Malen ist sein Lebenselixier

Ab Samstag sind in der Galerie Rosengarten in Thun rund 60 Werke von Knud Jacobsen zu sehen. Es sei wohl seine letzte Einzelausstellung, sagt der bekannte Künstler. Arbeiten wird der 88-jährige aber weiterhin. Malen sei für ihn Lebenselixier.

Im Atelier: Knud Jacobsen vor einem seiner neuesten Bilder – einer Hommage an Vincent van Gogh. Es zeigt die Abtei St.-Paul-de-Mansole in St.Rémy, wo sich der holländische Kunstmaler einige Zeit aufhielt.

Im Atelier: Knud Jacobsen vor einem seiner neuesten Bilder – einer Hommage an Vincent van Gogh. Es zeigt die Abtei St.-Paul-de-Mansole in St.Rémy, wo sich der holländische Kunstmaler einige Zeit aufhielt.

(Bild: Sylvia Kälin)

Er habe in seinem künstlerischen Leben an nahezu einhundert Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen, sagt Knud Jacobsen. Die Ausstellung in der Galerie Rosengarten werde wohl seine letzte sein. «In meinem Alter sind solche Veranstaltungen ein Kraftakt», seufzt der 88-Jährige, während er in seinem Atelier an der Hofstettenstrasse den Abtransport der 60 Bilder vorbereitet.

Umgeben von Farben, Pinsel und Staffelei meint er zum Thema der Ausstellung: «Es ist eine Retrospektive meines 70 Jahre langen bildnerischen Schaffens.» Zu sehen sind Gemälde aus seinen jungen Jahren sowie Lithografien, Collagen und Aquarelle aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren. Ausgestellt werden ebenso Ölbilder aus neuerer Zeit. Es sind Erinnerungen an die Provence und das Baskenland, aber auch Landschaftsbilder aus Thun und dem Emmental.

Sie alle zeigen Jacobsens ausgezeichnete Beobachtungsgabe und sein Talent, die Details mit kräftigen Farben ins rechte Licht zu rücken. Gezeigt werden ebenfalls Porträts und Personengruppen. Auch zum Thema Flüchtlinge, das ihn derzeit ziemlich beschäftigt. «Da ich selbst erst als 20-Jähriger in die Schweiz eingebürgert wurde, kann ich diese Menschen verstehen», sagt der Künstler mit dänischen Wurzeln.

«In meinem  Alter sind solche Veranstaltungen ein Kraftakt.»Knud Jacobsen

Von Algier nach Thun

1928 in Algier geboren, kam Knud Jacobsen im Alter von fünf Jahren mit seiner Mutter in ihre Heimatstadt Thun. Weil er die hiesige Sprache anfangs nicht verstand, begann er zu zeichnen. Nach einer Töpferlehre besuchte Knud Jacobsen in Bern die einst bekannte Malschule Max von Mühlenen und absolvierte danach die Kunstgewerbeschule.

Jacobsen arbeitete als selbstständiger Grafiker, was nicht immer einfach war, wie er einräumt. Trotzdem: Seine kreative Vielseitigkeit brachten ihm die unterschiedlichsten Aufträge ein. So gestaltete der Vater einer Tochter und zweier Söhne nicht nur Holzschnitte und Grafiken aller Art, sondern ebenso Plakate, Broschüren und Gessler-Bilder für den Ausschiesset. Auch mit seiner Kunst am Bau machte sich Jacobsen einen Namen. Bekannt geworden sind vor allem die Wandmalerei im Bärensaal Dürrenast und die Reliefs an der Aussenwand des Alters- und Pflegeheims Sonnmatt und bei der Johanneskirche. Daneben befasste sich Knud Jacobsen mit der Malerei und stellte seine Bilder im In- und Ausland aus.

«Es war damals die erste Galerie überhaupt zwischen der Berner Nydeggbrücke und der Grimsel-Staumauer.»Knud Jacobsen

Auch das Kunstmuseum Thun präsentierte seine Werke regelmässig. «Ausserdem befand sich mein erstes Atelier im Nordturm des Thunerhofs», fügt Jacobsen hinzu. Später zog er in das frühere Atelierhaus an der Freienhofgasse 7. Die Gründung der Galerie Aarequai im Jahre 1958, zusammen mit sieben Kunstschaffenden, unter ihnen Paul Gmünder und Etienne Clare, war ein weiterer Meilenstein in seinem Leben. «Es war damals die erste Galerie überhaupt zwischen der Berner Nydeggbrücke und der Grimsel-Staumauer», schmunzelt Knud Jacobsen, den die Stadt Thun im Jahr 2012 mit dem Grossen Kulturpreis für sein Lebenswerk auszeichnete.

Bei relativ guter Gesundheit

Sein Humor und die Freude am Leben haben ihn durch sämtliche Höhen und Tiefen begleitet. Und die Gesundheit? Es gehe ihm relativ gut, erklärt der dreifache Grossvater. Einzig das Gehen bereite ihm Mühe. Dass er seiner Arbeit trotzdem nachgehen kann – und das will er, bis es nicht mehr geht –, dafür sorgt seine Lebensgefährtin Kathy Dietrich. «Sie ist seit 44 Jahren an meiner Seite», schwärmt Knud Jacobsen. Auf die Frage, was ihm die Ausstellung in der Galerie Rosengarten bedeutet, meint er abwägend: «Ich bin gespannt auf das Echo.»

Knud Jacobsenzeigt seine Werke in der Galerie Rosengarten, Bälliz 64, Thun. Die Ausstellung dauert bis zum 22. Oktober. Sie ist jeweils von Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet sowie am Samstag von 10 bis 16 Uhr. Vernissage ist am Samstag, 17 Uhr. Die Laudatio hält Dr. Peter Wyss aus Oberhofen. www.galerie-rosengarten.ch

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