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Ein erstes Zeichen gesetzt

«Seit dem «Out» für das Selve-Areal suchen die lärmintensiven Nachtvögel die Thuner Altstadt heim. Jetzt hat der Regierungsstatthalter ein erstes Zeichen gesetzt und eine erste Limite gezogen.»

Sein Entscheid ist nachvollziehbar und, was die Altstadt betrifft, zweifellos richtig.

Es geht um eine Rechtsgüterabwägung: zwischen der Rendite einiger weniger Nachtklubs und dem Durchfeiern-«Bedürfnis» ihrer trinkfreudigen Klientel einerseits und einem wenigstens minimalen Nachtruheanspruch einer wesentlich gewichtigeren Zahl von Bewohnern und Hotelgästen sowie dem Ruf Thuns als Touristenstadt mit Stadthotels, in denen man auch Schlaf findet, andererseits. Diese Rechtsgüterabwägung kann auch beim zweiten noch offenen Entscheid («Saint Trop») nicht anders ausfallen als beim «Funkhouse».

Mit dem Abschlag der 5-Uhr-Bewilligung ist das Problem ohnehin noch längst nicht vom Tisch. Wenn vor den Altstadtlokalen schon im Februar bis weit nach Mitternacht richtiggehende Open-Air-Partys auf Trottoirs, Treppen und Mühleplatz gefeiert werden (wie zum Beispiel letzten Samstag), ohne dass die verantwortlichen Barbetreiber einschreiten, ist die Grenze des Zumutbaren weit überschritten. Der Artikel 21 des Gastgewerbegesetzes, der die Gastwirte für Ruhe und Ordnung verantwortlich macht, muss durchgesetzt werden: Den Lippenbekenntnissen der Barbetreiber müssen endlich wirksame Taten folgen. Um das durchzusetzen, ist aber nicht nur der Regierungsstatthalter mit seiner Bewilligungspraxis gefordert, sondern auch die Politik, die städtischen Behörden und die Polizeiorgane.

Auf dem Spiel steht nicht weniger als das tolerante Miteinander von Wohnen, Arbeiten und Nachtleben, das bis vor kurzer Zeit Thun auszeichnete. Mit «Urbanität» hat es rein gar nichts zu tun, wenn ein rücksichtsloses Nachtleben mit Lärm, Dreck und Vandalismus alles andere an die Wand drückt. Thun muss jetzt handeln, wenn es nicht Zustände wie an der Langstrasse in Zürich oder an der Aarbergergasse in Bern will, wo die Kriminalität dem Partyfeiern auf dem Fuss folgte. Es muss ein Markenzeichen einer lebendigen Thuner Innenstadt bleiben, dass Rücksicht und Toleranz gegenüber allen Bedürfnissen funktionieren. Ein Markenzeichen gegen eine schrankenlose «Jetzt lassen wir die Sau raus»-Mentalität.

Der Regierungsstatthalter hat nun ein erstes, kleines Zeichen in diese Richtung gesetzt. Jetzt müssen die anderen Partner, die Barbetreiber mit wirksamen Massnahmen und die Stadtbehörden mit der Durchsetzung geltender gesetzlicher Regeln, ihren Job machen. Und zwar gründlich.

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