Literarischer Zwischenhalt im Stadtkeller
Dres Balmer, Reiseschriftsteller und Velofahrer, zurück von seiner Velotour rund um die Ostsee, machte am vergangenen Mittwoch einen Halt im Stadtkeller Unterseen.

So geschmeidig, wie er sich auf das Velo schwingt, so geschmeidig sind auch seine Texte. Dres Balmer, als «AHV-Positiver», wie er sich nennt, kennt kaum Grenzen. Wenn er mit seinem leichten Tourenbike unterwegs ist um irgendeinen grossen See oder ein Meer, geht die Post ab. Im Uhrzeigersinn, das Wasser an der rechten Seite.
Dres Balmers Augen sind überall. Und im Hirni schreibt es. Geschichten zum Erzählen. Von kleinen Dingen am Strassenrand – kaum zu glauben, dass ein rasender Schreiber diese überhaupt sehen kann –, das einsame Reh im gelben Rapsfeld weit hinten am Horizont und, und, und. Am liebsten würde Dres es gleich notieren. Doch noch hat er ein Ziel vor Augen: Puttgarden, Ende der ersten Etappe rund um die Ostsee.
Der Start ist das Ziel
Dres Balmer liest im Stadtkeller. Eingeladen hat der Verein Pro Velo. Jeder «Sattel» ist besetzt. Dres nimmt die Zuhörer – die meisten selber Velofahrer – mit auf seine Nordlandtour. Der Start ist auch gleich das Ziel, dazwischen liegen 5500 Kilometer: Europastrassen, Radwege, unendlich lange Geraden durch abgeholzte Wälder. Sandpisten entlang von einsamen Küsten gilt es abzupedalen.
Dann endlich, nach vielen Kilometern in den Beinen, kommt die Suche nach einem günstigen Zimmer oder einem Campingplatz. Eine Beiz zum Aufwärmen und Menschen zum Reden.
«Die freundlichsten Schweden sind die Italiener und Türken», meint Dres Balmer, «sie haben, so scheint es, die Gastronomie in den Nordländern übernommen. Nach einer langen Tagesfahrt schmeckt ein griechischer Salat in einer türkischen Pizzeria himmlisch.»
Zügig unterwegs
Dres Balmer schreibt und erzählt so, wie er unterwegs ist. Voller Energie, mit schnellem Rhythmus.
Am liebsten würde man mitradeln, sich im Windschatten mitziehen lassen. Ihn durch die schmalen Gassen der Städte begleiten, diese mit seinen Augen sehen. «Sankt Petersburg, eine grossartige Stadt, da ist Paris ein Dreck dagegen», schwärmt Dres. Oder mit ihm ins Grübeln kommen, wenn die endlosen Soldatenfriedhöfe an der russisch-estnischen Grenze kein Ende nehmen...
«Wann erscheint dein Buch?», fragt nach der Lesung im Stadtkeller ein ungeduldiger Velofreund. Noch ist es nicht ganz so weit, die Texte sind auf der Teststrecke. Ob das einsame Reh im gelben Rapsfeld auf Dres gewartet hat?
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