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Aufbruch am Uferweg

Nachdem das erste Überbauungsprojekt am massiven Widerstand gescheitert war, hat die Vorsorgestiftung Previs nachgebessert.

Die drei geplanten Wohnbauten (v.l.) orientieren sich an den Volumen der Gyrischachen-Überbauung (hinten rechts).
Die drei geplanten Wohnbauten (v.l.) orientieren sich an den Volumen der Gyrischachen-Überbauung (hinten rechts).
Visualisierung: PD
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Das Bild dreier Blöcke wirft der Beamer an die Wand: Drei weisse Bauten, zwei liegen schräg zur Emme, ein weiterer ragt daneben hoch auf. So hoch wie sonst kein anderes Wohngebäude in Burgdorf.

«Als Ensemble reagieren sie auf die Gegebenheiten vor Ort», erklärt Architekt und Projektleiter Mario Mutti. Das hohe Gebäude bilde den Abschluss des Gyriparks, die beiden anderen nähmen den Massstab des Quartiers auf und führten ihn weiter. So entstehe ein Spannungsfeld zwischen grossen und kleinen Strukturen.

Unter denen, die seiner Präsentation folgen, schluckt jemand hörbar. Es ist das aktuell grösste geplante Wohnbauprojekt in der Emmestadt. Es geht um 176 Wohnungen, die zwischen Gyrisberg und -schachen in Neubauten entstehen werden, 43 mehr als heute am selben Ort. Dafür Platz machen soll die Siedlung aus den 1950er-Jahren am Uferweg.

Die veralteten, aber preisgünstigen Wohnungen teuer zu sanieren, lohnt sich nicht mehr, stellt Christoph Stäger, Leiter Portfolio Management Immobilien bei der Vorsorgerin Previs, fest. «Das wäre viel Geld ausgegeben für nicht zukunftstaugliche Wohnungen.» Nicht eine neue Ausgangslage ist es, die einige im Publikum an diesem Abend im Gyritreff schlucken lässt. Denn dass die Wohnblöcke am Uferweg angezählt sind, ist seit Jahren bekannt.

Es ist auch nicht das erste Projekt, das die Eigentümerin den Quartierbewohnerinnen und -bewohnern präsentiert. Das letzte hat an deren immensem Widerstand 2010 Schiffbruch erlitten. Die Investorin hat daraufhin ihre Hausaufgaben gemacht: Sie liess ein Gutachterverfahren durchführen, an der sich die Baudirektion beteiligte, und bezog die Interessengruppen mit ein. Die Erkenntnisse daraus führten zu einem neuen Projekt. Es sei in den letzten drei Jahren lediglich verfeinert worden, sagt Baudirektor Peter Hänsenberger. «Seither ist es deutlich besser.»

«Aus Fehlern gelernt»

Besser auch, weil die Investorin nun ein Viertel aller Wohnungen im preisgünstigen Segment anbieten wird. Dass dieser Anteil auch durchaus höher liegen dürfte, liess Stadtpräsident Stefan Berger (SP) durchblicken. Er sieht aber ansonsten viele Vorteile in dieser «massvollen städtebaulichen Überbauung», die im Innern verdichtet. Heute habe er, Berger, ein gutes Gefühl, weil aus Fehlern Lehren gezogen worden seien.

Dass sich der (Um)weg gelohnt hat, davon zeigt sich auch Previs-Verwaltungsratspräsident und FDP-Grossrat Peter Flück überzeugt. Previs habe nicht einfach Eigeninteressen walten lassen, strich er hervor. «Wir sind nicht Spekulanten, dann würden wir kurzfristig denken und versuchen, so viel wie möglich aus diesen Wohnungen rauszupressen.»

Der geplante Mix zwischen günstigeren und teureren Mieten gehe für die Investorin auf, denn: «Wir müssen auch Geld verdienen, damit wir auch Pensionskassengelder auszahlen können.»

Vorlaufzeit für Kündigungen

Die Mieterinnen und Mieter am Uferweg können bis mindestens Ende 2020 in ihren Wohnungen bleiben. Ihre Verträge werden mit einer Vorlaufzeit von mindestens neun Monaten gekündigt. Darüber wurden sie vor einer Woche informiert.

Dass die Betroffenheit im Quartier gross ist, zeigte die anschliessende Diskussion mit den Anwesenden. «Ein schlechter Tausch», befand ein Anstösser: 40 preisgünstige Wohnungen, wo heute mehr als das Dreifache bestehe. Zu denken gibt auch die Grossbaustelle, die sich über mindestens drei Jahre hinziehen wird.

Weder zur Etappierung, zur Baustellenlogistik noch zur Ausgestaltung der Wohnungen lasse sich heute bereits viel sagen, so Architekt Mutti. «Wir sind noch in einem frühen Stadium.» Im Rahmen der Baubewilligung wird ein Baustellenkonzept verlangt, das darüber Rechenschaft ablegt, ob die Gyrischachenstrasse als einzige Zufahrtsstrasse ins Quartier dafür ausreichen wird.

Und die Unterschiede zwischen teureren und günstigeren Wohnungen werden durch Grösse und Materialisierung bestimmt. Fest steht auch, dass die Vorsorgerin eine Mehrwertabgabe leisten muss, die gemäss Berger teils direkt ins Quartier investiert wird.

2022 sollen die ersten Wohnungen bezogen werden können. Das Abbild dreier Blöcke, das der Beamer an die Wand wirft, ist also bald schon Wirklichkeit.

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