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Beratungshotline zum FamilienrechtMuss ich trotz meinen kleinen Kindern nach der Scheidung arbeiten?

Erbt man nach der Scheidung? Wer bleibt nach der Scheidung im Haus? Diese und neun weitere Fragen wurden an der letzten Beratungshotline gestellt.

Wer die Kinder betreut, ist erst ab der Einschulung des jüngsten Kindes verpflichtet, zu einem Pensum von 50 Prozent zu arbeiten.
Wer die Kinder betreut, ist erst ab der Einschulung des jüngsten Kindes verpflichtet, zu einem Pensum von 50 Prozent zu arbeiten.
Foto: Heinz Diener Mutter 

1. Mein Mann und ich, wir trennen uns. Wir haben drei Kinder im Alter von einem, vier und fünf Jahren. Wegen der Kinder habe ich meinen Job als Juristin aufgegeben. Mein Mann verlangt nun von mir, dass ich ab sofort mindestens 50 Prozent arbeite. Darf er das?

Nein. Gemäss dem geltenden Schulstufenmodell können Sie erst ab der Einschulung des jüngsten Kindes verpflichtet werden, zu einem Pensum von 50 Prozent zu arbeiten. Der Beginn des Kindergartens gilt als Einschulung. In der Oberstufe beträgt das zumutbare Pensum grundsätzlich 80 Prozent und nach dem Abschluss der obligatorischen Schule 100 Prozent.

2. Nach zehn Jahren steht unsere Ehe vor dem Aus. Meine Frau trägt die Schuld und hat während der Ehe nicht gearbeitet. Muss ich meine Pensionskassenguthaben trotzdem mit ihr teilen?

Ja. Bei einer Scheidung hat jeder Ehegatte Anspruch auf die Hälfte des während der Ehe angesammelten Pensionskassengeldes. Die Gründe der Scheidung spielen dabei keine Rolle.

3. Früher hat der Unterhalt für ein Kind 17 Prozent des Nettoeinkommens des leistungspflichtigen Elternteils betragen. Ist das heute immer noch so?

Nein. Heute wird der Unterhalt mit eher komplexen Tabellen für jeden Einzelfall berechnet. Im Kanton Bern wird die sogenannte Bähler-Tabelle verwendet, im Kanton Zürich die Zürcher Kinderkosten-Tabelle.

«Eheleute können bereits vor der Heirat abmachen, welche Unterhaltsbeiträge sie im Fall einer Scheidung bezahlen wollen.»

Antwort des Berater-Teams

4. Ich muss als Vater für meine Kinder sowohl Bar- als auch Betreuungsunterhalt bezahlen. Warum muss ich für beides aufkommen?

Beide Unterhaltsteile stehen für unterschiedliche Bedürfnisse: Der Barunterhalt deckt den direkten Bedarf der Kinder wie Wohnanteil, Essen oder die Krankenkasse ab. Der Betreuungsunterhalt deckt das durch die Betreuung der Kinder verursachte finanzielle Manko der Mutter.

5. Muss ich weniger Betreuungsunterhalt bezahlen, wenn der neue Partner meiner Ex-Frau zu ihr und den Kindern zieht?

Nicht direkt. Jedoch werden die Lebenshaltungs- und Wohnkosten dadurch auf eine Personen mehr verteilt, wodurch sich der Bedarf Ihrer Ex-Frau und der Kinder reduziert, was deren Manko und somit indirekt den Unterhalt senkt.

6. Wir heiraten in einem Monat. Können meine zukünftige Ehefrau und ich schon heute miteinander vereinbaren, wie viel Unterhalt ich ihr nach einer allfälligen Scheidung zahlen muss?

