Zum Hauptinhalt springen

Wohnen wird billiger

Die Suche nach einer Wohnung wird einfacher, und vielerorts sinken sogar die Preise. Die schwierige Phase steht der Immobilienwirtschaft indes noch bevor.

Fallende Preise: Am Zürichsee (im Bild Bäch) werden Objekte bis 10 Prozent günstiger ausgeschrieben als noch vor zwei Jahren.
Fallende Preise: Am Zürichsee (im Bild Bäch) werden Objekte bis 10 Prozent günstiger ausgeschrieben als noch vor zwei Jahren.
Keystone

Mit Dutzenden Interessenten Schlange stehen bei der Wohnungsbesichtigung und happige Preisaufschläge bei Neuvermietungen in Kauf nehmen: Das prägte den Zürcher Wohnungsmarkt der letzten Jahre. Doch jetzt wendet sich das Blatt.

Das gestern publizierte Immobilien-Monitoring der Beratungsfirma Wüest & Partner prognostiziert erstmals seit zehn Jahren wieder eine Verbreiterung des Angebots und gesamtschweizerisch gar sinkende Preise. Laut der Prognose werden die Wohnungsmieten bis Mitte 2010 durchschnittlich 0,4 Prozent, Preise für Eigentumswohnungen um 0,1 Prozent sinken. Besonders hart trifft es das kommerzielle Immobiliengeschäft: Büroflächen werden in den nächsten Monaten durchschnittlich 4,5 Prozent günstiger, Verkaufsflächen 2,7 Prozent.

Einzig Einfamilienhäuser sollen noch einmal teurer werden, in diesem Segment hat die Bauwirtschaft die Investitionen bereits stark gedrosselt. Die Bautätigkeit im Mehrfamilienhausbau läuft jedoch immer noch auf hohen Touren. Auch wenn die Preiskorrekturen im Wohnbereich vorerst moderat ausfallen, läutet dies dennoch die Trendwende ein: Die mehrjährige Phase des Booms mit stetig steigenden Preisen gehört definitiv der Vergangenheit an. «Die Interpretation, wonach der Schweizer Immobilienmarkt mit einem blauen Auge davonkommt, ist falsch», sagt Dieter Marmet, der Verfasser der Studie. Für ihn ist es an der Zeit, die Projekte und Pläne in den Schubladen kritisch nach ihren Vermarktungschancen zu hinterfragen.

Neubaumieten eingebrochen

Gemäss Wüest & Partner gibt es mehrere Gründe dafür, dass die Spuren der Rezession und Finanzkrise erst mit Verzögerung sichtbar werden: Die Zuwanderung, die den Immobilienmarkt in den letzten Jahren beflügelt hat, geht stetig zurück. Steigende Arbeitslosigkeit und die sich zusehends verschlechternde Konsumentenstimmung versetzen der inländischen Nachfrage einen Dämpfer. «Die Lust auf eine grössere und schönere Wohnung», sagt Marmet, «geht spürbar zurück.» Die Tatsache, dass sich Eigentumswohnungen dieses Jahr noch gut gehalten haben, ist vor allem auf die historisch tiefen Zinsen zurückzuführen. Der Effekt tiefer Zinsen verpufft aber irgendwann.

Bei den Neubaumietwohnungen sind die Preise in den letzten sechs Monaten geradezu eingebrochen: minus 6,6 Prozent. Die Trendwende wird nun schrittweise andere Segmente erfassen: Am meisten unter Druck kommen eher teurere Neubauten, Luxusobjekte sowie generell das gehobene Segment am Zürichsee oder in der Stadt Zürich. Manche Immobilienmakler räumen dies ein - einer von ihnen sagt, dass er die Angebote am Zürichsee heute 10 Prozent günstiger ausschreibe als noch vor zwei Jahren.

Die Preise werden auch dort ins Rutschen kommen, wo das Angebot schon gross ist und wo man viel gebaut hat, also vor allem im zweiten Agglomerationsgürtel, zum Beispiel im Raum Bülach, Furttal, Glattal oder in Richtung Zürcher Oberland.

Den ersten Monat gratis wohnen

Musik in den Ohren derer, die eine Wohnung suchen: Schon jetzt tauchen wieder Aktionsangebote auf wie «den ersten Monat gratis wohnen». Ausserhalb der «Hot Spots» der Bau- und Investitionstätigkeit verläuft die ganze Entwicklung aber in ruhigeren Bahnen, und Panik wäre fehl am Platz. Bei Wohnungen für den Mittelstand zeichnet sich noch keine grosse Veränderung ab, und preiswerte Angebote in City-Lage werden auch künftig rar bleiben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch