Lauter Wortmüll

Von rezyklierten Floskeln, die sich im Gehirn einnisten.

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Ich sammle Sätze. Keine weisen, klugen, geistreichen. Es sind unsinnige, unlogische, häufig auch vollkommen dumme Sätze. Irgendwo aufgeschnappt und zu nichts nütze. Wobei «sammeln» eigentlich das falsche Wort ist. Ich tue das nicht aktiv. Korrekterweise müsste ich also sagen: Die Sätze sammeln sich an – ob ich will oder nicht.

Irgendwo in einem gottverlassenen Winkel meines Oberstübchens bleiben sie hängen, modern und müffeln vor sich hin. Un­tote, die nur darauf warten, irgendwann unversehens das Bewusstsein heimzusuchen. «Brexit heisst Brexit» ist etwa so ein Satz. Reiner Wortmüll.

Oder hat jemand eine Idee, was Brexit sonst heissen könnte? Dann bitte melden! Die britische Premierministerin Theresa May recycelt den Satz ja nur deswegen ständig, weil er überhaupt nichts bedeutet. Aber sie kanns noch toppen: «Brexit heisst Brexit, weil es genau das heisst», sagte May jüngst. Darin steckt eine schon fast erhabene Sinnlosigkeit.

Ein anderer Satz, den ich nicht loswerde, stammt aus dem Abstimmungskampf zum neuen Nachrichtendienstgesetz (NDG), das an diesem Wochenende an die Urne kommt: «Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.» NDG-Befürworter benutzen den Satz, als wäre er ein Argument für mehr staatliche Überwachung. Welch selten idiotischer Trugschluss!

Ich meine: Es gibt ja gute Gründe für ein NDG-Ja – aber das ist ganz bestimmt keiner davon. Nur weil ich nichts zu verbergen habe, darf der Staat doch nicht alles von mir wissen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Das Wesen meiner Privatsphäre ist es, dass ich verbergen darf, was ich nicht preisgeben will. So geht Freiheitsrecht.

Oder macht etwa die Tatsache, dass viele im Land nichts zu sagen haben, das Recht auf freie Meinungsäusserung überflüssig? (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.09.2016, 17:36 Uhr

Peter Meier schreibt die Kolumne «Greater Berne» abwechselnd mit den Redaktoren Maria Künzli, Fabian Sommer und Nina Kobelt.

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