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«lch glaube nicht an Stil»

Der New Yorker Designer Karim Rashid (56), der demnächst ein Hotel in Bern gestalten wird, weilte diese Woche in Zürich. Bei einem Gespräch erzählte er, warum er Eckiges nicht mag und warum die Welt immer besser wird.

Helen Lagger
Karim Rashid: In selbst designter Jacke im Hotel Storchen in Zürich.
Karim Rashid: In selbst designter Jacke im Hotel Storchen in Zürich.
Lucian Hunziker
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Herr Rashid, wenn Sie in einen Raum wie hier im Hotel Storchen in Zürich reinkommen, schauen Sie dann sofort, ob das Design stimmt? Gefällt es Ihnen hier ?Karim Rashid:Nun, es gibt verschiedene Arten, Design zu betrachten. Viele Leute glauben, Design habe mit Stil zu tun. Ich glaube nicht so sehr an Stil. Es geht vielmehr um Gefühle. Es braucht zwei Seiten. Eine pragmatische, die sicherstellt, dass Design funktioniert. Und eine emotionale, die es uns erlaubt, eine Erfahrung zu machen. Ich glaube nicht, dass es fair wäre, diesen Raum zu kritisieren. (lacht) Aber ich glaube, Luxus ist heute etwas ganz anderes. Das Design hier folgt einem veralteten Luxuskonzept.

Wie definieren Sie denn Luxus?Luxus bedeutet heutzutage, Freizeit zu haben. Es geht nicht um Material, darum, teuren Stein zu verwenden (er trommelt mit den Fingern auf den Marmortisch vor sich). Es geht darum, eine gutes Erlebnis zu haben. Luxus bedeutet, das zu tun, was dich begeistert. Zeit mit deiner Familie zu verbringen, etwa. Luxus hat auch viel mit einem neuen Lebensstil zu tun. Ich denke an unsere globale Vernetzung, die Technologie, die uns zur Verfügung steht, grenzenlos und gratis.

Sie klingen sehr optimistisch . . .Ich wüsste nicht, warum jemand nicht optimistisch betreffend die neuen Technologien sein sollte. Ich denke aber, es gibt eine Ge­genreaktion darauf, dass wir uns heute alle so nahe sind. Es gibt neue Formen von Fanatikern, die uns spalten wollen.

Sind Sie als gebürtiger Ägypter beunruhigt darüber, was gerade mit Donald Trump in den USA abgeht?Ich weiss nicht. Alle rund um mich herum sind beunruhigt. Wirklich alle. Jeder ist total gestresst und deprimiert. Ich nicht. Ich weiss nicht, warum. Ob das mit meiner Kindheit zu tun hat oder genetisch bedingt ist. Aber ich sehe immer Gelegenheiten statt Grenzen. So blicke ich auf meine Projekte und auf die Welt. Unsere Zukunft wird immer ­besser.

Wussten Sie schon früh, dass Sie Designer werden wollen?O ja. Ich erinnere mich an ein einschneidendes Erlebnis. Ich war fünf Jahre alt, und wir waren in London. Mein Vater war ein Set-Designer bei der BBC. Er nahm mich mit, um Skizzen zu machen. Er liess mich eine mittelalterliche Kirche abzeichnen. Ich zeichnete die Kirche auf meine Art und Weise. Ich mochte die gotischen spitzen Fenster nicht. Ich zeichnete sie oval. Das war eine wichtige Erfahrung für mich, dass man Dinge ändern kann. Idealerweise gestaltet man mit Design eine bessere Welt.

Wie wichtig ist es, eine eigene Handschrift zu haben?Ich denke, jede Aufgabe ist anders. Ich bin zwar bekannt für den Einsatz der Farbe Pink oder or­ganisches Design. Aber wenn ich zum Beispiel für Prada eine Parfümflasche designe, muss ich dafür in die Welt und Kultur von Prada eintauchen. Es geht um Zusammenarbeit. Man darf nicht arrogant oder stur in seiner Vision sein. Ich bin sehr flexibel.

Können Sie mir etwas über das von Ihnen entwickelte Gestaltungskonzept «Blobism» erzählen?So hat alles angefangen. Ich hatte bereits als Kind diese Liebe zu weichen Formen. Ich mag abgerundete Dinge. Ich kann das nicht leiden. (klopft erneut auf den eckigen Marmortisch vor sich) Man muss mit seinen Beinen ausweichen, um sich nicht an den Kanten zu stossen. Ich mag es soft. Als ich in in den Achtzigerjahren Computer zu nutzen begann, konnte ich damit Flächen ganz anders als bisher modellieren. Die neue Technologie hat es viel einfacher gemacht, Organisches zu gestalten.

Sie benutzen lieber Gummi und Silikon als Stein . . .Stimmt. Gestern war ich im Fitnesszentrum. Den Boden, den sie dort haben, ist aus Gummi. Es war super. Ich wollte schon immer Badezimmer mit Gummiböden gestalten. Ein harter Marmor­boden im Bad ist entsetzlich. Ein Badezimmer muss weich sein. Sie sind dort schliesslich nackt und verletzlich.

Wie gestalten Sie Hotels?Ich mag Abstraktes und subtile Bezüge zum Ort. Bilder vom Eiffelturm in einem Hotel mit Blick auf den Eiffelturm aufzuhängen – gibt es etwas Banaleres? Das ist Dekoration, nicht Design. Jeder kann bei Google nach Teppichen und Tapeten suchen und damit einen Raum ausstatten. Als Designer denkt man anders. Es geht darum, eine emotionale und körperliche Erfahrung für Menschen möglich zu machen.

Sie waren bereits in Bern, um erstmals in Augenschein zu nehmen, wo das Prizeotel zu stehen kommt. Wie inspiriert Sie dieser Ort?Ich sah das Gebäude neulich zum ersten Mal. Ich kann noch nicht viel sagen. Jedes Projekt ist einzigartig. Was mich inspiriert, ist die Tatsache, dass hier die Post stand. Diese steht leer, weil heute digital kommuniziert wird. Ich mag ausserdem dieses Braun aus den Siebzigerjahren. Es erinnert mich an meine Kindheit in Toronto. Ich werde an diese Tonalität anknüpfen, aber auf sehr zeitgenössische Art und Weise.

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