«Jeder darf mal die Rampensau sein»

Tomazobi ist ein chaotisches Lustprojekt von vier Berner Musikern. Am Freitag erscheint ihr Livealbum «Los Gringos en directo».

Das Berner Lustprojekt Tomazobi über Erfolg, ihren Chef und Sprachtalente.
Claudia Salzmann@C_L_A

Die vier Männer von Tomazobi leben allesamt von der Musik. Nick Werren beispielsweise betreibt neben seinem Einsatz bei Tomazobi ein eigenes Label und hat dadurch mit unzähligen Bands zu tun. Maze Künzler hilft bei Seven oder Müslüm aus und hat ein neues Trio in petto. Obi Oberholzer spielt bei Troubas Kater und ebenfalls bei Müslüm. Früher machte er auch bei den Kummerbuben mit. Muso Stamm spielt fix bei der schweizerisch-tibetischen Rockband Porok Karpo sowie als freier ­Musiker.

Aus diesen Engagements würden sich kuriose Situationen ­ergeben: «Du nimmst fünf Lieder für fünf verschiedene Bands auf», sagt Oberholzer. Während er den bereichernden Mix betont, ­erwähnt Künzler die Ineffizienz: «Manchmal muss ich 15 Songs einspielen und spiele sie nur an zwei Konzerten.»

Frische Lieder

Zusammen sind sie Tomazobi, 1999 gegründet. Von Patent Ochsner bis Louis Prima – ­Tomazobi bedient sich an Songs von ­bekannten Bands und textet berndeutsche Versionen daraus. «Das Schöne dabei ist, dass wir uns nicht an einen Musikstil halten müssen. Bei ­anderen Projekten ist der Stil festgelegt», sagt Stamm. Beim letzten Album wagten sie sich ans fast heilige Lied «Bohemian Rhapsody» von Queen. Rechtliche Probleme bekommen sie keine, solange es eine satirische Version ist. Die Texte schreiben sie als Kollektiv.

In fast zwanzig Jahren entstanden sechs Alben und mancher Ohrwurm. Einige Lieder spielen ­Tomazobi eine Weile nicht: «Nicht, um sie dem Publikum vorzuenthalten, sondern damit sie für uns schön und frisch bleiben», sagt Stamm. Bei ihren Auftritten seien nur der ­Anfang und der Schluss fix, den Rest passen sie ans Publikum an, so Werren.

Am Freitag erscheint das neue ­Livealbum, das an Silvester im La Capella im Breitenrain aufgenommen wurde. «Wir spielten zwei Sets, was ideale Voraussetzungen waren. Nach einem konzentrierten ersten Set dachten wir, wir haben es im Kasten. Dann haben wir beim zweiten alles ­gegeben, und das ist nun auf der CD gelandet», sagt Obi. «Los Gringos en directo» ist ihr drittes Livealbum, aber eigentlich ihr erstes als richtige Band. «Am ­Anfang gab es nur Gitarren und Gesang, jetzt spielen wir deutlich mehr Instrumente», sagt Stamm.

Reiche zahlen mehr

Exklusiv für die BZ gaben Tomazobi ihr Lied Velo zum besten.

Nebst 700 öffentlichen Konzerten gaben sie ungefähr gleich ­viele Privatkonzerte, wenn auch nicht immer vollzählig. «Eigentlich reicht es, wenn ich alleine auftrete», witzelt Künzler, «aber aus ­optischen Gründen ist es besser, wenn die anderen auch kommen.» Alle lachen, Oberholzer ­ergänzt: «Ich gehe als Platzhalter, weil sonst am linken Bühnenrand etwas fehlt.» «Und ich nur, wenn es eine riesige Gage gibt», so Stamm. Apropos Preise: Diese legen sie für Privatkonzerte individuell fest. Je nach ­Wochentag und am liebsten nach der Einsicht einer Steuererklärung, denn Gutbetuchte zahlen mehr.

Zwar kennen viele Bernerinnen und Berner ­Tomazobi, aber den nationalen Durchbruch schafften sie nicht ganz. Bewusst, wie sie sagen. Spartenmässig ­seien sie zwischen Stuhl und Bank, und sie hätten nie auf Radiohits gezielt. «Tomazobi ist unser Ausgleichs- und Chaos­projekt, es muss spass- und lustorientiert bleiben», sagt Künzler. Ein ­Funken Chaos sei geblieben, was für sie so immer gepasst habe. Oberholzer fügt an: «Jeder darf mal die Rampensau sein, deshalb stehen wir in einer Reihe auf der Bühne.»

«Los Gringos en directo»: Releaseparty, Donnerstag ab 20 Uhr im Serge and ­Peppers, Rathausgasse 55, Bern. ­Offizielle Taufe am Freitag im El Lokal, Zürich. Ein Video finden Sie auf unserer Website.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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