Wie geht «hochstehende Theaterversorgung»?

Das Theater Kanton Bern will als neu aufgestelltes Wandertheater Stadt und Land erobern – mit kleinen Schritten.Die erste Premiere, «Am Horizont», war vielversprechend.

Der demente Opa (Daniel Rothenbühler) kann seine Vergesslichkeit nicht fassen. Foto: PD

Der demente Opa (Daniel Rothenbühler) kann seine Vergesslichkeit nicht fassen. Foto: PD

Michael Feller@mikefelloni

Das Wasser ist sein Element. Schüler Janek (Bernhard Schneider) zieht seine Runden, schwimmt und schwimmt, mit dem grossen Ziel: dem Wettschwimmen. Sein Opa (Daniel Rothenbühler) ist der Coach.Der Olypiaschwimmer von einst glaubt an ihn. Doch bald wird klar: Opa ist krank. Alzheimer.

Er zieht bei Janek und dessen Mutter ein. Während sich Janek indie neue Mitschülerin Anna (Fabienne Trüssel) verliebt, steht es immer schlechter um Opas Gesundheit. Erst wiederholt er, was er eben gesagt hat, dann liest er die Zeitung von gestern undverliert die Dinge und Wörter. Schliesslich erkennt er seinen Enkel nicht mehr.

Neustart einer Idee

Die Premiere des Stücks «Am Horizont» von Petra Wüllenweber, die Schweizer Erstaufführung, inszeniert von Antonia Brix, findet im kleinen Berner Kellertheater Visavis statt. Sie soll ein Neustart sein einer Theaterinstitution, die zu verschwinden drohte: der Neustart des Theaters Kanton Bern. Früher war das Tourneetheater um Schauspieler und Regisseur Hans Peter Incondi eine vom Kanton Bern massgeblich finanzierte Theatergruppe, dann löste sich die Trägerschaft auf.


Tristan Jäggi, Produktionsleiter Theater Kanton Bern. Foto: PD

Heute kümmert sich ein neuer Förderverein um den Weiterzug der Idee: professionelles Theater auf allerlei Bühnen im ganzen Kanton zu bringen – nicht nur in der Stadt, sondern insbesondere auch in den Subzentren und in den Dörfern. Nicht nur ins Theater, sondern auch in die Aula, die Mehrzweckhalle und das Kirchgemeindehaus. Produktionsleiter Tristan Jäggi nennt das Ziel «hochstehende Theaterversorgung».

Damit will er nicht die zahlreichen engagierten Laientheatergruppen schlecht machen. «Das Laientheater ist für die Theaterlandschaft ebenso wichtig wie das professionelle», sagt er. Mit dem Theater Kanton Bern will er mit einem Schauspielerstamm und wechselnden Regisseurinnen und Regisseuren zeitge­mässes Theater auf Tour schicken, das zugleich niemanden erschreckt und für Familien geeignet ist.

Er möchte mit den Theatergruppen und Kulturvereinen zusammenarbeiten und insbesondere die Schulen auf das Theaterangebot aufmerksam machen. Entsprechend ist auch die erste Produktion «Am Horizont» gewählt: ein Jugendstück und ein Generationenstück zugleich, das ein ernstes Thema mit Humor erzählt, ausgestattet mit einem Bühnenbild (Jimena Cugat), das «in einem Mobility-Lieferwagen Platz hat», wie Jäggi es sagt.

Anfang einer neuen Ära?

Die erste Premiere in Bern ist geglückt, da wird kompaktes, klug ausgearbeitetes Theater gezeigt, toll gespielt. Nun gut, in der Stadt ist die Theaterversorgung auch ohne das Theater Kanton Bern gewährleistet. Aber das soll ja nur der Anfang sein einer neuen Ära dieses Theaters für alle.

«Am Horizont»: bis Sonntag,3. November, im Kunst- undKulturhaus Visavis, Bern. www.theaterkantonbern.ch

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt