Zum Hauptinhalt springen

Nicole Loeb zur Corona-Krise«Loeb verkauft nun im Parterre Esswaren»

Für Loeb-Chefin Nicole Loeb ist die Schliessung des Warenhauses ein Schock. Ab sofort werden im Parterre des Stammhauses in Bern Lebensmittel verkauft.

Wo Loeb bislang Parfum und Uhren verkauft hat, sollen demnächst Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs in den Regalen stehen.
Wo Loeb bislang Parfum und Uhren verkauft hat, sollen demnächst Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs in den Regalen stehen.
Foto: Christian Pfander

Nicole Loeb, was hat der Entscheid des Bundesrats vom Montag emotional mit Ihnen gemacht?

Leider haben wir den Entscheid so erwartet und waren dementsprechend vorbereitet, soweit dies in so einer Situation überhaupt möglich ist. Der Entscheid des Bundesrates ist absolut richtig. Und doch war es für uns alle ein Schock.

Wie viele Mitarbeiter können nun nicht mehr arbeiten?

Wir haben über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die betroffen sind.

Schilder bei Ihrem Warenhaus deuten darauf hin, dass Sie im Parterre etwas planen.

Wir werden dort nun Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs anbieten, für Mensch und Tier. Auch unsere Papeterie darf geöffnet werden – alles gemäss der Verordnung des Bundesrates. Wir möchten der Berner Bevölkerung so noch eine zusätzliche Möglichkeit zum Bedarfseinkaufen geben. Der Eingang an der Spitalgasse wird geöffnet sein.

Baut Loeb jetzt auch den Onlineshop weiter aus?

Wir bauen alle Kanäle aus, über die wir die Kunden noch erreichen können. Ab sofort haben wir den Onlineshop mit Artikeln für den täglichen Bedarf ergänzt. Wir möchten aber natürlich auch unsere Stammkunden bedienen können. Diesbezüglich haben wir unseren Telefon-Bestelldienst ausgebaut und bieten eine Bestellmöglichkeit über Whatsapp und Facetime, den Chatdienst von Apple, an.

Bestellen die Kunden jetzt vermehrt per Telefon?

Ja, die Zahl der telefonischen Bestellungen hat deutlich zugenommen. Die Kunden schätzen diese Dienstleistung sehr. Wir liefern auch Lebensmittel nach Hause.

Wie wollen Sie Bestellungen auf den neuen Kanälen attraktiver machen?

Die Lieferung ist bei Bestellungen für das gesamte Loeb-Sortiment bis vorläufig Ende April kostenlos.

Was ist jetzt Ihre oberste Priorität?

Die Dimension dieser Krise, die noch bei weitem nicht überstanden ist, trifft uns zuerst einmal alle stark. Auch unsere Kunden. Wenn wir ihnen mit unseren Massnahmen auch nur ein kleines bisschen durch den Alltag helfen können, haben wir schon ein kleines Ziel erreicht. Krisen fordern Flexibilität, Kreativität und Zusammenhalt.

Hat die Loeb-Gruppe bereits Kurzarbeit beantragt?

Ja, wir haben Kurzarbeit angemeldet.

Muss Loeb Angestellte entlassen

Unsere Mitarbeiter haben allerhöchste Priorität, und wir setzen alles daran, dies zu vermeiden. Die Kurzarbeit ist ein wichtiges Instrument dazu.

Was erwarten Sie von Bund und Kanton?

Die KMU sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Es darf nicht zugewartet werden, bis diese kaputtgehen. Es wäre sonst, wie wenn einem Haus die statisch wichtigen Mauern zerschlagen würden. Wie sähe das Haus beim nächsten kleinen Erdbeben aus? Der Wirtschaft jetzt rasch und unbürokratisch zu helfen, ist die bessere Option, als sie dann wiederaufzubauen. Wir brauchen jetzt diese schnelle und unbürokratische Hilfe. Und sie braucht auch deutliche Worte und Unterstützung seitens der offiziellen Stellen.

Sind Loeb-Verkäuferinnen positiv auf das Virus getestet worden?

Glücklicherweise nicht. Wir tun alles, um den Arbeitsplatz sicher zu gestalten.

Was würde es für Loeb bedeuten, wenn die Schliessung bis Ende Mai verlängert werden müsste?

Je länger es dauert, umso schwieriger wird es für den gesamten stationären Handel. Der verlorene Umsatz tut uns sehr weh, denn die meisten Kosten laufen weiter. Darum ist schnelle Unterstützung von aussen wichtig. Aber wie bereits erwähnt hat die Gesundheit unserer Gesellschaft höchste Priorität.

Das Interview wurde schriftlich geführt.