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Berndeutsch für Fortgeschrittene 12«Löi»

Unsere Kolumnistin übt sich in den feinen Nuancen – und scheitert.

Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
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Kennen Sie das: Im Kopf hat man alles schön gebüschelt, doch wenn man den Mund aufmacht, kommt es falsch heraus? Beim Berndeutsch-Reden verhasple ich mich leider oft genau dann, wenn ich mir besonders Mühe geben will.

In letzter Zeit geschieht das oft in Zusammenhang mit einem Gspändli meines Sohnes. Der Junge heisst Loi. In meinem Thurgauer Dialekt klingt sein Name praktisch gleich wie «Leu», also Löwe.

Sie denken jetzt wohl: Wo ist das Problem? Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Wörter im gleichen Satz vorkommen, ist doch verschwindend klein. Theoretisch haben Sie natürlich recht.

Praktisch haben wir aber kürzlich einen Kindergeburtstag gefeiert, in dem ein selbst gebasteltes Löwenmaul eine prominente Rolle spielte. Sie können sich die Gaudi vorstellen, wenn ich fragte: «Loi, willst du es mal beim Leu versuchen?»

Seither wappne ich mich jedes Mal, bevor vom Tier oder dem Buben die Rede ist. In meinem Kopf lege ich mir die Vokale schön zurecht und wiederhole mantramässig: «Löi ist Löwe, Loi ist der Bub.» Erst danach mache ich den Mund auf.

Nach einer solch intensiven Vorbereitung fragte ich meinen Sohn heute Morgen: «Willst du eigentlich wieder mal mit dem Leu abmachen?» Das war natürlich inhaltlich falsch. Aber es klang richtig!

Die Kolumne ist Ende 2018 in dieser Zeitung erschienen. Wir veröffentlichen sie hier zum Nachlesen.