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Nicht ohne schmutzigen Schmarrn

Mit Facebook-Posts zum Bachmann-Preis: Autorin Stefanie Sargnagel ist das grösste Lästermaul Wiens. Am Sonntag liest sie im Tojo.

Wiens Lästermaul Nummer 1: Stefanie Sarg­nagel.
Wiens Lästermaul Nummer 1: Stefanie Sarg­nagel.
Keystone

«Ob der Reichenfrauenarzt an der Beschaffenheit meiner Scheide erkennt, dass ich eigentlich 1 Prolo bin?» Der Facebook-Post vom 9. Februar ist nichts Aussergewöhnliches im Schaffen der Bachmann-Preis-Trägerin Ste­fanie Sargnagel. Nicht nur, aber auch: Unflätige Sätze, in sozialen Medien veröffentlicht, haben der 31-jährigen Wienerin Ruhm und Ehre gebracht. Als erstes Lästermaul sticht sie heraus aus Wien. Und das muss was heissen in der Hauptstadt des Schmähs.

Die Frau, die jahrein, jahraus unter einer roten Baskenmütze steckt, hat bisher drei Bücher veröffentlicht. Ein Callcenter-Job inspirierte sie zu «Binge Living: Callcenter-Monologe» (2013) und zu einer im Folgejahr erschienenen Fortsetzung. Nachdem sie 2015 in «Fitness» ihre gesammelten Facebook-Posts herausgab, ging ihre Karriere durch die Decke.

Das bedeutete Lesungen im ganzen deutschsprachigen Raum – und Lorbeeren: Letztes Jahr gewann sie den Bachmann-Publikumspreis. Damit verbunden: Sie «amtet» ein halbes Jahr lang als «Klagenfurter Stadtschreiberin». Eben hat sie die zur Verfügung gestellte Zweitwohnung in der Kärntner Hauptstadt bezogen, wo sie vor allem im «urschnellen Internet» surft, wie sie auf Facebook schreibt.

Hoden reiben in Bayreuth

Aus nichts viel machen: So wirken auch ihre Texte, die sie fürs Onlinemagazin «Vice» schreibt, etwa über ihren Besuch beim FPÖ-Oktoberfest, wo sie letztlich von Sicherheitsleuten rausgeworfen wurde. Doch das ist Koketterie. Ihre Texte zwischen Reportage und abstruser Fiktion sind Meisterwerke. Die Zeitung «Die Zeit» schickte sie letztes Jahr auf Reportage nach Bayreuth an die Richard-Wagner-Festspiele.

Sie schrieb Sätze wie: «Martin wird immer nervöser, deshalb streichle ich ihm im Aufzug die Hoden durch die Hose. Ich weiss, dass auch das ihn beruhigt. Das japanische Ehepaar, das mit uns mitfährt, schaut uns verstört an. Ich lächle beschwichtigend: ‹German tradition.›»

Ohne schmutzigen Schmarrn gehts nicht bei Sargnagel. Wer das mag, liebt sie.

Lesung: Sonntag, 19. Februar, 19 Uhr, Tojo-Theater, Bern.

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