Grundsätzlich können Eheleute bereits vor der Heirat abmachen, welche Unterhaltsbeiträge sie im Fall einer Scheidung bezahlen wollen. Das Gericht genehmigt die Abmachung nur dann, wenn sie nicht rechtswidrig ist. Sie muss eindeutig sein, auf dem freien Willen beider Parteien beruhen und angemessen sein. In der Praxis ist es sehr schwierig, im Voraus verbindliche Vereinbarungen über Unterhaltsleistungen zu treffen: Unklar ist die familiäre und die finanzielle Entwicklung und damit die Frage, ob die Vereinbarung im Scheidungszeitpunkt überhaupt noch angemessen ist.

«Eine Scheidung auf Klage kostet 1200 bis 10’000 Franken.»

Antwort des Berater-Teams

7. Meine Ex-Frau ist sehr wohlhabend. Bin ich nach der Scheidung noch erbberechtigt?

Nach einer Scheidung haben Sie keinen Anspruch mehr auf eine Erbschaft aus dem Vermögen der Ex-Partnerin.

8. Mein Ehemann hat mir mündlich zugesichert, dass er mit seiner zukünftigen Erbschaft die Hypothek für unser gemeinsames Haus zurückbezahlt. In der Zwischenzeit hat er sein Erbe erhalten. Er weigert sich nun, wie abgemacht die Hypothek zurückzubezahlen. Kann ich etwas dagegen unternehmen?

Das Erbe Ihres Ehemannes ist sein Geld und steht zu seiner freien Verfügung. Er kann mit dem Geld machen, was er will. Da die Zusicherung betreffend die Rückzahlung der Hypothek nur mündlich erfolgt ist, werden Sie kaum Chancen haben, ihn zur Rückzahlung zu verpflichten.

9. Wie viel kostet ein Scheidungsverfahren?

Die Gerichtskosten bestimmen sich nach Art des Verfahrens und nach dem Einkommen beider Ehegatten zusammen. Bei einer einvernehmlichen Scheidung mit vollständiger Nebenfolgenregelung bewegen sich die Gerichtskosten im Kanton Bern je nach Einkommen zwischen 600 Franken und 3000 Franken. Eine Scheidung auf Klage kostet 1200 bis 10’000 Franken bis und mit dem ersten Termin.

Es kann auch teurer werden, wenn sich das Verfahren hinzieht. Die Anwaltskosten bestimmen sich nach Aufwand. Falls man die Scheidung neben den üblichen Lebenshaltungskosten nicht aus dem Einkommen oder dem Vermögen zahlen kann, hat man Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege. Der Kanton Bern übernimmt dann einstweilen die Kosten. Das Geld muss man aber zurückzahlen, wenn man innert der nächsten zehn Jahre dazu in der Lage ist.

«Eine Trennung bedarf keiner Zustimmung des Partners, und es muss auch nichts vorgefallen sein.»

Antwort des Berater-Teams

10. Mein Mann und ich leben seit zwanzig Jahren getrennt. Ich möchte mich nun scheiden lassen. Was mache ich, wenn er nicht einverstanden ist?

Sie können die Scheidung nach mindestens zweijähriger Trennungsdauer auch gegen seinen Willen mit Scheidungsklage durchsetzen.

11. Meine Frau und ich wohnen zusammen in einem Haus, an welchem wir sehr hängen. Sie möchte sich von mir trennen. Ich habe ihr nie etwas getan. Darf sie sich jetzt einfach von mir trennen?

Trennen kann man sich jederzeit auch gegen den Willen des anderen Ehegatten. Die Trennung bedarf keiner Zustimmung, und es muss auch nichts vorgefallen sein.

12. Wir haben ein gemeinsames Haus und sind beide im Grundbuch eingetragen. Meine Frau betreut mehrheitlich die gemeinsamen Kinder. Nun will sie die Scheidung. Wer darf im Haus wohnen?

Das Gericht kann das Alleineigentum am Haus demjenigen zuteilen, der daran ein höheres Interesse hat. Das ist in Ihrem Fall wohl die Frau, weil sie mehrheitlich die Kinder betreut und diese in ihrem gewohnten Umfeld bleiben sollten. Ihre Frau muss Sie später auszahlen. Wenn das Geld nicht reicht, muss das Haus verkauft werden.