Schade für das gute Programm

«Die Migros riskiert, ihr eigenes Label zu verwässern.»

Angela Barandun@abarandun

Das Sortiment des Regional-Labels der Migros umfasst 8000 Produkte in 10 Genossenschaften. Die Mehrheit davon erfüllt die Erwartungen der Kunden: Die Produkte stammen aus der Region, enthalten nur dann ortsfremde Zusätze (etwa Kaffee, exotische Früchte, Salz oder Gewürze), wenn diese in der Region nicht vorkommen – und werden auch ausschliesslich in der Region verarbeitet. Und dann gibt es die anderen Produkte wie Fleisch und Eier. Viele Kunden werden sich zu Recht betrogen fühlen, wenn sie erfahren, welche Strecken das Ei für die Qualitätskontrolle zurückgelegt hat. Oder wie weit das Huhn transportiert werden musste, bevor es im Schlachthof zum Poulet wurde.

Natürlich kann die Migros nicht in jeder Region einen Schlachthof betreiben. Die modernen Tierschutzbestimmungen und Hygienevorschriften lassen das nicht zu – es wäre viel zu teuer. Völlig unverständlich ist hingegen, wenn Eier mit dem identischen Regional-Label nebeneinander im Regal stehen – das eine lokal überprüft und verpackt, das andere auf den Umweg via Kloten geschickt.

Die Migros muss konsequent sein – und überall dort auf das Regional-Logo verzichten, wo sich lange Transportwege nicht vermeiden lassen. Oder mindestens auf die Fahrzeit hinweisen. Sonst riskiert sie, das Label zu verwässern – und setzt gar die Glaubwürdigkeit des ganzen Programmes aufs Spiel.

Und das wäre schade. Denn «Aus der Region. Für die Region.» ist eigentlich eine gute Sache – und zwar für alle Beteiligten. Lokale Produzenten sowie Molkereien und Metzgereien, die Spezialitäten herstellen, werden gefördert und erhalten einen attraktiven Kanal für ihre Produkte. Konsumenten, die keine Zeit für den oder keinen Zugang zu einem Frischwarenmarkt haben, bekommen so trotzdem die Möglichkeit, regional einzukaufen. Sie haben die Wahl, das regionale Gewerbe zu fördern, und sie können sich bewusst für die kurzen Transportwege einsetzen. Die Migros schliesslich profitiert ebenfalls, weil sie sich durch das Angebot von der Konkurrenz abhebt und mit dieser Linie schon kurz nach deren Einführung hohe Umsätze generiert. Und wenn die Produkte tatsächlich in der Region bleiben, ist damit sogar der Umwelt gedient.

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