Leihen statt kaufen

Lesefutter muss man nicht zwingend kaufen. Selbst dann nicht, wenn man auf einem E-Reader lesen möchte. Wo man digitale Bücher leihen kann? Natürlich in der Bibliothek.

Bibliothek im Taschenformat: Aktuelle Lesegeräte können direkt aufs grosse E-Book-Angebot von Bibliotheken zugreifen.

Bibliothek im Taschenformat: Aktuelle Lesegeräte können direkt aufs grosse E-Book-Angebot von Bibliotheken zugreifen.

(Bild: Fotolia)

Lesegeräte haben einige gewichtige Vorteile. Sie haben aber auch einen grossen Nachteil im Vergleich zum normalen Buch: Sie lassen sich wegen des Kopierschutzes oft nicht einfach mit anderen Leuten teilen. Muss man also jedes Buch kaufen, in dem man schmökern möchte?

Nein, denn es gibt eine Alternative zum Kauf: E-Books können geliehen werden. Genau wie Bücher auch: in der Bibliothek. Mittlerweile bieten rund 300 Bibliotheken in der Schweiz ihre Medien nicht nur physisch als Buch oder CD an, sondern auch in digitaler Form.

So haben beispielsweise Nutzer der Berner Kornhausbibliotheken derzeit Zugriff auf rund 15'000 digitale Bücher, Zeitungen, Magazine und Hörbücher. Jeden Monat leihen sich etwa tausend Nutzer rund 6000 digitale Medien aus, meist E-Books. «Das sind über 40 Prozent mehr als im Vorjahr», sagt Barbara Nabulon von den Kornhausbibliotheken.

Lesen bis genug – für 40 Franken

Wie die meisten anderen Bibliotheken arbeiten die Kornhausbibliotheken mit dem Unternehmen SBD-Bibliotheksservice zusammen, das die digitale Ausleihplattform «Onleihe» betreibt. Vor kurzem wurde das Angebot an englischsprachigen Medien durch eine Kooperation mit dem US-Anbieter Overdrive ausgebaut.

Die Kosten fürs Ausleihen sind im Vergleich zum Kauf gering. Wer bei den Kornhausbibliotheken das digitale Ausleihangebot nutzen möchte, zahlt zusätzlich zur normalen Jahresgebühr 30 Franken. Wer auf die physische Ausleihe verzichtet und nur digital ausleihen will, zahlt pro Jahr 40 Franken. Kaufen könnte man für diesen Betrag gerade mal zwei E-Books. Ähnlich handhaben es die meisten Bibliotheken in der Schweiz.

Mittlerweile bieten rund 300 Bibliotheken in der Schweiz ihre Medien nicht nur physisch als Buch oder CD an, sondern auch in digitaler Form.

Die Bücher und Hörbücher lassen sich sowohl mit dem Computer, dem Smartphone, dem Tablet oder dem E-Reader ausleihen – allerdings mit mehr oder weniger Aufwand. Wer am Computer lesen will, benötigt nebst dem Webbrowser die kostenlosen Programme Adobe Reader und Adobe Digital Editions, die für Windows und Mac OS erhältlich sind. Da die ausgeliehenen Medien einen Kopierschutz enthalten, benötigen die Nutzer Identifikationsnummern bei Adobe.

Per App oder mit dem Webbrowser

Bücher, Magazine und Hörbücher lassen sich für unterwegs auch auf mobilen Geräten ausleihen. Smartphone und Ta­blets benötigen dafür die kostenlose «Onleihe»-App für iOS oder Android aus ihrem App-Store beziehungsweise die App «Overdrive». Darüber wählen sie sich in ihre Bibliothek ein, suchen nach Medien und laden sie zum Lesen respektive Anhören aufs mobile Gerät herunter.

In die «Onleihe»-App für iOS ist der Reader für E-Books und E-Magazine integriert. Android-Nutzer hingegen benötigen zum Lesen derzeit zusätzlich die kostenlose App «Bluefire Reader». «Anfang nächsten Jahres wird dann aber auch für Android die ‹Onleihe›-App mit integriertem Reader zur Verfügung stehen», verspricht ­Kenny Jenkins von SBD.

Ab Februar erhalten sowohl die iOS- wie auch die Android-App noch eine ­weitere Verbesserung: Bislang war das Anhören von Audioinhalten nur per Streaming möglich, also über eine feste Internetleitung. «Mit der neuen App-Version lassen sich die Audiodateien aufs mobile Gerät herunterladen und offline anhören», so Jenkins. Das spart unterwegs Datenvolumen.

Bücher, Magazine und Hörbücher lassen sich für unterwegs auch auf mobilen Geräten ausleihen.

E-Books lassen sich zudem auf nahezu jedem E-Reader lesen. Geräte von Tolino, Pocketbook und Onyx rufen in ihrem integrierten Webbrowser die Website der digitalen Bibliothek auf und können sich von dort direkt Bücher auf den Reader herunterladen und anzeigen. Bei E-Book-Readern anderer Hersteller wie zum Beispiel von Kobo geht das nur per Umweg: die Medien werden auf dem PC ausgeliehen und heruntergeladen, anschliessend per USB-Verbindung auf den Reader kopiert. Das kann mitunter etwas umständlich sein.

Auch die Fire-Tablets von Amazon, die eigentlich ein geschlossenes System sind und nur bei Amazon gekaufte Kindle-Bücher anzeigen sollen, lassen sich fit für die Onlineausleihe machen. Da der App-Store von Amazon aber die «Onleihe»-App nicht auflistet, ist dazu Handarbeit nötig: Zuerst muss der normale App-Store von Android installiert werden, über den dann die «Onleihe»-App dann heruntergeladen werden kann.

Eine Stunde bis einen Monat

Je nach Medium und Bibliothek unterscheiden sich die Ausleihfristen sowie die maximale Zahl an gleichzeitig ausleihbaren Medien. Bei den Kornhausbibliotheken werden Zeitungen nur eine Stunde, Zeitschriften einen Tag lang verliehen, bei E-Books und Audios kann der Nutzer zwischen zwei und maximal 28 Tagen auswählen, wie Barbara Nabulon erklärt. Nach Ablauf der Leihfrist ist das Medium auf dem Reader nicht mehr les- oder hörbar und für den nächsten Interessenten verfügbar. Will man das Medium bereits vor Ende der Leihfrist zurückgeben, so ist das auch möglich.

Da die Bibliotheken nur eine begrenzte Zahl an Lizenzen eines Buches einkaufen, kann es gerade bei beliebten oder ­aktuellen Büchern zu Wartezeiten kommen, die bei einem Bestseller auch mal mehrere Wochen betragen können.

«Erkennen wir längere Wartezeiten für ein Buch, so kaufen wir zusätzliche Lizenzen nach, dadurch schrumpft die Wartezeit meist schnell zusammen», sagt Barbara Nabulon. Ständig schauen, ob ein Buch endlich verfügbar ist, müssen die Leser dabei nicht. Sie können die Titel vormerken lassen. Ist das Buch wieder erhältlich, werden sie per E-Mail informiert.

«Onleihe» wird unter anderen auch von den Bibliotheken Belp, Interlaken, Köniz, Langenthal, Langnau, Lyss, Schwar­zenburg, Spiez, Thun und Wohlen angeboten.

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