Mario Venzago, ganz privat

In einer Dokumentation auf 3sat spricht der Dirigent des Berner Symphonieorchesters über seine musikalischen Anfänge, Religion und die gewachsene Liebe zu Bern.

Zeigt sich im Dokumentarfilm von einer neuen Seite: Mario Venzago.

Zeigt sich im Dokumentarfilm von einer neuen Seite: Mario Venzago.

(Bild: Beat Mathys)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Wenn einer mit schlohweissem Haar und knallrotem Halstuch mit dem Velo durch die Berner Innenstadt kurvt, kann es nur Mario Venzago sein. Der Dirigent des Berner Symphonieorchesters gehört zur Stadt. Dabei hat er einst gezweifelt, ob er die USA wirklich verlassen soll. «Ich dachte, Bern würde ein Abstieg werden», erinnert sich Mario Venzago an diese Zeit vor zehn Jahren zurück.

Es ist ein ehrliches Geständnis in einem sehr persönlichen Dokumentarfilm. «Kunst hoch 2» ist ein Doppelporträt der Zürcher Brüder Mario und Alberto Venzago. Mit dem Film startet 3sat eine Serie, die Künstlerduos porträtiert, die eng miteinander verbunden sind. Marios Bruder Alberto Venzago ist Fotograf, Filmer und Künstler in Zürich, fast immer arbeitet er in Schwarzweiss. Während er in den Siebziger- und Achtzigerjahren mit aufsehenerregender Fotoberichterstattung aus aller Welt auf sich aufmerksam machte – er begleitete unter anderem die japanische Mafia oder Kinderprostituierte in Thailand –, macht er heute nur noch Fiktion, fotografiert seine Partnerin in aufsehenerregenden Posen, zum Beispiel nackt am Kreuz wie Jesus.

Die Religion war für die beiden Brüder prägend. «Wir sind im Katholizismus getränkt worden, mehr geht nicht, ertränken wäre der nächste Schritt ge­wesen», sagt Mario Venzago. Es ging so weit, dass die beiden in der Freizeit «Priester und Ministrant» spielten – wenn sie nicht gerade mit ihrem Vater im musikalischen Trio auftraten. Der Vater, ein italienischstämmiger Architekt, ein Frauenheld, ein Schönling, und die beiden Buben, die in ausverkauften Sälen spielten. «Das Publikum war über 70 und weiblich», erinnert sich Alberto Venzago, es sei vorgekommen, dass die Zuschauerinnen während des Konzerts zu weinen angefangen hätten. «Ich musste mich umdrehen, weil ich lachen musste», sagt Alberto Venzago.

Es sind solche sehr persönlichen Momente, die den Film stark machen. Die beiden Protagonisten fassbar machen. Und natürlich spricht Mario Venzago auch ausführlich von seiner Liebe zur Musik. Und seiner Liebe zur Schweiz und Bern: «Man muss zurückkommen, um zu schätzen,was es hier alles Tolles gibt.»

«Kunst hoch 2»: Samstag, 2.11., 21.50 Uhr, 3sat.

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