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Hilferuf der Tochter des EmirsLondon fordert Lebenszeichen von Scheicha Latifa

Nachdem die Prinzessin in einem Video gesagt hat, dass sie von ihrem Vater festgehalten werde, schaltet sich nun der britische Aussenminister Dominic Raab ein.

Diese Archivaufnahme vom Dezember 2018 zeigt Sheikha Latifa beim Essen mit Mary Robinson, der ehemaligen irischen Präsidentin, in Dubai.
Diese Archivaufnahme vom Dezember 2018 zeigt Sheikha Latifa beim Essen mit Mary Robinson, der ehemaligen irischen Präsidentin, in Dubai.
Foto: AFP

Nach der Veröffentlichung von heimlich auf Video aufgenommenen Hilferufen der Tochter des Emirs von Dubai hat der britische Aussenminister Dominic Raab ein Lebenszeichen von ihr gefordert. Die von dem britischen Rundfunksender BBC veröffentlichten Videos seien «erschütternd», sagte Raab am Mittwoch dem Sender Sky News. Er fügte hinzu, es sei nur menschlich, dass die Leute nun wissen wollten, ob Scheicha Latifa «lebt und es ihr gut geht».

In den mit einem Handy aufgenommenen Videobotschaften hatte die 35-Jährige ihrem Vater Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum vorgeworfen, sie werde seit ihrer gescheiterten Flucht vor knapp drei Jahren in einer zu einem Gefängnis umfunktionierten Villa in Dubai als «Geisel» festgehalten.

Sie lebe unter ständiger Bewachung, und die Polizei habe ihr gesagt, dass sie «niemals wieder die Sonne sehen» werde. Sie fürchte um ihr Leben. In einer anderen Botschaft sagte sie, ihre Lage werde jeden Tag «verzweifelter».

In einem Video, das sie heimlich auf einer Toilette aufnahm, sagt Prinzessin Latifa, dass sie gefangen gehalten werde.
Video: BBC

Nach BBC-Angaben nahm Scheicha Latifa die Videos etwa ein Jahr nach ihrer erzwungenen Rückkehr nach Dubai auf. Darin berichtete sie auch, wie sie 2018 während ihrer Flucht auf einer Yacht von einem Kommando aus den Vereinigten Arabischen Emiraten überwältigt und ruhiggestellt worden sei und erst wieder in Dubai das Bewusstsein erlangt habe.

Die Videos erhielt BBC nach eigenen Angaben von engen Freunden der Prinzessin, die nach eigenen Angaben in Sorge waren, weil sie seit längerem ohne Nachricht von Scheicha Latfia waren.

Die Regierung von Dubai hatte im April 2018 knapp erklärt, dass Scheicha Latifa zu ihrer Familie «zurückgebracht» worden sei und es ihr gut gehe. Seit ihrer Flucht wurde sie nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen; die Regierung der Emirate veröffentlichte lediglich Monate später Fotos von ihr und versicherte, sie erhalte alle «notwendige Fürsorge und Unterstützung».

Britisches Gerichtsurteil wegen Entführung

Nach der Ausstrahlung der Videos kündigte das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte an, mit den Emiraten über das Schicksal von Scheicha Latifa zu sprechen – der Stadtstaat Dubai ist Teil der Vereinigten Arabischen Emirate und Scheich Mohammed deren Vize-Präsident und Regierungschef. Der britische Aussenminister Raab begrüsste die Ankündigung. Seine Regierung werde die Massnahmen der UNO «genau verfolgen».

Ein britisches Gericht hatte den Emir von Dubai bereits im März 2020 für die Entführung Latifas und einer weiteren Tochter, Scheicha Schamsa, verantwortlich gemacht. Gleichzeitig befand es Scheich Mohammed der Einschüchterung seiner sechsten Frau, Prinzessin Haja Bint al-Hussein, für schuldig. Diese hatte im Sommer 2019 international für Aufsehen gesorgt, als sie mit ihren acht und zwölf Jahre alten Kindern nach Grossbritannien flüchtete. Der Emir wies alle Vorwürfe zurück.

Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum wurde im März 2020 von einem britischen Gericht für die Entführung Latifas und wegen Einschüchterung seiner Frau verantwortlich gemacht. (Achrivbild)
Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum wurde im März 2020 von einem britischen Gericht für die Entführung Latifas und wegen Einschüchterung seiner Frau verantwortlich gemacht. (Achrivbild)
Foto: Fares Ghaith (Keystone)

AFP/oli

5 Kommentare
    Heinz Kopp

    Solange die Leute aus Westeuropa noch in Dubai oder anderen Diktaturen Ferien machen und die Politiker den Scheichen in den Allerwertesten kriechen, passiert natürlich nichts.