Zum Hauptinhalt springen

Sonys Antwort auf CanonMit dem Megapixel-Zwerg gegen das 8K-Monster

Canon hat mit einer Alles-drin-Kamera vorgelegt. Nun zieht Sony nach – mit gerade mal 12 Megapixeln. So widersprüchlich, wie es klingen mag, ist das allerdings nicht.

Tiefe Auflösung, hoher Preis: die Sony A7S III.
Tiefe Auflösung, hoher Preis: die Sony A7S III.
Foto: Sony

Vor zwei Wochen staunte ich hier über Canons neue Wunderkamera, in der alles steckt, was aktuell technisch möglich ist. Die R5 beeindruckt mit 45 Megapixeln, 8K-Videos, einer leistungsfähigen mechanischen Bildstabilisierung und weiteren technischen Leckerbissen. Schon damals fragte ich mich, wie lange Sony dem Rivalen Canon diesen Triumph gönnen wird – und ob Sony dem überhaupt etwas entgegensetzen kann.

Nun hat Sony seine neuste Kamera vorgestellt. Und überrascht: Die A7S III hat einen Sensor mit gerade mal 12 Megapixeln (wie zum Beispiel ein iPhone) und filmt «nur» in 4K (auch wie ein iPhone). Trotzdem kostet sie – wie die Canon R5 – 4500 Franken. Falls Sie sich nun verwundert an den Kopf fassen, die Augen verdrehen und sofort einen Kommentar verfassen wollen, kann ich das gut verstehen.

Doch warten Sie kurz! Ganz so widersinnig ist die Strategie von Sony nämlich nicht. Natürlich.

Hitzige Diskussion

Zur Bewunderung für Canons Wunderkamera mischten sich in den letzen Tagen und Wochen vermehrt auch Berichte zu Überhitzungsproblemen (etwa hier).

Dazu muss man wissen, dass die Vorabtester allesamt Vorabkameras ausprobieren – und sich bei der finalen Version und dank Software-Updates noch einiges ändern kann. Dennoch zeigen die ersten Tests, dass die enormen Datenmengen, die die R5 aufzeichnet und verarbeiten muss, ihren Tribut fordern.

Ähnlich wie ein Laptop, der Höchstleistung erbringen muss, wird auch eine Kamera heiss, wenn sie besonders beim Filmen derart gefordert wird. Wird eine Kamera zu heiss, erscheinen Warnhinweise – man muss eine Pause einlegen. Wie schnell die R5 überhitzt und wie ärgerlich das im Alltag ist, wird aktuell heiss diskutiert.

Auf den wunden Punkt

Genau an dem wunden Punkt der Canon setzt Sony an. Dank dem bescheidenen 12-Megapixel-Sensor fallen deutlich geringere Datenmengen an, und die Prozessoren müssen bei Videos weniger rechnen.

Etwas verkürzt erklärt: Ein 4K-Video entspricht in etwa 8 Megapixeln. Hat eine Kamera mehr Megapixel und somit eine höhere Auflösung, muss sie die überzähligen Bildinformationen irgendwie loswerden. Dazu gibt es verschiedene Verfahren, die entweder der Bildqualität schaden oder sehr rechenintensiv sind.

Zum Vergleich: Möchte man mit 8K filmen, braucht es dagegen einen Sensor mit mindestens 32 Megapixeln. Bei 24 Bildern pro Sekunde für ein Video kommt man da schnell auf enorme Datenmengen, was die Kamera ebenfalls ziemlich fordert.

Der einfachere Weg

Um das zu verhindern, setzt Sony statt auf 45 Megapixel auf eben 12. Die Bescheidenheit bei den Megapixeln scheint ihren Zweck zu erfüllen. Erste Tester berichten, dass die Vorabkameras auch bei längeren Videos nicht überhitzen würden und über Stunden hinweg ausgesprochen zuverlässig funktionieren.

Sony hat also den einfacheren Weg gewählt. Verzichten müssen die Nutzerinnen und Nutzer bei der neusten Kamera dafür auf ultra-hochauflösende Videos, und Pixel-Fans unter den Fotografen werden ob der geringen Fotoauflösung die Nase rümpfen.

Fotografinnen und Fotografen, die mit Videos nichts am Hut haben, gehen bei Sony aber nicht komplett leer aus. Hier profitiert der Konzern von seiner Vorreiterrolle bei spiegellosen Vollformatkameras und einer Vielzahl an bereits veröffentlichten Kameras.

Etwa die vor einem Jahr vorgestellte A7R IV richtet sich mit ihren 61 Megapixeln genau an das Klientel der Pixel-Fans (hier gehts zum Testbericht). Während es Canon mit der R5 sowohl den Filmern wie den Fotografen recht machen möchte, setzt Sony auf für jedes Bedürfnis spezialisierte Kameras.

Mit der A7S III hat sich Sony für einmal als überraschend konservativ und pragmatisch erwiesen. Bislang waren die Rollen zwischen den zwei Konzernen jeweils vertauscht: Sony lockte mit technischen Superlativen, und Canon baute, was im Alltag mehr nützt. Welche Strategie besser aufgeht und ob die Konkurrenz mit Sony und Canon Schritt halten kann? TBC.

Ein ausführlicher Test der beiden Kameras folgt.