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Erstmals wieder vor ZuschauernNach der Coronavirus-Pause zurück in den Ring

Collins Ojal tritt in Magdeburg zu seinem vierten Profikampf an. Das Box-Meeting ist eines der ersten überhaupt nach der Coronavirus-Pause.

Das erfolgreiche Profidebüt: Am 30. November 2019 setzte sich Collins Ojal (rechts) im Grand Casino Basel gegen Aleksandar Rafivojevic per K.o. durch.
Das erfolgreiche Profidebüt: Am 30. November 2019 setzte sich Collins Ojal (rechts) im Grand Casino Basel gegen Aleksandar Rafivojevic per K.o. durch.
Foto: Moritz Hager

Drei Siege, zwei davon per Knock-Out, null Niederlagen – die Bilanz der ersten drei Kämpfe des Wahl-Regensdorfers Collins Ojal als Profi ist makellos. Auch das Coronavirus vermochte den Superschwergewichtler vom BC Glattbrugg nicht umzuhauen.

«Natürlich hatte ich Pläne für weitere Kämpfe, und jeder einzelne Kampf macht mich reicher an Erfahrungen und bringt mich im Ranking weiter», sagt Ojal, «aber dieses Virus ist nicht mein persönliches Problem, sondern ein weltweites, das viele traurige Situationen verursacht. Menschen haben ihr eigenes Leben verloren oder einen geliebten Menschen. Dagegen ist ein ausgefallener Profi-Kampf nichts.» Mit seinen Eltern, die beide in Kenia leben, steht der 35-Jährige regelmässig in Kontakt. «Sie wohnen in einem abgeschiedenen Dorf, in dem es noch keine Fälle gab. Für sie ist die Gefahr, sich anzustecken, kleiner als für mich in Zürich», fügt der Boxer an, der beruflich als Barkeeper tätig ist.

Er habe von Anfang an die Situation akzeptiert, sich an die behördlichen Massnahmen gehalten – und stets weiter trainiert. Während der Lockdown-Zeit hierzulande, als sowohl die Bar seines Arbeitgebers als auch das Box-Center Glattbrugg geschlossen waren, arbeitete der 1,98 Meter grosse Athlet an seiner Ausdauer und Beweglichkeit, absolvierte Kraftübungen auf dem Vitaparcours. Sich angesichts der lange Zeit nur äusserst vagen Aussichten auf einen nächsten Wettkampf zurückzulehnen und nachzulassen, kam für ihn nie infrage. «Irgendwo da draussen lauert mein nächster Gegner – und der schläft auch nicht. Das hält mich wach», erklärt Ojal, der Schweizer Meister im Super-Schwergewicht ist.

Vor den Augen der Fachleute

Als im Mai das Training im Center nach den Vorgaben des Schutzkonzepts ohne Körperkontakt, aber mit dem Sandsack möglich wurde, habe dies ein Lächeln auf sein Gesicht gebracht, schildert er. Und seit Kurzem hat Collins Ojal nun auch wieder ein Ziel, auf das er – seit zwei Wochen nun auch in Sparringstrainings mit Körperkontakt – konzentriert hinarbeiten kann.

Timur Topcu, Trainer und Vizepräsident des BC Glattbrugg, der den Posten als Manager des Neo-Profis übernommen hat, organisierte eine Kampf-Gelegenheit im deutschen Magdeburg, wo diesen Samstag eines der europaweit ersten Boxmeetings seit der Coronavirus-Zwangspause über die Bretter gehen wird. Dort trifft Ojal auf den Tschechen Georgij Fibich.

«Das ist eine ganz grosse Chance für Collins», kommentiert Topcu. «Die Boxgala wird von einem der drei grössten Veranstalter in Deutschland organisiert, viele Promoter werden Collins dort boxen sehen. Ausserdem wird das ganze Event – inklusive seines Kampfs – live auf dem türkischen Sender DMAX übertragen.» Der Hauptkampf des Abends mit dem deutschen Ex-Europameister Agit Kabayel wird im deutschen Regionalsender MDR und auf der US-Sportkette ESPN live zu sehen sein, Ojals Kampf gegen Fibich ebenfalls direkt auf ESPN. Ob er auch via MDR verfolgt werden kann, gilt derzeit noch als offen. Klar ist aber: Collins Ojal möchte ihn gewinnen, und er ist gewarnt.

Super-Schwergewichtler Collins Ojal im Training mit dem Cheftrainer und Präsident Rajko Bojanic vom BC Glattbrugg.
Super-Schwergewichtler Collins Ojal im Training mit dem Cheftrainer und Präsident Rajko Bojanic vom BC Glattbrugg.
Foto: Francisco Carrascosa

Der ewig gleiche Fokus

«Mein Gegner ist sehr erfahren und auch noch unbesiegt, das wird aufregend», schätzt Collins Ojal. Tatsächlich wirft Georgij Fibich langjährige Kampferfahrung in den Ring, vornehmlich aus dem Kickboxen. Mit seiner Vorbereitung sieht sich Ojal trotz Corona-Pause genau im Zeitplan. Da er erst Ende Februar unmittelbar vor dem Unterbruch letztmals in den Ring gestiegen war und für den ersten Monat ohnehin erst einmal die Regeneration im Fokus stand, warf ihn die Pandemie nur geringfügig zurück.

Und das internationale Rampenlicht, in dem er auf der Seebühne in Magdeburg erstmals stehen wird, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. «Ob wir im Mondlicht kämpfen oder bei praller Sonne, ob in einer Halle oder draussen, ob mit oder ohne Publikum – mein Fokus ist überall derselbe und liegt ganz auf dem Gegner», schildert Ojal. Eine gute Voraussetzung, um auch seinen vierten Kampf als Profi für sich zu entscheiden.