Die Fürsten und die Liebe zu Amor

Heute wird die Ausstellung «Liechtenstein. Die Fürstlichen Sammlungen» im Kunstmuseum Bern eröffnet. Eine Schau der Superlative mit Gemälden von Altmeistern wie Rembrandt und Rubens.

Zwiespältige Lieblichkeit: «Amor mit Seifenblase» (1634), Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606– 1669).

Zwiespältige Lieblichkeit: «Amor mit Seifenblase» (1634), Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606– 1669).

(Bild: ZPK)

Helen Lagger@FuxHelen

Es ist ein liebliches Bild: Ein kindlicher, draller Amor bläst Seifenblasen – man erkennt den Liebesgott an seinen Flügeln und einem Köcher mit Pfeilen. Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606–1669) thematisiert in diesem Bild das Verhältnis zwischen Vergänglichkeit und Liebe. Die Seifenblase ist im Barock ein beliebtes Vanitas-Symbol, das für die Nichtigkeit des irdischen Daseins steht: Sie schillert verführerisch, spiegelt die Welt und ist zum baldigen Platzen verurteilt. Wie die Liebe?

Amor zumindest scheint genau darüber zu sinnieren, indem er träumerisch aus dem Bild blickt.Rembrandts Amor ist eines von vielen altmeisterlichen Prunkstücken im Kunstmuseum Bern in der Ausstellung «Liechtenstein. Die Fürstlichen Sammlungen», die heute mit grossem Pomp eröffnet wird. Die Schau steht unter anderem unter dem Patronat von Bundesrat Alain Berset und jenem des Erbprinzen Alois von und zu Liechtenstein.

Mehr als als 200 Exponate geben Einblick in die fürstliche Schatzkammer: Gemälde, Tapisserien, Skulpturen und sogar Ritterrüstungen ergeben ein märchenhaftes Ganzes. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert sammeln die Liechtensteiner Fürsten konsequent Kunst von der Spätgotik bis zur Biedermeierzeit.

Barockes Palais

«Zeigen, was es bei uns nicht gibt» lautet das Motto des Kunstmuseums Bern. Tatsächlich gibt es in der Schweiz keine vergleichbare dynastische Sammlung. Direktorin Nina Zimmer sagt, sie hätten den Atelier-5-Bau des Kunstmuseums in ein barockes Palais umgestaltet. Das Ergebnis ist beeindruckend. Es lässt sich regelrecht schwelgen in dieser Opulenz. Insgesamt achtzehn Themenräume haben die Kuratoren Regula Berger und Rainer Lawicki inszeniert.

Das Spektrum reicht von der «Fürstlichen Selbstdarstellung» bis zum Fokus «Jagd und Tiere». Zu sehen gibt es viel Hochkarätiges wie etwa das «Porträt der Fürstin Karoline von Liechtenstein» (1793) von Elisabeth Vigée-Lebrun, «Die Beweinung Christi» (um 1612) von Peter Paul Rubens oder Pieter Breughels geniales Wimmelbild «Die Volkszählung in Beth­lehem» (1607).

In der «Wunderkammer» gibt es auch Skurriles zu entdecken: Etwa einen Trinkautomaten in Form eines Hirsches. Diesen konnte man aufziehen und klappernd über die reich gedeckte Tafel fahren lassen. Jener Gast, bei dem der Hirsch zu stehen kam, durfte den Kopf abschrauben und den Alkohol im Hohlraum des Tieres trinken. Ein Zeugnis barocker Lebenslust, das ahnen lässt, wie vergangene Fürsten zu feiern wussten.

Eröffnung: Freitag, 18:30 bis 21 Uhr im Kunstmuseum, Bern.Ausstellung: Bis zum 19. 3.

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