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Neue Corona-UmfrageMehrheit würde Maskenpflicht in Innenräumen befürworten

Selbst bürgerliche Wähler halten die Corona-Massnahmen des Bundes mehrheitlich für angemessen. Mit einem zweiten Lockdown rechnet ein Grossteil der Bevölkerung nicht.

Viele Befragte finden eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen sinnvoll.
Viele Befragte finden eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen sinnvoll.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

In Demonstrationen und in den sozialen Medien machen sogenannte Corona-Skeptiker seit Monaten ihrem Missmut über die Massnahmen des Bundes im Kampf gegen Covid-19 Luft. Nun zeigt eine repräsentative Umfrage von Tamedia und 20 Minuten mit 15’342 Teilnehmern: Eine Mehrheit der Bevölkerung steht weiterhin hinter der Corona-Politik des Bundes.

53 Prozent der Umfrageteilnehmer halten die Massnahmen demnach für «angemessen», wie die Befragung von Ende September zeigt. Die Gruppe jener, die die Massnahmen zu streng oder eher zu streng finden (21 Prozent), ist dabei fast gleich gross wie jene, die gern schärfere Massnahmen sähe (24 Prozent).

Seit April, als sich die Schweiz im Lockdown befand, hat sich die Gemütslage damit nur geringfügig verändert. Damals bezeichneten 58 Prozent die Massnahmen des Bundesrats als «angemessen».

Auffällig: In der SVP-Wählerschaft ist die Kritik an den geltenden Corona-Massnahmen zwar stärker ausgeprägt als in der Basis anderer Parteien, dennoch ist auch innerhalb der SVP diejenige Gruppe am grössten, die den Massnahmen des Bundes zustimmt. Für ein härteres Vorgehen spricht sich am ehesten die Anhängerschaft der Grünen und der SP aus, wobei diese Stimmen dort ebenfalls in der Minderheit sind.

«Wir sehen, dass die Corona-Skeptiker innerhalb der Bevölkerung eine laute, aber kleine Minderheit darstellen», sagt Politologe Lucas Leemann, der die Umfrage zusammen mit Fabio Wasserfallen durchgeführt hat. «Die Aufmerksamkeit, die die Gruppe medial erhält, steht in keinem Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Relevanz.»

67 Prozent für Maskenpflicht in Innenräumen

Die Umfrage gibt auch Anhaltspunkte zur Akzeptanz der Maskenpflicht. Am stärksten ist diese im öffentlichen Verkehr; acht von zehn Umfrageteilnehmern stehen hinter dieser Massnahme. Die SVP-Wählerschaft goutiert die Maskenpflicht im ÖV unter dem Strich am wenigsten deutlich (72 Prozent Ja), am höchsten ist die Akzeptanz bei den Anhängern von SP, Grünen und GLP mit bis zu 90 Prozent.

Auch in Geschäften ist das Maskenobligatorium über alle Parteigrenzen und Altersgruppen hinweg akzeptiert. Selbst in öffentlich zugänglichen Innenräumen findet eine Maskenpflicht eine Mehrheit. Insgesamt 67 Prozent sprechen sich dafür aus. Kein Verständnis hätten die Befragten derzeit hingegen für ein Maskenobligatorium am Arbeitsplatz. Nur gut jeder Vierte fände das sinnvoll.

«Die Bevölkerung vertritt in dieser Frage eine pragmatische Haltung», sagt Politologe Leemann. So dürfte die Ansicht verbreitet sein, dass das Tragen von Masken im Kampf gegen Covid-19 etwas nützt. «Man befürwortet die Maskenpflicht aber nur dort, wo viele Menschen kurz nah beieinander sind, wie etwa im ÖV.» Ein Obligatorium im Büro, wo die Maske über acht Stunden getragen werden müsste, dürfte hingegen als unverhältnismässig oder als zu grosser Eingriff in den Alltag empfunden werden.

Nur wenige für zweiten Lockdown

Ein klares Bild zeigt sich schliesslich bei der Frage, ob es in den nächsten sechs Monaten zu einem Corona-Lockdown wie im März kommen könnte. 69 Prozent rechnen sicher nicht oder eher nicht damit. Dabei schätzen beide Geschlechter die Lage mehr oder weniger gleich ein. Am stärksten zieht das Argument, wonach die wirtschaftlichen und sozialen Folgen auf jeden Fall zu gravierend wären.

Nur eine kleine Minderheit würde einen zweiten Lockdown gutheissen, Ziel müsse es sein, dass möglichst wenige Menschen am Virus sterben. Eine etwas grössere Minderheit würde diese Option nur dann begrüssen, sollten die Spitäler überfüllt sein. Deutlich verbreiteter ist dagegen die Ansicht, dass es höchstens zu einem kommunalen oder regionalen Lockdown kommen dürfe.

Ein Lockdown wie im März wäre jedenfalls mit teils einschneidenden Folgen verknüpft. Am belastendstendas zeigt die Umfragewäre der Verzicht auf soziale Aktivitäten, also etwa fehlende Treffen mit Freunden oder der Familie. 30 Prozent haben das so angegeben. Zum Vergleich: Im April waren es noch 46 Prozent. Weniger Sorgen bereiten offenbar die finanziellen Folgen (15), wobei diese Sorgen im Vergleich zum April (10) etwas grösser geworden sind.

Noch etwa gleich wie im Frühling schmerzt die Bevölkerung der Verzicht auf Reisen und Ferien (9) sowie kulturelle und sportliche Anlässe (7). Die Angst vor gesundheitliche Konsequenzen schliesslich scheint nicht mehr so ausgeprägt (5) wie im April (11). Gestiegen ist jedoch der Anteil jener, die eine solche Situation nicht als belastend empfinden würden. In der neuen Umfrage gaben 15 Prozent diese Antwort an, wie schon im Mai. Im April dagegen waren es nur 7 gewesen.

Die 20 Minuten/Tamedia-Abstimmungsumfragen werden in Zusammenarbeit mit der Leewas GmbH durchgeführt. 15’342 Personen aus allen Landesteilen haben vom 24. bis 27. September an der Onlineumfrage teilgenommen. Die Daten wurden nach demografischen, geografischen und politischen Variablen gewichtet. Der Fehlerbereich liegt bei ±1,4 Prozentpunkten.

98 Kommentare
    Andreas Bollner

    Halten wir es doch ein für allemal fest. "Die (militanten) Maskengegner sind verantwortungslose Egoisten". Weshalb ich dies hier schreibe? Weil nachweislich zahlreiche Leute gewillt und z.T. genötigt sind, sich vor dem Virus zu schützen. Dies gelingt nur, wenn eine gewisse Solidarität in dieser Sache gelebt wird. Würden sich die Nichtträger nur selber gefährden, wäre mir ihr Verhalten völlig egal - deren Folgen auch...