Berner TV-Auswanderer haben ­wieder das Reissen

Vor fünf Jahren wanderten Tobias Bayer und Michael Paris nach Fuerte­ventura aus. Das Paar scheiterte und kehrte in die Schweiz zurück. Jetzt versuchen es die beiden nochmals. Die TV-Sendung «Auf und davon» ­begleitet sie dabei.

«Jetzt oder nie.» Das Berner Paar Tobias Bayer und Michael Paris wandert bereits zum zweiten Mal nach Fuerteventura aus.

«Jetzt oder nie.» Das Berner Paar Tobias Bayer und Michael Paris wandert bereits zum zweiten Mal nach Fuerteventura aus.

(Bild: SRF)

Christoph Albrecht

Schwarzer Anzug. Lila Krawatte. Gelbe Leuchtweste. Tobias Bayer steht am Gate des Flughafens Bern-Belp und nimmt die Tickets der Passagiere entgegen. Es ist sein letzter Arbeitstag. Auf der Startpiste im Hintergrund steht eine Maschine zum Abflug bereit. «Zusammen mit seinem Lebensgefährten möchte Tobias endlich abheben», tönt es aus dem Off.

Die Szene stammt aus der ersten Folge der neuen «Auf und ­davon»-Staffel des Schweizer Fernsehens. Ab dem 6. Januar wird man in der Dokusoap wieder Schweizerinnen und Schweizern beim Auswandern zuschauen können. Diesmal einer jungen Familie aus dem Zürcher Weinland, die in Kanada ein Holzfällerunternehmen aufbauen will. Einem Basler Ehepaar, das seine Zukunft als Gästehausbetreiber auf der indonesischen Insel Bali sieht. Und eben Flughafenmitarbeiter Tobias Bayer aus Rubigen, den es zusammen mit seinem Partner Michael Paris nach Fuerteventura zieht.

Mit dem Auto auf die Insel

«Seien wir ehrlich», sagt Tobias Bayer, «der Alltag in der Schweiz ist schwierig.» Klar habe man hier im Prinzip alles. Aber wenn man einfach nur arbeiten gehe und am Wochenende die Wohnung putze, dann fehle einem doch irgendwie eine Aufgabe. Auch an seinem letzten Arbeitstag auf dem Flughafen kommt beim 46-Jährigen deshalb kaum Wehmut auf. Im Gegenteil: «Ich habe so richtig das Reissen.»

«Ich habe so richtig das Reissen.»Tobias Bayer

Nicht etwa mit dem Flugzeug, wie es sein beruflicher Hintergrund hätte erwarten lassen, sondern im alten Renault Clio und per Fähre nehmen der Berner und sein ungarischer Freund schliesslich die 3500 Kilometer lange Reise in den Süden in Angriff.

Im Gepäck: ein paar Kleidungsstücke, eine Kaffeemaschine – und einen abgeschlossenen Pachtvertrag für ein Lokal im Touristenort Corralejo. Dort, an der Nordspitze der zweitgrössten kanarischen Insel, wollen sich die beiden ihren Traum erfüllen: eine kleine Bar mit integriertem Souvenirshop. Nebst dem Konzept steht auch der Name des Lokals bereits fest: «Stars Fuerteventura».

Schon einmal im TV

Unter einem allzu guten Stern steht ihr Vorhaben allerdings nicht. Gerade einmal 30'000 Franken stehen ihnen für das Abenteuer zur Verfügung. Zum bescheidenen Budget kommt zudem eine schlechte Erfahrung: Vor fünf Jahren wanderten Tobias Bayer und Michael Paris bereits einmal ins Städtchen am Atlantik aus. Damals war der Plan, vor Ort ein Spa-Hostel zu eröffnen.

Ohne Job, ohne Wohnung und ohne Spanischkenntnisse fuhren sie auf die Insel und mussten bald einmal feststellen, dass vieles schwieriger war als gedacht. Aus der Hostel-Idee wurde nichts, die beiden kehrten wieder in die Schweiz zurück.

Ihren Optimismus lassen sich die beiden wegen des Rückschlags nicht nehmen.

Beim gescheiterten Projekt liess sich das Paar damals schon von Fernsehkameras begleiten, seinerzeit für die Auswandererdoku «Adieu Heimat» des Privatsenders 3+. Rückblickend sei das dazumal mitten in der Wirtschaftskrise einfach ein schlechter Zeitpunkt dafür gewesen, in Spanien ein eigenes Geschäft aufzubauen, sagt Michael Paris. Deshalb wolle man es nochmals versuchen. «Jetzt oder nie.»

Neuer Versuch, neue Probleme

Ihren Optimismus lassen sich die beiden wegen des Rückschlags nicht nehmen. Was dem Paar auch nicht vorzuwerfen ist, haben sich doch die Dinge in Spanien inzwischen wieder etwas normalisiert. Trotzdem – so viel sei verraten – läuft bei Tobias Bayer und Michael Paris auch bei ihrem zweiten Auswanderungsversuch längst nicht alles nach Plan.

Die Wohnungssuche gestaltet sich harzig, der Ausbau der Bar verzögert sich, und das Geld wird knapp. Und so sitzt das Paar in der zweiten Folge auf dem Balkon der Ferienwohnung und diskutiert, ob es den Preis für den Umbau vielleicht doch noch etwas herunterdrücken könnte.

Später am Strand sind die Geldsorgen dann wieder weit weg. Mit leicht verbranntem Gesicht, aber happy sitzen sie hoch oben auf der Felsenklippe und schauen über die Küste hinweg auf das Meer. Alles scheint gut. Nur die Stimme aus dem Off warnt: «Das Glück könnte perfekt sein, wenn sich die beiden nur nicht mit der Bar verkalkulieren.»

«Auf und davon – Die Auswanderer ein Jahr danach»: Sonntag, 1. Januar 2017, 20.05 Uhr, SRF 1.
«Auf und davon» – neue Staffel: ab Freitag, 6. Januar 2017, 21 Uhr, SRF 1

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