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Porträt von Marisa TomeiMamma mia

Die oscarprämierte Schauspielerin Marisa Tomei überzeugt in «The King of Staten Island», der neuen Komödie von Judd Apatow.

Margie (Marisa Tomei) tröstet ihren Sohn Scott (Pete Davidson).
Margie (Marisa Tomei) tröstet ihren Sohn Scott (Pete Davidson).

«Hollywood hat beschlossen, dass ich alt bin», sagt Marisa Tomei, «ich spiele nur noch Mütter und Tanten. » Sie meint das halb ironisch, halb kämpferisch. Aber tatsächlich: Eine Tante – Tante May – ist die 55-Jährige in den aktuellen «Spider Man»-Filmen. Und in «The King of Staten Island» ist sie die Mutter eines schwer zähmbaren Sohnes.

Dieser junge Mann namens Scott steht im Mittelpunkt der neuen Komödie von Judd Apatow («Knocked Up»). Gespielt wird er vom 26-jährigen Komödianten Pete Davidson, der in den letzten Jahren in der TV-Show «Saturday Night Live» und als Stand-up-Comedian durchstartete, unter anderem, indem er offen über das Trauma seines Lebens sprach: Sein Vater, ein Feuerwehrmann, war bei den Anschlägen vom 11. September 2001 ums Leben gekommen. Die Jugend bei der Mama war schwierig – und der Film ist eine Interpretation dieser Lebensgeschichte.

Davidson ist fulminant in seiner eigenen Rolle. Aber damit das funktioniert, braucht er einen ebenso starken Gegenpart. Marisa Tomei ist die ideale Besetzung dafür: Als Mutter ist sie streng, stark, schwach, launisch – ebenso behände beim Zeigen unterschiedlichster Gefühle wie er. «Es war ein Vergnügen, mit Pete zu arbeiten, er macht intuitiv alles richtig», sagt die erfahrene Schauspielerin. Und: «Ich konnte mich problemlos in ihn versetzen. Er erinnerte mich an meine jungen Jahre.»

Marisa Tomeis Karriere hatte mit einem Paukenschlag begonnen. In einer ihrer ersten Rollen gewann sie 1993 völlig unerwartet den Nebendarstellerinnen- Oscar für «My Cousin Vinny». Dies gab sofort Neider; das sei die unverdienteste Auszeichnung in der Geschichte dieses Preises gewesen, wurde kolportiert. Erstens ist das Blödsinn, dafür muss man sich den alten Film nur noch einmal anschauen. Und zweitens hat Marisa Tomei in Dramen wie «In the Bedroom» (2001) oder «The Wrestler» (2008) immer wieder bewiesen, was für eine hervorragende Schauspielerin sie ist.

«Wirklich, das mit meinem Oscar ist schon 27 Jahre her? Ich muss tatsächlich alt sein», ruft Marisa Tomei jetzt aus. Und spielt bei diesem über das Video-Konferenz-System Zoom geführten Interview die Entrüstete. Um dann gleich die Stimmung zu wechseln: «Ich kämpfe jeden Tag dafür, dass Hollywood Leute wie mich nicht zwangspensionieren kann.» Der fulminante Auftritt in «The King of Staten Island» ist das beste Mittel dafür.

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