es sei an den Bauern zu entscheiden, ob sie den Kühen ihre Hörner lassen wollten oder nicht. Gegner der Initiative weisen zudem auf die Verletzungsgefahr hin; Tiere mit Hörnern könnten sich gegenseitig oder Menschen verletzen.

Komitee will Enthornen nicht verbieten

Für die Initianten hingegen gehört das Horn zur Kuh, eine Enthornung verletze die Tierwürde. Weil Hörner tragende Kühe mehr Platz und Zeit brauchten, sei es richtig, ihre Halter finanziell zu entschädigen. Sollte eine Regelung auf Gesetzesstufe zustande kommen, so soll sie gemäss der Forderung des Initiativkomitees auch für Halter von erwachsenen Ziegen, Schafen und weiteren Tieren mit Hörnern Beiträge vorsehen. Verbieten will das Komitee das Enthornen nicht. Heute haben viele Kühe keine Hörner mehr. Den jungen Kälbern werden die Hornanlagen unter Betäubung ausgebrannt oder es wird bei der Zucht auf hornlose Kühe gesetzt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2018, 22:48 Uhr

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