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Gastkommentar zum PalmölstreitMegaplantagen sind schlecht für Umwelt und Gesellschaft

Befürworter des Freihandelsabkommens mit Indonesien behaupten, Nachhaltigkeitslabels für Palmöl würden gute Umwelt- und Sozialstandards garantieren. Das stimmt nicht.

Schon durch die schiere Grösse ein Problem: Palmölplantage auf Westsumatra, Indonesien.
Schon durch die schiere Grösse ein Problem: Palmölplantage auf Westsumatra, Indonesien.
Foto: Imago

Die Palmölindustrie hat entscheidend dazu beigetragen, dass in den letzten 40 Jahren in den indonesischen Provinzen Kalimantan und Sumatra die Hälfte des Regenwaldes verschwunden ist. Und die Abholzung für neue Plantagen geht immer noch weiter, vor allem in West-Papua. Aber die Befürworter des Freihandelsabkommens vermeiden es tunlichst, diese Provinz Indonesiens überhaupt zu erwähnen. Seit der Annexion 1969 unterdrückt und terrorisiert das indonesische Militär die einheimischen Papuas.

In West-Papua sind noch Waldflächen in der Grösse vorhanden, um Plantagen von bis zu 30'000 Hektaren anzulegen. Das ist eine Landfläche so gross wie der Kanton Schaffhausen. Diese Grösse ist erforderlich, um die Ölmühlen der neuesten Generation auszulasten.

Dabei werden zwangsläufig die Einheimischen von ihrem Land vertrieben. Die indonesische Gesetzgebung sorgt dafür, dass dies legal möglich ist. Der Rassismus gegen die einheimischen Papuas bewirkt zudem, dass die von ihrem Land Vertriebenen kaum je Arbeit auf den Plantagen finden.

Das eigentliche Problem ist aber die gewaltige Grösse der Monokulturen.

Die für die Umsetzung des Freihandelsabkommens vorgesehenen Labels für nachhaltiges Palmöl gewähren eine Amnestie für solche Landnahmen und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen, wenn sie vor 2005 geschehen sind.

Die Befürworter des Freihandelsabkommens argumentieren, dass die Nachhaltigkeitsstandards noch strenger werden können. Sie verschweigen aber, dass Indonesien alles dafür tut, sie zu untergraben. Vom indonesischen Parlament jüngst verabschiedete Gesetze reduzieren die nationalen Umwelt-, Arbeits- und Sozialstandards so radikal, dass Plantagen ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne Recht auf gewerkschaftliche Organisation der Angestellten betrieben werden können.

Das eigentliche Problem ist aber die gewaltige Grösse der Monokulturen. Diese lassen ganze Natur- und Kulturlandschaften verschwinden. Das wird auch in den strengsten Labels der Palmölindustrie gar nicht erst thematisiert.

Kleinbauern, die Palmöl in nachhaltigen Mischkulturen anbauen, können sich die teure Zertifizierung kaum leisten. Sie produzieren nicht unabhängig, sondern im Auftrag nahe gelegener Plantagen, die so ihre Mühlen besser auslasten können. Im Gegensatz zu den Plantagen besitzen die Bauern zudem ihr Land nur im Gewohnheitsrecht. Tun sie nicht, was die Plantagenbetreiber von ihnen verlangen, können sie von ihrem Land vertrieben werden.

Die riesigen Palmölplantagen in Indonesien sind nur ein Beispiel einer besorgniserregenden weltweiten Konzentration landwirtschaftlicher Flächen.

Die Palmölplantagen treten meist an die Stelle kleinbäuerlicher Kulturlandschaften im Regenwald. Dort hatten die Bauern zuvor neben Nahrungsmitteln für die Selbstversorgung auch wichtige Weltmarktprodukte wie Gummi, Kaffee, Kakao, Vanille und Zimt angebaut und begehrte Waldprodukte wie Rattan gesammelt. Den Ertrag investierten sie in die Ausbildung ihrer Kinder. Die Palmölindustrie verhindert, dass die Kleinbauern eigene unternehmerische Entscheide fällen und sich so entwickeln.

Die riesigen Palmölplantagen in Indonesien sind nur ein Beispiel einer besorgniserregenden weltweiten Konzentration landwirtschaftlicher Flächen im Besitz weniger Konzerne und Individuen. In Indonesien geht sie Hand in Hand mit dem Aufkommen einer Oligarchie. Diese macht die demokratischen Errungenschaften schrittweise wieder rückgängig, die sich das Land nach dem Sturz von Diktator Haji Mohamed Suharto erarbeitet hatte. Mit ehemaligen Generälen und heutigen Palmölmagnaten an Schlüsselpositionen in der Regierung ist Indonesien heute wieder ein autoritärer Staat geworden.

Mit dem Freihandelsabkommen, über das wir am 7. März abstimmen, würde die Schweiz den fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen und Landnahmen dieses Regimes in West-Papua Legitimität verschaffen. Zudem würde sie die völlig ungenügenden Nachhaltigkeitslabels der Palmölindustrie zum Standard erheben, denn sie erlauben ökologisch und sozial desaströse Mega-Plantagen.

33 Kommentare
    Thomaso Steiner

    Ein Nein verbessert nichts an den bestehenden Problemen. Auch wir importieren bereits jetzt aus Indonesien und Malaysia, im Fall von Indonesien passiert das indirekt über die EU (die nicht zuletzt wegen den idiotischen Biofuels Millionen Tonnen Palmöl importiert), hauptsächlich aus NL und DE, auch aus Spanien..