Zum Hauptinhalt springen

Nur durch Fehler werden Goalies unsterblich

An sensationelle Tore erinnert sich der Fussball-Fan lange, aber Glanzparaden verblassen schnell, wie diese Champions-League-Saison beweist.

Geht mit diesem Fehler in die Geschichte ein: Loris Karius wirft Karim Benzema den Ball vor die Füsse. Video

Ein Stürmer darf mit der Hand nachhelfen, wenn der Schiedsrichter es nicht sieht. Wie Maradona an der WM von 1986 gegen England. Ein Stürmer darf einen Penalty so lamental verschiessen wie Marco Streller 2006 im WM-Spiel gegen die Ukraine. Das Lamentable blieb zwar im Gedächtnis. Aber auch sein Tor im Jahr zuvor gegen die Türkei, das der Schweiz in der Barrage die Qualifikation ermöglichte.

Ein Goalie darf sich solche Irregularitäten nicht leisten. Und erst recht nicht solche Fehler. Bis vor ein paar Wochen waren Sven Ulreich und Loris Karius, die Torhüter von Bayern und Liverpool, nur den Fussballfans bekannt. Seit Ulreichs Aussetzer beim Führungstreffer durch Real Madrid Anfang Mai und Karius’ schweren Goaliefehlern am Samstag gegen dasselbe Real sind die beiden Torhüter weltberühmt. Alle sahen ihre drei Tore.

Paraden gehen vergessen, Patzer nicht.

Ulreich hat man wohl verziehen, immerhin hat er mit Bayern eine exzellente Saison gespielt. Aber man wird seinen Fehler nie vergessen, selbst bei seinem Nachruf wird er erwähnt werden. Weit schlimmer ergeht es Loris Karius.

Seit seiner Heimkehr wird der Deutsche attackiert, verhöhnt und sogar mit dem Tode bedroht; die Polizei muss ihn schützen. Seine Karriere bei Liverpool ist mit Garantie zu Ende, vermutlich wird ihn kein Spitzenclub mehr anstellen. Denn alle würden nur darauf warten, dass Karius wieder etwas falsch macht. Und er hätte eine solche Angst vor Fehlern, dass sie ihm immer wieder passieren würden.

Der vergessliche Kahn

Das ist das Unrecht im Fussball: Stürmer können noch so oft verschiessen, Verteidiger nicht aufpassen, Mittelfeldspieler Fehlpässe geben. Aber wenn ein Goalie danebenlangt, brennt sich der Fehler in seine Biographie ein. Paraden gehen vergessen, Patzer nicht.

Das müsste auch Oliver Kahn wissen. «Mir fehlen die Worte», sagte der ehemalige Goalie der deutschen Mannschaft am Samstag im Fernsehen. «Ich kann mich nicht erinnern, aus Torwartsicht etwas Brutaleres gesehen zu haben.» Dabei hatte Kahn am WM-Final von 2002 das 0:1 gegen Brasilien zu verantworten. Er scheint es verdrängt zu haben. Die Fans nicht. Sie erinnern ihn daran. Ununterbrochen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch