Amerika demontiert sich selbst

Donald Trump richtet in Syrien ein Chaos an. Und unterstreicht damit, wie er die Rolle der USA in der Welt sieht.

«Make America Great Again»: Das war die Losung, derentwegen Donald Trump den Rückzug aus Nahost gefordert hatte. Hier ist er auf einer Wahlkampfveranstaltung 2017 zu sehen. Foto: Carolyn Kaster (AP, Archivbild)

«Make America Great Again»: Das war die Losung, derentwegen Donald Trump den Rückzug aus Nahost gefordert hatte. Hier ist er auf einer Wahlkampfveranstaltung 2017 zu sehen. Foto: Carolyn Kaster (AP, Archivbild)

Alan Cassidy@A_Cassidy

Was für eine Bilanz, die Donald Trump in Syrien vorzuweisen hat: die kur­dischen Verbündeten verraten, die Terroristen des Islamischen Staats in Freiheit, Hunderttausende Menschen auf der Flucht, der Kriegsverbrecher Bashar al-Assad und sein Patron Wladimir Putin in neuer Stärke. Der US-Präsident hat dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan mit dem überhasteten Abzug der US-Truppen den Weg frei gemacht, in Syrien einzumarschieren. Nun trägt Trump die Mitverantwortung für den von Erdogan lange herbei­gewünschten Krieg, den die Türkeiin den Kurdengebieten führt.

Dass Trump seither wirtschaftliche Sanktionen gegen die Türkei erlassen hat, unterstreicht bloss die Kopflosigkeit, mit der die USA in diesen Tagen unter seiner Führung vorgehen. Zuerst die Erlaubnis zur Invasion an Erdogan – dann das hilflose Wutgeheul, wenn sich die blutigen Folgen offenbaren. Demontage einer Supermacht. In der Ankündigung Trumps ist die Rede von Strafmassnahmen gegen «Vertreter der türkischen Regierung sowie gegen alle Personen, die zu den destabili­sierenden Handlungen der Türkei im Nordosten Syriens beigetragen haben». Eigentlich müsste sich Trump also gleich selbst bestrafen.

Der US-Präsident rechtfertigt sich damit, dass er sein Wahlversprechen einlöse, die «endlosen Kriege» Amerikas zu beenden. Möge das Chaos ausbrechen, solange es ihm nur eine zweite Amtszeit sichert. Die aussenpolitischen Berater, die ihn früher noch von ähnlichen Schritten ab­hielten, sind zumeist Kopfnickern gewichen. Trump entscheidet allein, geleitet nur von seinen Impulsen.

Dass die USA damit Glaubwürdigkeit und Vertrauen zerstören, dass ihre Verbündeten unter die Räder geraten: Er nimmt es in Kauf, so wie er es auch in Kauf nimmt, dass diese Strategie – wenn davon überhaupt die Rede sein kann – voller Widersprüche ist. Noch während die USA ihr Kontingent aus Syrien abziehen, schicken sie 1800 zusätzliche Soldaten nach Saudi­arabien. «Weil die Saudis uns dafür bezahlen», sagt Trump. Eine Ordnungsmacht sollen die USA unter ihm nicht mehr sein. Eine Söldnertruppe aber sehr wohl.


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