Plätschernde Banalitäten

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt das Stück «Bella Figura» der Erfolgs­autorin Yasmina Reza. Die banale Vorlage rund um eine verfahrene Affäre enttäuscht. Dar­über helfen auch die überzeugenden Darsteller nicht hinweg.

Pointierte Dialoge und scharfe Menschenbeobachtung verpackt in Komödien. Dafür steht Yasmina Reza, die mit Stücken wie «Kunst», «Dreimal Leben» oder «Der Gott des Gemetzels» zu den meistgespielten Gegenwartsautorinnen gehört. In Rezas Werken werden banale Konflikte regelrecht seziert und bis zur Eskalation getrieben.

Auch in «Bella Figura», das im Theater an der Effingerstrasse als Schweizer Erstaufführung gespielt wird, ist die Katastrophe bereits nach wenigen Sätzen unausweichlich. Vor einem schicken Restaurant streiten sich ein verheirateter Mann und seine Geliebte. Die Affäre dauert schon vier Jahre und ist eigentlich am Ende angelangt. Es geht nur um Sex – doch heute hat sich Boris (Christoph Kail) ausnahmsweise Zeit genommen, davor noch essen zu gehen. Als er erwähnt, dass ihm das Lokal von seiner Frau empfohlen wurde, fühlt sich Andrea (Sinikka Schubert) gedemütigt. Die gegenseitigen Vorwürfe und Beleidigungen beginnen zu fallen wie Dominosteine.

Unausgeklügelt

Die Situation spitzt sich zu: Als das Paar den Abend abbrechen will, fährt es eine ältere Dame (Heidi Maria Glössner) um. Diese will hier mit ihrem Sohn Eric (Helmut A. Häusler) und dessen Partnerin Françoise (Nicola Trub) Geburtstag feiern. Françoise – und das entfacht den Konflikt erst richtig – ist die beste Freundin der Ehefrau von Boris und entlarvt somit dessen Affäre.

So weit ist «Bella Figura», das 2015 als Auftragsarbeit für die Berliner Schaubühne realisiert wurde, also ein typischer Reza. Aber man hat den Eindruck: ein erstaunlich unausgeklügelter. Leben die anderen Stücke der Autorin von besonderen Clous, etwa dass sich in «Dreimal Leben» drei Versionen desselben Abends abspielen, verläuft die Eskalation in «Bella Figura» in zu geordneten Bahnen: Die Banalitäten plätschern so vor sich hin wie der Brunnen, der den Eingang des sterilen Restaurants schmückt (Bühnenbild Peter Aeschbacher). Das Quaken der Frösche ist so monoton wie die Sticheleien, welche die alle gleich egozentrischen Figuren von sich geben. Doch immerhin: Der bitterböse Witz à la Reza bricht immer wieder hervor.

Altersverrücktheit

Eine eindeutigere Interpretation der eher beliebigen Vorlage hätte der Inszenierung wohl gutgetan. Regisseur Alexander Kratzer hat sich dagegen entschieden und konzentriert sich ganz auf die kleinen inneren und äusseren Kämpfe der Figuren.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler machen ihren Job gut: Schubert präsentiert Andrea als ewige Geliebte, bei der Unzufriedenheit und niederschwellige Aggression immer deutlicher an die Oberfläche drängen. Kail verkörpert Boris als gescheiterten Durchschnittstyp, der so ernüchtert scheint, dass er gar nicht erst versucht, die verfahrene Situation zu retten.

Der Star der Inszenierung ist zweifellos Heidi Maria Glössner. Sie füllt ihre Rolle mit einer liebenswerten Altersverrücktheit. Die Szenen, in denen sie über ihre Medikamente, den Geburtstag oder die vermeintlich gestohlene Handtasche plappert, sind die kleinen Höhepunkte.

Und man glaubt es sofort, wenn sie sagt: «Was interessieren mich eure Geschichten?» Far bella figura, einen guten Eindruck machen, interessiert sie am allerwenigsten.

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