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Kommentar: Lumengo verschlimmert seine Situation, wenn er nicht zurücktritt

Das Urteil bedeutet das Ende für Ricardo Lumengos politische Karriere. Auf den steilen Aufstieg über den Berner Grossen Rat in das eidgenössische Parlament folgt für den ersten dunkelhäutigen Nationalrat schon nach wenigen Jahren der tiefe Fall.

In gewisser Weise ist nachvollziehbar, dass der Bieler Politiker um sein politisches Überleben kämpft und vor dem Rücktritt ein rechtskräftiges Urteil abwarten will. So geht es rein juristisch betrachtet eigentlich nur um eine Bagatelle. Entsprechend tief ist das Strafmass: Lumengo muss nicht etwa ins Gefängnis, sondern wird zu einer eher tiefen bedingten Geldstrafe verurteilt. Deswegen soll er jetzt sein Nationalratsmandat verlieren, das momentan seine einzige Einnahmequelle ist.

Doch Lumengo verkennt die politische Dimension, wenn er den zuerst angekündigten Rücktritt verweigert. Der finanzielle Schaden mag gering sein, aber der Reputationsschaden ist gewaltig. Wenn Politiker, die unsere Gesetze machen, sich selber nicht daran halten, haben sie das Vertrauen der Wähler im Nu verspielt. Und als Jurist sollte Lumengo die Gesetze besonders gut kennen – umso weniger glaubwürdig klingen seine Beteuerungen, nicht aus Eigennutz gehandelt zu haben. Solche Reputationsschäden lassen sich fast nicht mehr flicken. Zudem färben sie auf die gesamte Partei ab. Deshalb bleibt der SP gar nichts anderes übrig, als sich sofort zu distanzieren und Lumengo wie eine heisse Kartoffel fallen zu lassen.

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