Wenn ein Bubi zum Punk wird

Am Freitagabend wurde das zweite Album der Berner Band Bubi Eifach im Mokka getauft. Warum das Bubi Eifach-Prinzip live sogar noch besser funktioniert und wieso die Taufe nur in Thun stattfinden konnte.

  • loading indicator
Sibylle Hartmann@sibelhartmann

«Ich wollte unsere neue Scheibe eigentlich gar nicht taufen.» Lieber hätte er mit seinen Freunden in einer Garage auf das Album angestossen und wäre gar nicht erst aufgetreten, «um selber auch mitfeiern zu können», erzählt Bubi Rufener nach dem Auftritt.

Das Thuner Publikum im ausverkauften Mokka dankte es dem Sänger tanzend und mitsingend, dass er sich doch noch zu einer Plattentaufe hat hinreissen lassen. Der Grund dafür heisse einzig und alleine Pädu Anliker, so Rufener. «Er hat mich als Erster angefragt. Für ihn würde ich auch gratis spielen». Und sogar Mister Mokka, der sonst gerne mal vom Lichtpult aus munter in die Konzerte rein plappert, verschlug es beim Bubi Eifach-Konzert die Sprache.

«Fadegrad» mitten ins Herz

Das zweite Album der Berner Band in nicht einmal zwei Jahren wurde in den Medien ebenso hochgejubelt wie Album #1. Seit der Berner Sänger nach diversen musikalischen Projekten wie der Psychedelic-Rockband Bishop’s Daughter oder dem Trip-Hop-Projekt Boob so singt ,wie ihm der Schnabel gewachsen ist, scheint der 47-Jährigen endlich die Anerkennung zu bekommen, die seinem Können als Musiker entspricht. Das Bubi Eifach-Prinzip «Text schreiben, Song einmal proben und direkt live im Studio ohne Rücksicht auf schiefe Töne einspielen», funktioniert zweifelsohne auch auf Album #2.

Kommt Rufeners Punk-Attitüde durch die direkten und unverblümten Texte bereits ab Konserve deutlich rüber, trifft die Band um den Gitarristen Oli Hartung, den Bassisten Ere Gerber und den Züri-West-Schlagzeuger Gert Stäuble live «fadegrad» mitten ins Herz. Der quirlige Sänger mit der eng sitzenden Kravatte und dem stets zu hoch eingestelltem Mikrofonständer, der ihn auf Zehenspitzen tänzeln lässt, ist auch auf der Bühne um keine Emotion verlegen.

Im besten Club Europas

«Dieser Song kostet mich jedes Mal Überwindung», gibt er nach dem Herzschmerzsong mit dem simplen Namen «Härz» freimütig zu. Oder bezeichnet sich selber mit einem herrlich hämischen Grinsen als Arschloch, nachdem er einen schwatzenden Zuschauer massgeregelt hat. Und auch mit Ändu, der sich lautstark über die engen Platzverhältnisse im Publikum beschwert, hat er kein Erbarmen. «Ihr müsste nahe aufeinander sein, das riecht ein bisschen seltsam, aber das ist Rock’n’Roll.»

Und diesen zelebrierte der charismatische Sänger mit dem verschmitzten Lächeln in vollen Zügen am Freitagabend in Thun. Auf der knapp 10 Quadratmeter grossen Bühne zwischen Ufo Lampen aus den 90er Jahren, Plastikflamingos und stets etwas zu viel Trockeneis. Da wo sich Bubi wohl fühlt. Unweit vom Dorf Blumenstein, wo er ursprünglich her kommt und jeder zweite mit Nachnamen Rufener heisst.

Im besten Club Europas, wie er das Mokka nennt und wohl auch der einzige Club, der ihn für Album #3 zu einer Plattentaufe bewegen kann, das - wenn Bubi Eifach im selben zügigen Tempo weiter macht - schon in 20 Monaten erscheint.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt