Bijou-Festival hält das Niveau hoch

Saanen

Das Klassikfestival Les Sommets Musicaux de Gstaad wird 20-jährig. Renaud Capuçon, seit 2016 künstlerischer Leiter, präsentiert zwischen 31. Januar und 8. Februar 2020 ein attraktives Programm.

Pianistin Martha Argerich spielt am 2. Februar mit Cellist Mischa Maisky.

Pianistin Martha Argerich spielt am 2. Februar mit Cellist Mischa Maisky.

(Bild: PD)

Svend Peternell

Selber zählt Renaud Capuçon zu den Ausnahmekönnern des hochkarätigen Festivals. Der Savoyer gehört zu den besten Geigern der Gegenwart und ist seit 2016 der künstlerische Leiter von Les Sommets Musicaux de Gstaad, die 2001 ihren Anfang nahmen.

Einer der Initianten war Thierry Scherz, Sohn der Palace-Besitzerfamilie Ernst A. Scherz, Jurist und leidenschaftlicher Musikliebhaber. Er hatte unter anderem mit Ombretta Ravessoud, der Direktorin, und Christine Urfer, der Medienverantwortlichen, eine Vision, wie mit auserwählten Interpretinnen und Interpreten ein feiner Musikevent im Raum Saanen, Gstaad und Pays d’Enhaut auf die Beine gestellt werden kann.

Ein Event zudem, der ein bestimmtes Instrument für gut eine Woche in den Vordergrund rückt, das von Jungtalenten jeweils um 16 Uhr in der Kapelle von Gstaad gespielt wird (2020 wird es das Klavier sein), damit diese im öffentlichen Raum zeigen können, wo sie stehen.

Natürlich stehen sie nicht irgendwo, denn sie gehören zu den Besten ihrer Generation. Sie werden von einer Jury bewertet und am Ende des Festivals mit einem Preis ausgezeichnet, der sie zu Konzertaufnahmen mit einem renommierten Orchester samt Dirigent berechtigt. Es ist der Prix Thierry Scherz, gestiftet von Pro Scientia et Arte und dem Verein Les Amis des Sommets Musicaux.

Das Erbe von Thierry Scherz

Zurück zu den Anfängen: Bis im Juli 2014 war Thierry Scherz so etwas wie das Herz des Festivals. Dass er damals freiwillig aus dem Leben schied, war ein Schock für das engagiert arbeitende Team, die ganze Region und die Musikszene. Renaud Capuçon konnte 2016 für die Nachfolge gewonnen werden – ein Glücksfall für die fortgesetzt hochgehaltene Qualität des Festivals, das er im Sinne seines Vorgängers weiterführt und mit weiteren Farbtupfern wie den «Coups de cœur» des Intendanten in der Kirche Rougemont anreichert.

Nun sind Les Sommets Musicaux de Gstaad bei ihrer 20. Ausgabe angelangt. Und da ist wieder Hochstehendes angekündigt. Die Pianistin Martha Argerich etwa wird am 2. Februar vom Cellisten Mischa Maisky begleitet (mit Werken von Brahms, Schumann und Schostakowitsch). Pianist Bertrand Chamayou gestaltet das Konzert vom 1. Februar in der Kirche Saanen.

Er war am Gstaad Menuhin Festival Artist-in-Residence und gibt nun all jenen, die ihn in der Zeitspanne von Ende Juli bis Mitte August verpasst haben, die Gelegenheit, ihm nochmals zu begegnen. Auch sehr reizvoll: Am Abend des 3. Februar begleitet Jérôme Ducros am Klavier den Countertenor Philippe Jaroussky in Schubertliedern. Am 6. Februar ist das Requiem von Mozart zu hören.

Das Orchestre du XVIIIe Siècle und das Ensemble Vocal de Lausanne spielen unter der Leitung von Daniel Reuss. Eröffnet wird das Festival am 31. Januar mit dem Luzerner Sinfonieorchester, dem Jungpianisten Kit Armstrong, dem Violinisten Renaud Capuçon und dem Cellisten Edgar Moreau unter der Leitung der Dirigentin Elena Schwarz (Werke von Beethoven). Das Konzert mit Renaud Capuçon an der Seite des Ensembles Lausanne Soloists schliesst das Festival am 8. Februar mit den «Vier Jahreszeiten» von Vivaldi ab.

Gratiskonzert am 3. Februar

Ein Supplément wird am 3. Februar um 10 Uhr offeriert: Das Festival bietet ein Gratiskonzert mit dem zwischen 1940 und 1945 geschriebenen Klavierwerk «Histoire de Babar» von Francis Poulenc, einer Vertonung der Geschichte des kleinen Elefanten Babar von Jean de Brunhoff, sowie der Geschichte «Ferdinand der Stier» von Munro Leaf, mit Musik von Alan Ridout.

Laurence Ferrari erzählt die beiden Fabeln und wird dabei von Renaud Capuçon und Jérôme Ducros musikalisch begleitet. «Die beiden Geschichten haben mehrere Generationen von Kindern begeistert», ist dem Pressetext zu entnehmen. «Die erste war ein Welterfolg und wurde in 27 Sprachen übersetzt, die zweite inspirierte Walt Disney zum Zeichentrickfilm ‹Ferdinand der Stier›.»

Eine Neuheit der Ausgabe 2020 ist eine Reihe mit Matineekonzerten, die Bach gewidmet sind. Sie beginnen jeweils um 11 Uhr in der Kirche Rougemont. Den Auftakt zu dieser Reihe – die künftig jedes Jahr stattfinden wird – bildet ein Konzert am Sonntag, 2. Februar, mit Renaud Capuçon, Violine, Gérard Caussé, Bratsche, und Clemens Hagen, Cello.

Composerin-in-Residence

«Renaud Capuçon hat es verstanden, mit seinem Programm Brücken zwischen Künstlern der neuen Generation und etablierten Musikern zu schlagen.» Diese Qualität attestiert ihm die Presseverantwortliche Christine Urfer in ihrem Mediencommuniqué. Auch die Sommets Musicaux de Gstaad arbeiten mit einem Artist-in-Residence.

Diesmal wird es eine Frau sein. Die 29-jährige Französin Camille Pépin gilt als «eine der wenigen Frauen ihres Fachs, die zeitgenössische Werke in einem ausdrucksstarken Stil schreibt und dabei geschickt die Klangfarben der verschiedenen Instrumente verbindet», heisst es in der Medienmitteilung.

Der mit 5000 Franken dotierte Prix André Hoffmann belohnt die beste Interpretation des Werks von Camille Pépin. Er finanziert ausserdem den Aufenthalt des Composer-in-Residence. Der französisch-amerikanische Pianist Nicholas Angelich ist der diesjährige Mentor der jungen Talente, denen er während der Woche mit Rat und Tat zur Seite stehen wird.

Programm und Ticketreservation (ab 19. November): www.sommetsmusicaux.ch.

Pianistin Martha Argerich spielt am 2. Februar mit Cellist Mischa Maisky. Fotos: PD

Camille Pépin ist Composer-in-Residence.

Renaud Capuçon, einer der weltbesten Geiger und künstlerischer Leiter des Festivals, tritt mehrmals auf.

Countertenor Philippe Jaroussky tritt am 3. Februar auf.

«Renaud Capuçon hat es verstanden, mit seinem Programm Brücken zwischen Künstlern der neuen Generation und etablierten Musikern zu schlagen.»

Christine Urfer Medienverantwortliche für Les Sommets Musicaux de Gstaad

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