Zum Hauptinhalt springen

Vereint gegen die Rezession

«Diese Finanzmarktkrise hat sich bisher dadurch ausgezeichnet, dass von allen möglichen Szenarien stets das schlimmste Realität wurde. Die jüngste Wendung ist besonders perfide.»

Innerhalb eines Monats haben die Notenbanken der Euro-Zone, Grossbritanniens und der Schweiz ihre Leitzinsen jetzt zum zweiten Mal gesenkt. Die Währungshüter in den USA hatten ihren «Nachzieher» noch im Oktober vollzogen. So kurz der zeitliche Abstand zwischen den beiden Zinsrunden ist, so unterschiedlich sind sie bezüglich Charakter und Absicht.

Die weltweit koordinierte Zinssenkung vom 8. Oktober zielte darauf ab, den von Panik ergriffenen Finanzmärkten ein Vertrauenssignal zu senden. Mit dem vereinten Auftritt wollten die Notenbanken demonstrieren, dass sie sich der Gefahren für das globale Banken- und Finanzsystem vollauf bewusst sind und alle Kräfte aufbieten würden, um eine Eskalation der Krise abzuwenden.

Seither haben auch etliche Regierungen interveniert: Mit Hunderten von Milliarden an Steuergeldern greifen sie den Banken unter die Arme. Das Risiko eines Kollapses einzelner Grossinstitute wird dadurch zunehmend unwahrscheinlicher - eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Vertrauen zwischen den Banken allmählich zurückkehrt und damit auch die Bereitschaft, sich gegenseitig wieder Geld auszuleihen.

Die gestrige Zinsrunde dagegen war nicht abgesprochen, und sie diente auch nicht primär der Vertrauensbildung für die Märkte. Jetzt gilt es, eine Rezession zu verhindern - wie im Fall der Schweiz -, eine kaum mehr abzuwendende Rezession möglichst kurz zu halten - wie in der Euro-Zone - oder den Absturz in eine Deflation zu vermeiden - wie in Grossbritannien.

Diese Finanzmarktkrise hat sich bisher dadurch ausgezeichnet, dass von allen möglichen Szenarien stets das schlimmste Realität wurde. Die jüngste Wendung ist besonders perfide: Kaum je zuvor ist eine Krise im Finanzsektor so rasch und in solcher Heftigkeit auf die Realwirtschaft übergesprungen. Wohin wir auch blicken, haben einbrechende Vermögenspreise, eingeschränkte Kreditvergabe und Vertrauensverlust die Konsum- und Investitionstätigkeit scharf gebremst. Die nächste Zinsrunde der Notenbanken kommt bestimmt - schon im Dezember.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch