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Wenig Wellen, viel Wellness

Segelferien oder Wellnessurlaub? Auf der «Merlin» und der «Pelegrin» ist beides möglich: Beim genussvollen Bordleben kann man sich auch mal eine wohltuende Massage unter der griechischen Sonne gönnen.

Dunkelblaue Shorts, weisses T-Shirt, braun gebrannt bis zu den Zehenspitzen. So empfängt uns Kapitän Günter am Flugplatz von Korfu. Ein kurzer Halt im Städtchen zum «Brot tanken», und weiter gehts zur Marina, wo neben unzähligen schneeweissen Nobeljachten die aus Holz gebauten Rah-Segelschiffe «Merlin» und «Pelegrin» vertäut sind. Die schönsten Schiffe weit und breit.

Beim Welcome-Drink lernen wir die Crew und unsere Mitpassagiere kennen. Gemeinsam geniessen wir ein erstes griechisches Nachtessen in einer nahen Taverne. Vor dem Einschlafen ein letzter Blick zu den Sternen über uns. Wecken wird uns am Morgen das leise Anklopfen der Wellen. Und dann, nach dem Frühstück, laufen wir aus – bei strahlend schönem Wetter. Alltag ade

Eine Woche ohne TV, Zeitungen und Internet liegt vor uns. Freiheit total – tun und lassen nach Lust und Laune, lautet die Devise. Es gibt weder einen Fahr- noch einen Stundenplan. Fix sind einzig der Startort und das Ziel. Wohin die Reise führt, bestimmen Wind, Wetter und letztlich der Kapitän. Unterwegs liegt (fast) alles drin: Zum Beispiel auch ein Bad schon vor dem Frühstück. Wir ankern in einsamen Buchten, schwimmen und schnorcheln im glasklaren Wasser. Oder wir machen zwischen farbigen Fischerbooten an der Pier eines kleinen Hafens fest und schlendern durch den Ort, setzen uns für einen Ouzo in ein Strandbeizchen. Zu den Höhepunkten des Törns gehört die Umrundung von Paxos, das, wie fast alle Inseln, zwei Gesichter hat: An der Ostküste befinden sich traumhafte Badebuchten, der Westen ist schroff und überrascht mit spektakulären Felsformationen.

Süsses Bordleben

Während das Schiff durch die Wellen gleitet, macht man sichs auf dem Sonnendeck bequem – in einem Buch lesend oder ganz einfach in die flatternden, sich weiss vom blauen Himmel abhebenden Segel blinzelnd. Man schaut ins Wasser, hält nach Delfinen Ausschau und bekommt nicht genug von der Landschaft, die sich hie nackt und kahl, da fruchtbar und grün und dort als faszinierende Inselwelt präsentiert. Und immer wieder freut man sich an den mal poetischen, mal dramatischen Stimmungen und am Zauber der aufgehenden und der untergehenden Sonne.

Der Ruf nach Medizin ist häufig zu hören an Bord. Nicht etwa, weil es dem Magen schlecht geht. Schliesslich bewegen wir uns zwischen dem Festland (Epirusküste) und Inseln – und damit in meistens ruhigen Gewässern. «Medizin» heisst der Käptens-Drink, den man sich zwischendurch immer wieder gerne genehmigt. Etwa bevor man sich zum Essen an den gedeckten Tisch setzt. Am grossen Tisch unter dem Sonnensegel treffen sich die Passagiere oft auch für ein Spielchen oder für ein Plauderstündchen bei einer Tasse Kaffee. In lauen Nächten direkt unter dem klaren Sternenhimmel zu schlafen, ist für viele Passagiere das Grösste. Das Übernachten im Freien ist aber absolut freiwillig; natürlich gibt es für jeden Gast eine Koje. Die über steile Stufen erreichbaren Kabinen befinden sich unter Deck – sie sind zwar klein und fensterlos, aber schmuck ausgestaltet und optimal eingerichtet: Es gibt relativ viel Stauraum und ein Lavabo mit fliessend kaltem und warmem Wasser (Duschen und WCs stehen in separaten Nasszellen zur Verfügung).

Wellness ahoi

Eine Kabine ist als Schönheitssalon eingerichtet – sie ist das Reich der mitsegelnden Kosmetikerin. Weit schöner aber ist es, sich auf Deck «behandeln» zu lassen. Man stelle sich vor: Manicure auf hoher See, Fussreflexzonenmassage vor der Insel Antipaxos, auf dem Oberdeck liegend von kräftigen Händen durchgeknetet werden – Wind in den Haaren und Meerduft in der Nase. Wellness gab es auf den Schiffen von Günter Bungartz bereits, als der Begriff noch längst nicht in aller Leute Mund war. Das Angebot entstand, weil seine damalige Lebenspartnerin beruflich auf diesem Gebiet tätig war. Heute ist stets eine diplomierte, in der Schweiz ausgebildete Kosmetikerin und Masseurin mit an Bord. Die Palette an Beauty- und Entspannungsanwendungen ist gross: Körperpeeling, Gesichtsbehandlungen, Lymphdrainage, Ganzkörper- und Teilmassagen, Celluliteprogramme. Immer mehr machen auch Männer vom Wellnessangebot Gebrauch, für sie gibt es eigens ein «Zeus-Paket». Auch für Fitness ist gesorgt: Morgenturnen, Stretching, Joggen, Wandern, Wassersport verschiedenster Art – möglich wird gemacht, was sich die Gäste wünschen.

Vom Konditor zum Kapitän

Unser schnauzbärtiger, stets gut gelaunter Skipper ist Eigentümer der Schiffe «Merlin» und «Pelegrin». Er ist aber weit mehr als das: ein perfekter Gastgeber, Barman und Koch. Was Günter in seiner Freiluftkombüse im Schiffsheck der «Merlin» hinzaubert (meistens auch für die Passagiere auf dem Schwesternschiff), überrascht die Gäste täglich von neuem. Dabei achtet er auf bekömmliches Essen: Mediterrane Kost – Gemüse, Salat, Fisch oder fettarmes Fleisch vom Grill – dominiert den mittäglichen Menüplan. Nie fehlen dabei Tsatziki und Günters hausgemachte Kräuterbutter. Beim Kochen duldet er übrigens keine Hilfe. Ganz anders beim Schiffshandwerk. Wer Lust hat, kann in die Rahen klettern, um die Segel zu lösen, oder mithelfen beim «Auftuchen», Ankersetzen oder beim Hantieren mit den Seilen bei den Anlegemanövern.

Günter Bungartz stammt ursprünglich aus Deutschland, hat jedoch einen Teil seiner Kindheit in der Schweiz verbracht. In Bern liess er sich zum Bäcker und Konditor ausbilden. Bereits vor Jahrzehnten machte der passionierte Segler sein Hobby zum Beruf. Er hat seine beiden Motorsegler weitgehend selbst für die Bedürfnisse als Passagierschiffe um- und ausgebaut, mit viel Liebe zum Detail. Den Winter verbringen Günter und seine Frau Erika Handschin Bungartz in Bern. Die Törns auf den Rah-Segelschiffen «Merlin» und «Pelegrin» sind eine tolle Alternative zu Ferien auf einer Beautyfarm oder einem Kreuzfahrtschiff – und überdies eine gute Art, Griechenland abseits des Tourismusrummels zu erleben.

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